"neu anfangen" - Ein Konzeptionsentwurf

Entwurf vom 02.10.92

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1. Inhaltliches
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1.1 die Aktion
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"Neu anfangen - Christen laden ein zum Gespräch" ist ein Projekt, das vermittels medialer (Telefon und Taschenbuch) und personaler (Telefongespräch und Gesprächskreise) Kontakte versucht, möglichst flächendeckend in einer Region Menschen mit Kirche (neu) in einen zeitlich begrenzten Kontakt und ihnen das Evangelium Jesu Christi nahe zu bringen.
Das Projekt wird von ehrenamtlich Mitarbeitenden getragen und durch hauptamtliche Kräfte unterstützt.
Das Projekt wurde, aus dem evangelikalen Raum kommend, im Zuge der sog. VELKD-Doppelstrategie, die "öffnende und verdichtende" Arbeitsformen in der Gemeindearbeit integriert sehen möchte, auf volkskirchliche Verhältnisse transponiert; es sieht sich dem volkskirchlichen Umfeld verpflichtet und trifft sich darin mit Bestrebungen auf EKD-Ebene, die die inner- und außerkirchlichen Kommunikationsstrukturen verbessern wollen.
Es kann als evangelistische Bemühung im Sinne der grundlegenden Äußerung Papst Paul VI., "Evangelii nuntiandi - über die Evangelisierung in der Welt von heute" (vgl. dort bes. Nr. 45f, ferner 40, 14, 59 mit Verweis auf Ad gentes des Vat.II, 35), und den Beschlüssen der Diözesansynode Rottenburg-Stuttgart 1985/86 ("Weitergabe des Glaubens an die kommende Generation", Rottenburg 1986, bes. Ziff. 3./11!, S.46f.) gesehen werden.
Das Projekt versucht, berechtigte Anfragen von pietistischer und freikirchlicher Seite nach einer "missionierenden Kirche" auf und ernst zu nehmen.
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1.2 Ziele
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Leitziel der Aktion ist es,
Menschen zu ermutigen, ihr Leben im Lichte des Evangeliums Jesu Christi zu sehen,
ihr Vertrauen auf Gott als den Grund ihres Leben zu stärken
und Erfahrungen mit dem Glauben zu ermöglichen.
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1.21 die Mitarbeitenden
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Die Mitarbeitenden sollen in dem Bemühen unterstützt werden, ihren Glauben auszudrücken, zu bezeugen und sich seines Grundes gewisser zu werden. Dies markiert zugleich eine der beiden Voraussetzungen für Mitarbeiterschaft: sich einzulassen auf Fragen des christlichen Glaubens und die fachliche Kompetenz für das jeweilige Aufgabengebiet.
Für ihre spezifischen Aufgaben erfahren die Mitarbeitenden kompetente und sachbezogene Unterstützung auf Orts- und regionaler Ebene.
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1.211 die Pfarrer/innen, Dekane und andere hauptamtlich Mitarbeitende
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Pfarrer und andere hauptamtlich Mitarbeitende haben die Aufgabe der Begleitung der übrigen Mitarbeitenden durch Seelsorge, Gottesdienst und die üblichen Gemeindeveranstaltungen.
Die Ortspfarrer/innen haben die spezifische Aufgabe, das Projekt in das Gesamt des jeweiligen örtlichen Konzepts von Gemeindearbeit integrieren zu helfen, möglichst im örtlichen Leitungskreis mitzuarbeiten und auf theologischem Gebiet und in Fragen des Gemeindeaufbaus ihre Kompetenzen einzubringen.
Die Dekane und andere regional verantwortlich tätige Hauptamtliche begleiten die Arbeit in der Region dadurch, daß sie dazu beitragen, das Projekt in ihrer Region bis zu seinem Abschluß zum Schwerpunkt der kirchlichen Arbeit zu machen.
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1.22 die Angesprochenen
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Den Angesprochenen, zumeist Kirchenmitglieder, wird mit dem begründeten Vorurteil begegnet, in ihnen Menschen zu treffen, die Erfahrungen mit Glaube und Kirche gemacht haben. Im Kontakt mit ihnen wird durchgehalten, daß sie Subjekt dieser Begegnung sind; dies drückt sich in sprachlicher und organisatorischer Hinsicht aus.
