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"Neu anfangen - Christen laden ein zum Gespräch" -

der gesellschaftliche, religiöse und kirchliche Kontext der Aktion

  1. Gesellschaft

  2. Trends

  3. Orientierungssuche

    Es besteht eine Empfänglichkeit für religiöse und weltanschauliche Sinnangebote.

    Hochschätzung der Familie und des Privaten - und zugleich zunehmende Frustration

    vgl. die Äußerungen bei den Gesprächsabenden,

    vgl. die Diskussionen um die Familienpolitik als Indiz für die problematische Situation

    vgl. die hohen Scheidungsraten als Indiz für die Sinnüberfrachtung von Familie und Beziehungen

  4. Rezession

    Konsum kann nicht mehr wie in vergangenen Jahrzehnten den Sinnbedarf befriedigen: entweder man hat schon alles oder man kann sich das, wovon man sich Sinn verspricht, nicht leisten.

  5. Postmoderne

    Gesellschaftliche Konventionen verlieren ihre Gültigkeit - der Mensch steht unter permanentem Entscheidungsdruck (24 Fernsehkanäle, 15 Vereine, 10 Gasthäuser mit unterschiedlicher regionaler Küche ...)

  6. auseinanderdriftende Lebenswelten

    Das Lebensumfeld der Menschen differenziert sich mehr und mehr aus. Der Einzelne will wahrgenommen werden. Es gibt keine Patentlösungen.

  7. theoretische Hochschätzung des Dialogs, des Gesprächs und zugleich weitverbreitete Sprachlosigkeit

    Im Schulunterricht hat sich das Gespräch zur zentralen Vermittlungsmethode entwickelt; im privaten und politischen Bereich wird das Gespräch zur Konfliktlösung gepriesen.

    Daneben steht aber eine zunehmende Unfähigkeit aufeinander zu hören und einander zu verstehen - unter anderem besonders auch auf religiösem Gebiet.

  8. Medienwelten

  9. Zeitalter der Massenmedien

    Von einem massenmedial vermittelten Inhalt weiß ich, daß ihn mein Nachbar auch kennt. Es entsteht ein gemeinsamer Informationsraum. Man hat eine gemeinsame Basis von Themen und Sujets, über die man sich unterhalten kann. Themen werden durch unsere Massenmedien zu "In-Themen", über die "man" spricht.

  10. Bilderwelt

    Unsere Welt und die gängige Kommunikation sind durch einen hohen Grad an Visualisierung geprägt. Das Wort wird durchs Bild überlagert. Auch dadurch mag manche Krise einschlägiger Evangelisationsbemühungen und kirchlicher Vermittlungsversuche begründet sein.

  11. allgegenwärtige Werbung

    Die Werbung durchdringt unseren Alltag. Sprichworte werden statt von Goethe von den einschlägigen Agenturen geprägt, denn: "man gönnt sich ja sonst nichts". Sie prägt unsere Wahrnehmungsweise: plakative Sprache, Wortspiele, emozionsbesetzte Bilder, ihre Universalbotschaft: Glück ist machbar und durch Konsum zu erlangen.

  12. Interesse an Einzelschicksalen

    Zahlreiche Fernsehsendungen (Alfred Biolek, Margarete Schreinemakers) und Zeitschriften (Meine Geschichte, Gala) dokumentieren das Interesse an Einzelschicksalen und die Bereitschaft zur Identifikation und Abgrenzung.

  13. Berufswelt

  14. partnerschaftliche Leitungsstrukturen

    Im Beruf wird mehr und mehr - in der Theorie! - ein partnerschaftlicher, die Mitverantwortung und Entscheidungskompetenz fördernder Leitungsstil propagiert. Stichwort ;Schlüßelqualifikationen", die die fachlichen Qualifikationen selbstverständlich voraussetzen.

  15. Eigenverantwortung

    Durch die vielbeschworenen "schlanken" Managmentkonzepte werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mehr und mehr in ihrer Eigenverantwortung herausgefordert. Sie müssen Ziele definieren und gangbare Wege finden.

