Gottesdienst

in Gönningen an Silvester 99 um 18 Uhr

2. Mose 13,20-22

Glocken
Orgelvorspiel (Über EG 363?) und Eingangsmeditation (Beleuchtung nur durch Lichtuhr; keine Kerzen; Zündhölzer Altar)
Orgelvers (Kirche ganz abdunkeln; Lichtuhr an)
Meditation (Brigitte)
Tick, tick, tick -
ich höre das Ticken der Uhr.
Die Zeit verrinnt.
"Kurz vor 2000":
Zeit liegt hinter mir.
Jetzt ist es Zeit.
Die Zukunft kommt auf mich zu.
Ich habe schon manches erlebt.
Spannende und langweilige Tage.
Arbeitstage und Urlaub.
Tage, die ich aus meinem Leben lieber streichen würde.
Tage, die ich nie mehr vergessen werde.
Jetzt bin ich hier in der Kirche.
Ein bißchen nervös: wie es wohl weitergeht bei mir und in dieser Welt.
Voller Vorfreude auf einen schönen Abend.
Jetzt bin ich da und feiere Gottesdienst.
Gott hat mich eingeladen,
auf ihn zu hören.
Jetzt bin ich hier und die Zeit läuft weiter.
Das Jahr 2000 kommt auf uns zu.
Ob wohl alles gut geht -
oder ob die Computer doch manches durcheinander bringen.
Ich freue mich auf diesen Abend -
und bin ein bißchen melancholisch, traurig gar, wenn ich zurückschaue.
Was das neue Jahr wohl bringen wird?
Und das neue Jahrzehnt?
In zehn Jahren bin ich endlich volljährig, bin ich in den Vierzigern, Fünfzigern, bin ich im Rentenalter ¼ -
das kann ich mir noch gar nicht recht vorstellen.
Zehn Jahre sind so kurz und doch so lang.
So schnell vergeht die Zeit.
Sie gleitet durch die Finger.
Was mir die Zukunft wohl bringen wird.
Schweres wird wohl nicht ausbleiben.
Was hält mich?
Was gibt mir die Richtung?
Ich bin hier in deinem Haus, Gott,
spricht zu mir -
du hast meine Zukunft in deinen Händen!
Tick, tick, tick -
ich höre das Ticken der Uhr.
Die Zeit verrinnt.
"Kurz vor 2000".
Orgel (Beleuchtung an, Weihnachtsbaum an)
Votum - einfaches Amen
Gnade sei mit euch
und Friede von dem,
der war und der da ist und der da kommt!
gesungenes Amen.
Begrüßung
"Kurz vor 2000" feiern wir noch einmal miteinander Gottesdienst,
wird es uns bewußt, wie unsere Lebenszeit verrinnt;
"Kurz vor 2000" spüren wir vielleicht auch, wie wir nur ein Tropfen im Ozean der Zeiten sind -
so vor dem Beginn eines neuen Jahrzehnts,
Jahrhunderts,
Jahrtausends - auch wenn all das dann doch erst in zwölf Monaten beginnen sollte.
"Kurz vor 2000" wird uns Versäumtes und Verschuldetes klar,
stellen wir uns unserer Verantwortung.
"Kurz vor 2000" kommen wir von Gott,
von dem wir mit unserem Spruch auf diesen Abend bekennen:
Wochenspruch: Psalm 103,8
"Barmherzig und gnädig ist der HERR,
geduldig und von großer Güte."
Er hält deine und meine Zeit in seinen Hände;
davon singt das Lied Jochen Kleppers "Der Du die Zeit in Händen hast".
Lied EG 64,1-3 "Der Du die Zeit in Händen hast" (M: "Kommt her zu mir" EG 363)
Buße
Übergänge brauchen Entlastung von dem, was uns belastet.
So können und wollen wir nicht leugnen,
daß wir vor Gott und vor andern Menschen schuldig geworden sind.
Wir sind Gefangene unserer Tage,
verstrickt in unsere Lebensgeschichte,
die uns nicht nur Gutes gelehrt hat.
Wir waren nicht immer ehrlich
und haben nicht immer das Beste erreicht.
Wir haben oft den einfacheren Weg gewählt
und sind nötigen Auseinandersetzungen manches Mal aus dem Weg gegangen.
Wir wußten oft nicht, was richtig ist,
und erst im Nachhinein zeigt sich, was doch falsch war.
Wir können nicht leben, ohne daß wir schuldig werden.