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1.23 die Gemeinden
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Die Gemeinden werden aufgefordert, ein partizipatives Modell von Gemeinde zu entwickeln: Neu oder wieder zum Gemeindeleben Hinzukommende sind in ihren Einstellungen, Fragen und Prägungen nicht einfach in das Bestehende zu integrieren, sondern sie müssen die Chance erhalten, zu Veränderungen anzuregen, Neues anzustoßen. Als Gemeindemitglieder sind auch sie Subjekte von Gemeinde. Dies ist vor allem im Blick auf die durch das Projekt erfahrungsgemäß besonders ansprechbare Altersgruppe der Mittleren Generation wichtig.
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1.24 überörtliche kirchliche Verbände
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Die über die Grenzen einer Ortschaft hinausgehenden kirchlichen Verbände, wie Kirchenbezirke, größere katholische Kirchengemeinden u.ä., unterstützen das Projekt ideell, finanziell und möglichst durch (teilweise) Freistellung von (hauptamtlich) Mitarbeitenden. Überörtliche Gremien bestätigen ggf. in Leitungsaufgaben berufene Personen.
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1.25 Kirche
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Das Projekt versteht sich auch als Öffentlichkeitsarbeit der Kirchen. Um das Evangelium Jesu Christi glaubhaft zu verkündigen, ist es dienlich, wenn Kirche sich nach innen entsprechend organisiert und lebt und dies nach außen transparent macht. Kirche hat die Aufgabe, sich auf dem Markt der öffentlichen Meinungen in ein rechtes, das heißt der kirchlichen Wirklichkeit entsprechendes, Licht zu rücken.
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2. Organisatorisches
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2.1 Organisationsebenen
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Trägerinnen des Projekts sind die Gemeinden vor Ort. Sie werden repräsentiert durch einen (möglichst) ökumenischen Leitungskreis (ca. 5 bis 10 Personen), der aus seiner Mitte eine/n Delegierte/n in die Delegiertenversammlung auf Regionalebene entsendet. Denkbar und für manche Aufgaben wünschenswert ist auch die Zusammenarbeit mehrerer Orte in einem Distrikt (z.B. gemeinsames Seminar, gemeinsames Telefonzentrum).
Zur Unterstützung auf organisatorischem und inhaltlichem Gebiet arbeiten die Gemeinden auf regionaler Ebene zusammen. Die Region besteht aus einem Großteil des durch die evangelischen Kirchenbezirke Freudenstadt und Sulz umschriebenen Gebiets.
Auf regionaler und örtlicher Ebene erhält das Projekt Unterstützung durch Mitarbeiter/innen aus vorangegangenen Aktionen sowie die Beauftragten der Landeskirche.
Die Gewährsträgerschaft des Projektes übernehmen die beteiligten evangelischen Kirchengemeinde und Kirchenbezirke; die anderen Kirchen und Gruppierungen sowie weitere Stellen werden um einen angemessenen Beitrag gebeten.
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2.2 Ortsebene
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Auf Ortsebene wird ein Leitungskreis gebildet, der möglichst alle Konfessionen und christliche Gruppierungen vor Ort repräsentieren sollte. In den Leitungskreis entsenden die Kirchengemeinden und Gruppierungen Vertreter/innen. Der Leitungskreis als ganzer wird durch die zuständigen Organe bestätigt. Im Laufe des Projekts kann er Arbeitsgruppen bilden und selbständig neue Mitglieder berufen, um seinen Aufgaben besser nachkommen zu können. Der/Die Ortsdelegierte, der/die dem Leitungskreis als Vorsitzende/r angehört, wird ebenfalls durch die zuständigen Gremien der Kirchengemeinden und Gruppierungen bestätigt. Er/Sie koordiniert die Aufgaben vor Ort und besucht als stimmberechtigtes Mitglied die regionale Delegiertenversammlung.