  16. Religion

  17. Interesse an Religion

    Das Interesse an religiösen Fragen ist gewachsen; der religiöse Markt ebenfalls. Jede Buchhandlung dokumentiert dies in ihrer einschlägigen Abteilung. Dabei sind wohl drei Merkmale kennzeichnend:

  18. Eklektizismus

    Ebenfalls jede Buchhandlung zeigt, daß die Bandbreite groß ist: Von fernöstlichem Verschnitt über angeblich Christliches bis zu den nordamerikanischen Indianern, allen voran die Hopis, reicht die Palette. Der religiöse Markt ist ein Supermarkt, aus dem beliebig ausgewählt werden kann. Folge ist ein kultureller Kolonialismus - der wirtschaftlichen folgt die kulturell-religiöse Ausbeutung.

  19. Utiliarismus

    Einziges Kriterium für die Auswahl ist nicht mehr, wie in der durch die Aufklärung eingeläuteten Moderne, die Wahrheitsfrage, sondern der Nützlichkeitsgedanke. Was was bringt, ist gut; was glücklich macht, ist brauchbar. Die Titel der tausendfach aufgelegten Esoteriktaschenbücher und die Hubbard'sche "Selbstanalyse" belegen dies. Auch Religion steht unter dem Nützlichkeits- und Glückskriterium.

  20. Privatisierung

    Mit Reformation und vor allem Pietismus und Aufklärung beginnend stellt sich der offiziellen, öffentlichen Religion mehr und mehr privatisierte Religiosität zur Seite. Sie speist sich, wie gesehen, aus den verschiedensten Quellen, ist oft nicht verbalisierbar, gehört in den Bereich des Intimsten - vor ihr spricht man noch über diverse Sexpraktiken.

  21. Kirche

  22. von außen gesehen

  23. Kirche konkurriert mit den verschiedenen Sinnanbietern

    Die Kirche findet sich auf diesem Markt als eine Anbieterin unter anderen wieder. Will sie nicht fundamentalistisch werden und damit unter ihr Niveau sinken, muß sie versuchen, sie einerseits in dem angedeuteten Sprach- und Lebensraum zu bewegen, ohne andrerseits ihre Botschaft - die keine einfache Sache ist! - zu verraten und unter Wert zu verkaufen.

  24. differenzierte Einstellung zur Kirche - zugleich verschwimmende Konfessionsgrenzen

    Die Kirchen sehen sich dabei - auch in ihren Mitgliedern - einer differenzierten Kirchlichkeit gegenüber, einer differenzierten Einstellung zu ihr. Von offensichtlichen Verächtern der christlichen Religion innerhalb der Kirche bis zu frommen Menschen "extra muros ecclesiae" spannt sich der Bogen. Man hat seine Meinung über die Kirche, die - oft durch Massenmedien geprägt - nicht die beste ist. Zugleich hat man aber auch seine Meinung über die Vertretung der Kirche vor Ort, die dazu durchaus differieren kann. Dies hängt vom Erscheinungsbild der Kirchengemeinde und vor allem von der Kommunikationsfähigkeit ihrer professionellen Vertreterinnen und Vertreter ab.

    Die Kirche wird dabei hinsichtlich ihrer konfessionellen Grenzen oft kaum mehr unterschieden. Und wenn, dann dient die katholische Kirche dann meist als pauschale dunkle Folie, von der sich eine nicht näher bestimmte protestantische Liberalität abhebt.

  25. Volkskirche

    Die spielt sich für uns im Raum einer Volkskirche ab, die durch ihre vielfältigen Verflechtungen mit dem öffentlichen Leben, durch ihre Einbindung im öffentlichen Bewußtsein, durch ihre Medienpräsenz und durch die hohe Mitgliederzahlen immer noch als solche, als Volks-Kirche, anzusehen ist. Volkskirche ist jedoch immer auch plurale Kirche, in der wiederum verschiedene Vermittlungsversuche und Inhalte konkurrieren. Dieses Problem ist in der Kirche durch ihre Frage nach der Wahrheit institutionalisiert - und letztlich ein eschatologischer Sachverhalt: "Wir sehen jetzt durch einen Spiegel ein dunkles Bild ..." (1.Kor 13,12a).