Wir sind eingebunden in die Geschichte unserer Jahrzehnte
und wir tragen mit die Verantwortung für das, was nach uns kommt.
Wir sind verstrickt in eine Geschichte, in der es nicht nur Gutes gibt.
Andere mögen in ihr maßgeblich sein,
und doch sind die, die nach uns kommen, auf unser Mitdenken und unsere Wachsamkeit angewiesen.
Wir wußten manches Mal, was besser wäre und blieben doch in den eingefahrenen Bahnen.
Wir hofften, daß andere für uns reden und handeln.
Die Welt ist vielfältig und unüberschaubar geworden und wir sehen oft unsere Grenzen:
Wir können nicht leben, ohne daß wir schuldig werden.
Wir bekennen, daß wir vor Gott
und vor andern Menschen schuldig geworden sind.
Mit den Betern der Psalmen sprechen wir:
Gott, sei mir gnädig nach deiner Güte
und tilge meine Sünden nach deiner großen Barmherzigkeit.
Schaffe in mir Gott, ein reines Herz,
und gib mir einen neuen, beständigen Geist.
Verwirf mich nicht von deinem Angesicht,
und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir.
Amen.
Absolution
Ist dies auch deine Bitte,
so verkündige ich dir im Namen Jesu, der dich durch deine Geschichte begleitet,
im Namen des Vaters, der dich geschaffen hat,
und im Namen des Heiligen Geistes, der dich erleuchtet die Vergebung deiner Schuld.
Gott öffnet dir Zukunft!
Amen.
Lied EG 64,5+6 "Der Du die Zeit in Händen hast" (M: "Kommt her zu mir" EG 363)
Psalm 121 (EG 749)
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels
schläft und schlummert nicht.
Der Herr behüte dich;
der Herr ist dein Schatten
über deiner rechten Hand,
daß dich des Tages
die Sonne nicht steche,
noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der Herr behüte
deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit.
"Ehr sei dem Vater"
Gebet
Du bist meinen Weg mitgegangen bis heute, Gott:
die Um- und Irrwege,
die geraden Straßen auf der Hochebene,
die gewundenen Pfade durchs dunkle Tal.
In dieser Stunde bitte ich dich, daß du dabeibleibst, Gott.
Leite und führe mich,
stell meine Füße auf weiten Raum,
damit ich Zukunft habe.
Amen.
Stilles Gebet
Abschlußvotum:
Unsere Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.
"Kasualien"/Keyboardmusik (über EG 541?)
Keyboard-Musik
Keyboard und Meditation (Entzünden der Kerzen)
Einleitung
Tick, tick, tick -
ich höre das Ticken der Uhr.
Die Zeit verrinnt.
Die Zeit dieses Jahres,
eines Jahrzehnts, Jahrhunderts, Jahrtausends verrinnt -
in diesen Stunden,
oder wenn Sie es gern korrekt mögen: im vor uns liegenden Jahr 2000.
Wenn wir so spüren, wie nicht nur die Zeit, sondern meine Lebenszeit verrinnt, wird es einem manchmal etwas flau zumute.
Der Hebärerbrief macht uns eine Zusage, die unser Herz fest machen kann: (13,8f)
"Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit.
Laßt euch nicht durch mancherlei und fremde Lehren umtreiben, denn es ist ein köstlich Ding, daß das Herz fest werde, welches
geschieht durch Gnade."
Osterkerze (Taufen)
(99: 28; 90er: 272; 20. Jhd.: 2827)
Diese Gnade haben wir unseren Täuflingen hier in der Kirche zugesprochen.
28 Jungen und Mädchen waren es in diesem Jahr -
schwere und schnelle Geburten,
Frühchen und kräftige Babys,
Wunschkinder, ungeplante, kaum mehr erhoffte.
Jedes Jahr in diesem Jahrzehnt und Jahrhundert waren es im Durchschnitt 28 Kinder, die in unserer Gönninger Kirche getauft wurden.
Wir bitten um Glauben für unsere Kinder!
Altarkerze links (Konfirmanden)
(99: 23; 90er: 225; 20. Jhd.: 3162)
Aus Kindern werden Leute: 23 Jungen und Mädchen wurden in diesem Jahr konfirmiert;
über 3000 Jugendliche haben in diesem Jahrhundert hier ihr Ja gesprochen:
manche mit der Frage, was sie von dem allem halten sollen,
manche schon sehr gewiß im Glauben,
manche als Ausdruck ihrer Suche, nach einem eigenen Glaubensweg.