Der Leitungskreis bemüht sich um die konkrete Profilierung des Projekts vor Ort, die Mitarbeitergewinnung und -schulung, sowie die organisatorische Abwicklung. Er entscheidet über Ausgaben, soweit sie nicht über die normale Geschäftsführung hinausgehen, im Rahmen der zur Verfügung gestellten Mittel.
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2.3 Regionalebene
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Organe auf regionaler Ebene sind:
die Delegiertenversammlung,
die Ausschüsse,
der Koordinierungskreis,
die Projektleitung, der Geschäftsführer, die Geschäftsstelle.
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2.31 die Delegiertenversammlung
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Die Delegiertenversammlung setzt sich aus den Ortsverantwortlichen zusammen. Sie sind stimmberechtigt; Beschlüsse werden mit Mehrheit der abgegebenen Stimmen gefaßt; zu einer Wahl ist die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen, in einem zweiten Wahlgang die einfache Mehrheit nötig.
Die Mitglieder der Projektleitung und des Koordinierungskreises werden durch die Delegiertenversammlung bestätigt; die regionalen Gremien der Kirchen und beteiligten Gemeinschaften können dagegen ein Votum einlegen, über das bei einer nächsten Sitzung verhandelt wird.
Die Ausschußmitglieder werden von der Delegiertenversammlung gewählt, bzw. die Vorschläge der Projektleitung bestätigt.
Weitere außer den beschriebenen konstituierenden Aufgaben der Delegiertenversammlung sind der Erfahrungsaustausch, die Koordination der Aktionen vor Ort sowie die Abstimmung über Beschlüsse größerer Tragweite, insbesondere auch über größere Ausgaben (Taschenbuch und Werbeaktion).
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2.32 die Ausschüsse
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Die Delegiertenversammlung konstituiert folgende Ausschüsse, denen auch Nichtmitglieder angehören können.
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2.321 der Finanzausschuß
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Seine Aufgaben sind die finanzielle Abwicklung des Projektes auf Regionalebene sowie die finanzielle Prüfung der Geschäftsstelle. Der Finanzausschuß folgt in seiner Arbeit einer durch die kirchlichen Verwaltungsstellen Balingen und Freudenstadt erarbeiteten und durch die Kirchenbezirksausschüsse Sulz und Freudenstadt verabschiedeten Verfahrenspapier.
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2.322 der Buchausschuß
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Aufgabe des Buchausschusses ist die Erstellung des Taschenbuches mit Berichten von Menschen aus der Region. Er sammelt, sichtet und wählt die zu veröffentlichenden Berichte aus und erstellt mit professioneller Unterstützung ein Taschenbuch. Über den finanziellen Rahmen berät er sich mit dem Finanzausschuß und legt der Delegiertenversammlung einen entsprechenden Antrag vor.
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2.323 der Ausschuß Öffentlichkeitsarbeit
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Er erarbeitet Vorschläge für die Öffentlickeitsarbeit vor Ort, entwickelt ein Konzept für die Region und führt es durch. Bei seiner Arbeit bemüht er sich um professionelle Unterstützung. Über den finanziellen Rahmen berät er sich mit dem Finanzausschuß und legt der Delegiertenversammlung einen entsprechenden Antrag vor.
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2.324 der Schulungsausschuß
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Der Schulungsausschuß erarbeitet Materialien für die Schulung der Mitarbeitenden vor Ort. Er überarbeitet ggf. bereits vorhandene Unterlagen.
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2.325 der Ausschuß "Weitermachen"
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Er sammelt und erarbeitet Ideen und Möglichkeiten der Weiterarbeit in den Gemeinden nach Ende der Projektphase.
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2.33 der Koordinierungskreis
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Der Koordinierungskreis dient dem Kontakt zwischen den beteiligten Konfessionen und Gruppierungen. Es gehören ihm die Projektleitung sowie jeweils ein/e Vertreter/in der Konfessionen und Gruppierungen an. Er wird durch die Delegiertenversammlung bestätigt; seine Mitglieder werden durch die entsprechenden (überörtlichen) Gremien benannt.
Der Koordinierungskreis unterstützt die Projektleitung bei seiner Arbeit vor allem in der Zeit zwischen den Delegiertenversammlungen, in dem seine Mitglieder ebenfalls stimmberechtigte Mitglieder sind.