  26. Innenansichten

  27. angespannte Finanzlage

    Im Inneren dieser Kirche dreht sich evangelischerseits zur Zeit alles ums Geld - zumindest bei den Kirchenprofis. Die gespannte Finanzlage zwingt zum Nachdenken über die Notwendigkeit der verschiedenen kirchlichen Handlungsfelder und darüber, wie diese am kostengünstigsten zu beackern seien.

  28. Mission und Evangelisation sind umstrittene Begriffe

    Innerhalb der evangelischen Kirche wird - wenn es nicht gerade ums Geld geht - fleißig darüber nachgedacht, wie man es denn mit Mission und kontroverser noch mit der Evangelisation halte. Wie es aller Welt zu sagen sei (vgl. den Konferenz-Slogan) ist umstritten, die Formen und Inhalte driften auseinander. Ebenso unterschiedlich ist vermutlich die Motivation, aus der heraus Evangelisation getrieben wird.

  29. Ökumene

    Um die Ökumene ist es als Begriff ruhiger geworden - vielleicht auch deshalb, weil durch den gegenwärtigen Papst verursacht Ökumene hauptsächlich von unten zu wachsen hat. Doch das ist wohl denn auch der natürlichere Weg und hier zeigt sich doch wohl - im Vergleich zu früheren Zeiten - viel erfreuliches.

  30. Resümee

    Was hat das alles mit "neu anfangen" zu tun?

  31. christliche Sinn- und Orientierungsangebote ins Gespräch bringen

    Durch "neu anfangen" möchten Christinnen und Christen sich der Aufgabe stellen, christliche Sinn- und Orientierungsangebote ins Gespräch zu bringen. Sie tun das - anders als die Werbung - um der Adressaten willen.

  32. durch Massenmedien und Werbung geprägten Rezeptionsverhalten

    Sie sehen sich dabei dem durch Massenmedien und Werbung geprägten Rezeptionsverhalten gegenüber. Sie lassen demzufolge auch Bilder sprechen und einzelne Menschen mit ihren Schicksalen zu Worte kommen.

  33. Ensemble der Mitarbeitenden

    Das Ensemble der Mitarbeitenden an diesem Projekt arbeitet partnerschaftlich miteinander, Entscheidungen werden von Hauptamtlichen und Laien gemeinsam getroffen, Wege gemeinsam gesucht, Aufgaben gemeinsam angepackt. Dies geschieht zielorientiert und in Form eines Projekts.

  34. Interesse an religiösen Fragen

    "neu anfangen" nimmt das Interesse an religiösen Fragen auf, beugt sich demgegenüber aber weder dem Nützlichkeitsdenken noch dem Glücksstreben, sondern sieht sich der Wahrheitsfrage verpflichtet, deren normative Vorgabe das biblische Zeugnis von Jesus Christus ist.

  35. Privatssphäre und Massenkommunikation

    Dabei wird versucht, Privatssphäre und Massenkommunikation zu verbinden - den Medien treten persönliche Gespräche unter Nachbarn zur Seite.

  36. Öffentlichkeitsarbeit der Kirche

    Das Projekt "neu anfangen" wird auch als Öffentlichkeitsarbeit der Kirche wahrgenommen. Insofern sind auch betriebswirtschaftlich gesehen hier eingesetzte Gelder nicht vertan.

  37. Möglichkeit, dem Missionsauftrag Jesu Christi Folge zu leisten

    Die Mitarbeitenden freilich sehen in "neu anfangen" eine Möglichkeit, dem Missionsauftrag Jesu Christi Folge zu leisten. Sie tun das im ökumenischen Dialog und sie tun das, um mit den angesprochenen Menschen die frohe, weil Orientierung bietende Botschaft, das Evangelium, neu und tiefer zu entdecken.