Manchmal treffen wir einige von ihnen im Gottesdienst,
manche sind in unseren Jugendtreffs,
nicht wenige lassen sich immer mal wieder einladen.
Wir bitten Gott, daß sie ihren Weg finden!
Altarkerze rechts (Trauungen)
(99: 9; 90er: 123; 20. Jhd.: 1241)
1241 Paare haben sich in der Gönninger Evangelischen Kirchengemeinde seit 1900 um Gottes Segen für ihre Ehe gebetet.
9 Paare haben wir dieses Jahr getraut.
Ehen werden heute nicht mehr als Muß geschlossen;
sie werden so gesehen vielleicht selbstbestimmter, bewußter eingegangen als früher;
aber sie unterliegen dadurch auch höheren Belastungen.
Wir bitten für unsere Paare um Treue zueinander!
Altarkerze Mitte (Bestattungen) (99: 28; 90er: 247; 20. Jhd.: 2891)
Etwa ebenso viele Bestattungen wie Taufen haben wir in unserer Gemeinde;
fast 3000 Frauen, Männer, Kinder in unserem 20. Jahrhundert;
in den Kirchenbüchern heben rote Kreuze diejenigen hervor, die in den Kriegen starben.
Im zu Ende gehenden Jahr waren wir 28 Mal auf dem Friedhof:
ein Tod auf der Höhe des Lebens nach einer kurzen, schweren Krankheit oder nach einer langen Zeit der Ungewißheit;
ein abgeschlossenes Leben in hohem Alter;
das Sterben, das gemeinsame Pläne zunichte machte:
jeder Hinterbliebene, jede Trauernde hat das Ihre zu tragen.
Möge Gott seine Nähe spüren lassen!
Schluß
Tick, tick, tick -
ich höre das Ticken der Uhr.
Die Zeit verrinnt.
Es ist Zeit, die in Gottes Ewigkeit fließt.
Es ist Zeit, in der wir uns "von guten Mächten wunderbar geborgen" wissen dürfen,
wie es Dietrich Bonhoeffers Zeilen auf unserem Liedblatt ausdrücken.
Intonation zu EG 65/541 (Keyboard)
Hauptlied EG 65,1-3 "Von guten Mächten" (M: 541)
 
Predigt über 2. Mose 13,20-22
Einleitung
Hinführung
Liebe Gemeinde,
"kurz vor 2000" -
fast jeder von uns hat schon mal gespannt auf den Kilometerzähler im Auto beblickt,
wenn er von einer Reihe Neunen auf die Nullen wechselte;
99.999 - man sieht die Neunen zuletzt gar nicht mehr richtig,
dann - klick: 100.000.
Dieser Moment, als die 100.000 voll waren, unterschied sich in kaum etwas von den vielen anderen Kilometern im Wagen.
Aber man war vielleicht einen Augenblick froh, daß man bislang ohne größeren Unfall über die Runden kam;
und man fragte sich, wie lange es der alte Wagen noch machen würde.
Liebe Gemeinde,
wir alle wissen um die Zufälligkeit dessen, was wir gerade tun:
daß jetzt in 5 1/2 Stunde Jahrtausendwechsel sein soll -
die ganze Zählerei stimmt doch sowieso nicht:
Aber ehrlich:
Wer kann sich der Magie der runden Zahl schon ganz entziehen in diesen Wochen und Tagen?
Und überhaupt:
Warum sollte man überhaupt?
Lassen wir uns ein wenig verzaubern von jener 2000;
tun wir so, als ob es ein besonderer Moment sei -
ein besonderer Moment und eine besondere Wegstrecke mit Gott,
so wie Gott in dieser Kirche gerade eine Wegstrecke mit uns geht.
Jahreswechsel, der 31.12., 1.1., ist ja kein religiöses Datum;
es ist ein Datum im Alltag unserer Welt;
und in diesem Alltag geht Gott mit -
kein Sonntags- und Feiertags-Gott.
Und wenn dann alle vier Ziffern der Jahreszahl wie auf dem Kilometerzähler wechseln,
dann fühlt man sich wie an einem ganz besonderen Wendepunkt des Alltags dieser Welt.
Mit diesen Rückblicken auf den Alltag dieser Welt,
mit ihren Schatten- und Lichtseiten,
gehen wir die Schwelle an,
gehen wir in die Zukunft;
und wir bitten Gott,
daß er uns gewiß macht:
Ich gehe mit euch!