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2.34 die Projektleitung, Geschäftsführer, Geschäftsstelle
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Die Projektleitung wird von den Kirchen oder Gruppierungen vorgeschlagen und durch die Delegiertenversammlung bestätigt. Die Projektleitung bestimmt aus ihren Reihen eine/n Geschäftsführer/in, der/die in Abstimmung mit der Projektleitung die laufenden Geschäfte selbständig führt. Eine Geschäftsstelle wird eingerichtet.
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2.4 Hilfen von außen
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Zur Unterstützung der Arbeit nehmen die verschiedenen Gremien Hilfen von außen in Anspruch. Dies sind zum einen professionelle Unternehmen oder kompetente Einzelpersonen sowie die auf landeskirchlicher Ebene dazu Beauftragten.
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3. Ablauf - Projektphasen und ihre Inhalte und Ziele
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3.0 Überblick
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Einer Einführungsphase folgen im Verlauf des Projekts je zwei Schulungs-, bzw. Kontaktphasen.
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3.1 Einführungsphase
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Die Einführungsphase dient dem Kennenlernen des Projektes hinsichtlich seiner Zielsetzung und Organisation. Mittelpunkt ist die Konstituierung der Gremien auf Orts- und Regionalebene sowie die Informationsabende. Die Ausschüsse nehmen ihre Arbeit auf, die Veranstaltungen der 1.Schulungsphase werden terminiert und vorbereitet und die Mitarbeiter/innen-Suche angegangen.
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3.2 Schulungsphase 1
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In einer ersten Schulungsphase werden (potentiell) Mitarbeitende zu Veranstaltungen eingeladen, in denen elementare Glaubensfragen angegangen werden. Dabei soll eine ganzheitliche und lebensweltorientierte Vermittlung versucht werden. In dieser Phase findet auch ein Seminar zum Thema "Gebet" statt. Dazu werden Seminarunterlagen vom Schulungsausschuß zur Verfügung gestellt. In dieser Phase haben auch Einzelveranstaltungen ihren Platz, die auf das Projekt aufmerksam machen, und thematisch an ihm orientiert sind.
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3.3 Schulungsphase 2
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Diese zweite Schulungsphase hat vor allem die aufgabenorientierte Schulung der Mitarbeitenden im Blick. Hier findet auch ein "Gesprächsseminar" statt, zu dem der Schulungsausschuß Materialien zur Verfügung stellt. Außerdem wird durch Multiplikatoren in die praktische Durchführung der Kontaktphasen eingeführt.
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3.4 Kontaktphase 1
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Die erste Kontaktphase ist durch die Medien Telefon und Buch geprägt. Ihr geht eine regional angelegte Werbeaktion voran, um die Kontaktaufnahme entsprechend vorzubereiten. Dabei sollen möglichst alle Haushalte der Region angerufen, ihnen das Taschenbuch angeboten und vorbeigebracht (persönlich oder Briefkasten) und die Interessenten/innen in einem Zweitanruf zu Gesprächsreihen eingeladen werden.
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3.5 Kontaktphase 2
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Die zweite Kontaktphase ist durch das persönliche Gespräch in den "Wohnzimmern" geprägt. In Gesprächskreisen wird den Eingeladenen die Möglichkeit gegeben, sich mit der Frage der Relevanz christlichen Glaubens in unseren modernen Lebenswelten auseinander zu setzen.
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3.6 "Weitermachen"
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Das Projekt findet seinen Abschluß mit dem letzten Abend der Gesprächskreise und einem Abschlußgottesdienst. Es erfolgt eine statistische und inhaltliche Aufarbeitung. Möglich ist, Interessierten weiterführende Angebote zu machen, bzw. ihnen in den Gemeinden Raum zu geben, ihre Anliegen einzubringen. Teil des Projektes ist es jedoch, daß es wirklich einen Abschluß findet, den Teilnehmenden an den Gesprächskreisen sowie Mitarbeitenden also keine irgendwie gearteten weitergehenden Verpflichtungen auferlegt werden.