Er geht mit, so wie es die alten Geschichten vom Volk Israel erzählen,
das auf dem Weg aus Ägypten in die Zukunft war;
Gott hat sie begleitet und geführt:
Text
So zog das Volk Israel aus von Sukkot
und lagerte sich in Etam am Rande der Wüste.
Und der HERR zog vor ihnen her, am Tage in einer Wolkensäule, um sie den rechten Weg zu führen,
und bei Nacht in einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten,
damit sie Tag und Nacht wandern konnten.
Niemals wich die Wolkensäule von dem Volk bei Tage
noch die Feuersäule bei Nacht.
Hauptteil
Liebe Gemeinde,
Menschen auf dem Weg in ihre Zukunft.
Menschen am Rande der Wüste - und das ist nicht nur das dürre Land, wo man Angst hat vor wilden Tieren und Wassermangel;
das ist für das Volk Israel auch der Ort, in der man sich Gott besonders verbunden wußte.
Was man bekam, nahmen die Menschen sehr bewußt aus Gottes Hand;
wie früher, als man wenig hatte und dafür im Tischgebet Danke sagte:
Was wir haben, kommt, o Gott, von dir!
Das Volk wußte, daß sie es nur gemeinsam schaffen können,
In der Gemeinschaft wußten sie sich Gott besonders verbunden;
Die Wüste war aber auch der Ort, wo man sich besonderen Gefährdungen ausgesetzt sah;
nein, nicht die geschwollenen Füße und der leere Magen;
die Gefährdung bestand im verklärenden Blick zurück:
wenn die Menschen nicht mehr auf Wolken- und Feuersäule blickten,
dann schauten sie zurück nach Ägypten:
und sie rochen nur noch das gekochte Lammfleisch,
aber spürten nicht mehr die Schläge der Sklaventreiber.
Solcher Blick zurück verstellte den Blick in Gottes Zukunft.
Und er führte zum Undank gegen Gott,
der einen schließlich in diese Lage gebracht hatte,
hierher, wo alles schlechter schien als früher.
Und sie spürten nicht, wie es ihnen in Wirklichkeit jetzt in der Wüste besser ging als im Sklavenhaus.
Liebe Gemeinde,
so verbunden mit Gott,
so gefährdet,
begegnet uns das Volk.
Und wenn wir es uns bildlich vorstellen, was in unseren Bibelversen erzählt wird,
dann verstehen wir, daß das eben auch bildlich, symbolisch gedeutet sein will:
"Und der HERR zog vor ihnen her in einer Wolkensäule und in einer Feuersäule".
Gott statt GPS
Liebe Gemeinde,
Wolken- und Feuersäulen sind aus der Mode gekommen;
heute bedient sich jeder bessere Oberklassewagen der Satelliten-Navigation,
Aufpreis etwa 4600 Mark.
Damit wissen Sie immer, wo Sie sind;
Ziel eingeben und Sie werden auf der kürzesten Strecke dorthin geführt.
Im richtigen Leben haben wie es da nicht so leicht:
Wir wissen manchmal nicht so recht, wo wir sind, und wo uns der Kopf steht;
und mit dem Ziel ist es noch schwieriger.
Das ist schon in einer Gemeinde wie der unseren so.
Wo soll es hingehen mit der Evangelischen Kirchengemeinde Gönningen im neuen Millennium,
oder wenigstens in nächster Zeit?
Wir müssen planen und Schwerpunkte setzen.
Wir wollen "miteinander Christ sein" und "für den nächsten da sein", haben wir gesagt;
und wir müssen uns überlegen, wie wir das machen;
wie können wir uns für unsere Welt einsetzen,
welche Menschen brauchen uns besonders?
Aber dabei ist es kein Zufall, wenn es in unserm Motto zuerst heißt: "miteinander Christ sein".
Denn das wird unsere Zukunft als Kirchengemeinde entscheidend prägen, ob es uns gelingt, vor allem im Gottesdienst, das "miteinander Christ sein" einzuüben und auszudrücken.
Gott statt Satelliten-Navigation -
auch wenn beides von oben kommt,
dann gibt es doch den entscheidenden Unterschied:
Von Gott seinen Weg gewiesen bekommen:
das geschieht nur in den seltensten Fällen so eindeutig wie in unserer Geschichte,
auch wenn man sich manchmal solch himmlische Wegweiser wünschen würde:
da geht's lang ¼
Vielleicht ist ja aber auch die entscheidende Richtung, die Wolken- und Feuersäule angeben,
die Blickrichtung nach oben,
Richtung Gott.
Nach ihm zu fragen,
darüber nachdenken, wie er sich uns in Jesus Christus gezeigt hat,
überlegen, was vor ihm richtig ist,
das ist schon der erste entscheidende Schritt in die richtige Richtung.
Und dann singen:
"Nun aufwärts froh den Blick gewandt
und vorwärts fest den Schritt!
Wir gehn an unsers Meisters Hand,
und unser Herr geht mit."
Das ist das schöne an unserer Kirche,
daß das durch ihre Architektur ganz automatisch geschieht:
aufwärts den Blick ¼
verhüllte Gegenwart
Liebe Gemeinde,
für mich hat Silvester auch immer etwas Melancholisches.
Gott ist in der Wolken- und Feuersäule eben nicht nur vor Augen;
er ist darin eben auch nur verborgen da.
Ob es wirklich göttliche Wolke und göttliches Feuer ist, dem man hinterhergelebt hat?
War Gott wirklich dabei?
Auch für den einen oder anderen von Ihnen war es kein leichtes Jahr.
War es ein "anno domini", ein Jahr des Herrn?
Wir machen keine Jahre des Herrn und keine heiligen Jahre;
auch Dietrich Bonhoeffer konnte in seiner Zelle 1944 die Zeilen nicht aus sich heraus sagen, die er uns in seinem Gedicht "Von guten Mächten" weitergab.
Gott selbst muß es uns ins Herz schreiben,
daß er da war, wo wir waren.
Und manchmal dürfen wir es dann spüren durch seinen Geist:
Solche Erfahrungen gilt es festzuhalten, im Gedächtnis zu behalten, damit wir getrost und mutig in die Zukunft gehen können.
Denn auch in der Zukunft wird uns Gott nur verborgen begegnen.
Gott war schon hier
Liebe Gemeinde,
in die Zukunft:
in meine Zukunft,
in unsere Zukunft.
In diesen Wochen sind wir überschüttet worden mit Trends, Szenarien und Spekulationen.
Die Gelehrten streiten sich fröhlich,
und zwischen Science-Fiction und Nostradamus hat jeder freie Wahl der Zukünfte.
Für mich ist heute Abend das Bild unserer Bibelverse entscheidend:
Und das zeigt mir:
Wo es auch hinter der Wolken- oder Feuersäule her geht,
Gott war schon dort.
Wer hinter Gott bleibt,
betritt immer von ihm schon begangenen Weg.
Und der Gekreuzigte lehrt uns, daß das selbst für den letzten aller Wege gilt:
Gott war schon hier.
Das meint die Bibel mit dem Wort Hoffnung,
dieser Schwester der Zukunft.
Hoffnung heißt,
daß wir immer noch Zukunft mit Gott haben.
Deshalb sagt Paulus, daß die Hoffnung nicht aufhört,
selbst in Gottes neuer Welt nicht.
Der Prognosen sind viele;
die Bibel weiß eigentlich nur eines über deine Zukunft zu sagen:
daß sie eine Zukunft mit Gott sein wird.
Daß Gott - wenn auch oft nur verborgen - da sein wird.
Liebe Gemeinde,
wenn aber Gott schon immer da war, wo wir hingehen -
was ist das für ein Land, das er hinterläßt:
Er hatte mit dem Volk Israel ein Ziel -
das Land, darin Milch und Honig fließen.
Er hat mit unserer Welt ein Ziel -
eine Welt, darin das eritreischen Kind daheim zur Schule gehen kann und die tschetschenische Mutter keine Angst zu haben braucht.
Zukunft kommt ja nicht nur auf uns zu -
wir gestalten sie,
Zukunft ist Geschenk Gottes an uns -
bei ihm immer eine Zukunft zu haben;
Zukunft ist aber auch seine Aufgabe an uns.
Es ist eine schöne, lohnende Aufgabe;
Es gibt Peanuts, die kann man abschreiben;
und es gibt kleine Schritte hinter Gott her, die bei ihm nie vergeblich sein können.
Schluß
Liebe Gemeinde,
ist es nicht nur kurz vor 2000,
sondern schon kurz vor zwölf?
Die Naturkatastrophen der letzten Monate,
die Probleme und Verunsicherungen durch den Jahr-2000-Computerfehler
führen uns vor Augen,
daß wir nicht,
nicht mehr,
immer noch nicht Herr der Lage sind.
Wir sind dem Weltenlauf genauso ausgeliefert wie vor 1000 Jahren.
Mit dem Unterschied, daß dieses Wissen uns moderne Menschen zutiefst kränkt.
Wir wollen nicht mehr gottergeben sein;
wir wollen selbst bestimmen.
Liebe Gemeinde,
kurz vor 2000 halten wir Ausschau nach der Wolken- und Feuersäule,
die unseren Blick in die richtige Richtung lenkt;
und die uns - verhüllt zwar - den Gott vor Augen stellt,
der immer schon da war, bei dir zu sein,
wohin du auch gehst.
Amen.

Lied nach der Predigt EG 65,4-6 "Von guten Mächten" (M: 541)
Fürbittengebet
Einleitung
In unserem letzten Gemeindebrief haben wir zum Bitten und Danken im Blick auf diesen Jahreswechsel eingeladen.
Manche haben sich Gedanken gemacht,
manche haben uns auch Karten zukommen lassen.
Mit den Worten dieser Gemeindeglieder wollen wir beten!
Dank 1
Ich danke dir aus tiefem Herzen,
o Herr, für deine Lieb und Treu,
für deine Gnade täglich neu,
in Freuden und in Schmerzen.
Bitte 1
Bitte, Gott, erhalte uns den Frieden
und gib uns die Kraft und den Sinn, deine Schöpfung zu lieben und zu bewahren!
Dank 2
Danke, lieber Gott, für viele gute Jahre Ehe und Familie.
Oft habe ich nun das Gefühl, daß du deine segnende Hand von mir genommen hast. Selbst wenn ich unter vielen Menschen bin, fühle ich mich einsam und alleingelassen. Vielleicht liegt es an mir selbst.
Halte in neuen Jahr deine gnädige Hand über mich und alle Menschen!
Bitte 2
Ich bitte um Frieden auf der Welt,
um Trost für Trauernde,
um Hilfe in Not,
für Menschen in Depression,
für ein schwerbehindertes Kind.
Dank 3
Danke, Gott, für die Begegnung mit so vielen freundlichen Menschen, die ich jeden Tag erlebe:
in der Familie, bei der Arbeit, in der Stadt, beim Einkaufen, bei Veranstaltungen und im Freundeskreis.
Bitte 3
Guter Gott, mache mich so klug wie Saint-Exupery,
der die Schiffsbauer nicht zum Arbeiten antreiben will,
sondern sie die Sehnsucht nach dem endlosen, weiten Meer leeren will.
Dank 4
Danke, Gott,
für Hilfe in Krankheit,
für ein gesundes Enkelkind,
für ein frohes Fest,
für Geborgenheit in der Familie,
für einen Sonnentag!
Bitte 4
Lieber Gott,
sei uns gnädig und gib, daß Frieden einkehre
auf unserer armen geschundenen Erde.
Dank 5
Danke für unser Leben, für die Menschen, die uns umgeben
und für das wunderschöne Stück Erde, das du uns als Heimat gegeben hast.
Danke für den Frieden, den wir noch in unserem Land haben und daß es uns immer noch so gut geht.
Bitte 5
Viele arme Länder des Südens müssen untragbar hohe Schulden an den Westen zurückzahlen. Diese Länder haben deshalb kein Geld mehr zur Bekämpfung der Armut in ihrem Land, kein Geld für Bildung und Gesundheit.
Wir bitten darum, diesen armen Ländern die Schulden weitreichend zu erlassen,
damit sie eine echte Chance zum Neuanfang bekommen.
Überleitung
An der Schwelle zum neuen Jahr beten wir zu dir mit den Worten deines Sohnes, die uns mit den Christinnen und Christen überall auf der Welt und durch die Zeiten hindurch verbinden!
Vaterunser
Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde Dein Name!
Dein Reich komme!
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden!
Unser täglich Brot gib uns heute!
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen!
Denn Dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.
Schlußlied EG 61,1+2+4+6 "Hilf, Herr Jesu, laß gelingen" (M: EG 166)
Abkündigungen
"Verleih uns Frieden gnädiglich" EG 421
Segen
Gott, unser Herr,
der dich überall und zu jeder Zeit sieht und hört,
schütze dich,
wende Sorge und Not von dir ab
und lasse dich
in seinem Frieden leben.
Es segne dich
Gott, der Vater;
er sei der Raum, in dem du lebst.
Es segne dich
Jesus Christus, der Sohn;
er sei der Weg, auf dem du gehst.
Es segne dich Gott,
der Heilige Geist;
er sei das Licht, das dich zur Wahrheit führt.
So segne dich
der Vater, der Sohn und der Heilige Geist.
gesungenes Amen
Orgelnachspiel



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