1 Ein Bild von einem Mann? Jesus, der erste "neue" Mann?
ein Gesprächsabend über Männlichkeit, Jesus und uns


Pfarrer Alexander Behrend
Torstr. 20
72770 Reutlingen (Gönningen)
im April 1997

2 Einleitung und Hinführung

2.1 Persönliche Begegnungen mit dem Thema "Mann und Christentum"

2.1.1 Men's Health


2.1.1.1 seit der Erstausgabe vor ca. 1 Jahr lese ich "Men's Health": Religion spielt keine Rolle

2.1.2 Jesus und seine Männer in Predigttexten der vergangenen Wochen


2.1.2.1 Palmsonntag: Einzug in Jerusalem
2.1.2.1.1 Jesus, ein Mann, der nicht wie Michael Jackson mit "Mundschutz" sich die Leute vom Hals hält, sondern Nähe wagt - auf einem Esel, nicht hoch zu Roß
2.1.2.2 Ostern: Emmaus-Jünger
2.1.2.2.1 Männer, die bei Jesus gelernt hatten (vielleicht war das damals sowieso noch nicht so unüblich), sich über Religion und Glaube zu unterhalten
2.1.2.3 Quasimodogeniti: Begegnung mit den Elf/mit Thomas
2.1.2.3.1 Jesus, der Mann, der es wagt, nicht einfach in Wildwest-Manier die Türe einzutreten, sondern in den dunklen Raum (d. h. den Trauer-Raum) der Jünger zu gehen

2.1.3 Religionsunterricht Klasse 9


2.1.3.1 "Jede Frau darf beten. Ein Mann, der betet, muß entweder sehr dumm oder sehr weise sein." (Kurt Tucholsky) - war eines der (durch die Mädchen) am meisten abgelehnten Zitate aus einer Auswahl

2.2 Was ist los mit Männern heute in Kirche und Gesellschaft?

2.2.1 Feminismus - Veränderung/Infragestellung der Männerrolle

2.2.2 Der "neue" Mann ist nicht in Sicht; Trend: zurück zur alten Rollenverteilung

2.2.3 Religion und religiöse Erziehung ist Frauensache

2.2.4 Die Macht in der Kirche haben die Männer; engagierte Fraue machen den Männern Angst.

3 Ausgangsthese

3.1 These

3.1.1 Der christliche Glaube ist etwas für "Frauen" - für "Männer" wird er erst attraktiv, wenn es kirchliche Machtstellungen zu erlangen gibt.

Der christliche Glaube hat (historisch zu recht) die "weiblichen" Tugenden der Fürsorge, Hingabe, Erniedrigung einseitig hervorgehoben.

Der christliche Glaube darf seine gesunden kämpferischen, aggressiven, "mächtigen" Seiten nicht über Bord werfen.

Diese Seite des Glaubens muß geheiligt, geistlich, gereinigt, gebunden an Gott verkündigt und gelebt werden.

3.2 vgl. Philipper 2

3.2.1 Erniedrigung …

3.2.2 … und(!) Erhöhung

3.3 vgl. Mk 10

4 Die Männlichkeit Jesu

4.1 hermeneutische Vorbemerkung

4.1.1 es geht darum, inwieweit männliche Metaphern etwas Wesentliches über Gott aussagen; es geht darum, was von diesem Wesen Gottes er seinem Geschöpf Mensch (=Mann und Frau) zum Nutzen des Menschen eingepflanzt hat

4.2 kunstgeschichtliche Überleitung

4.2.1 Welche Bilder (im wörtlichen Sinne) haben wir vor Augen, wenn wir an Jesus denken?

4.3 Archetypen (Ur-Bilder) (nach Patrick M. Arnold )

4.3.1 der Christus-Archetyp

4.3.1.1 Losgelöstheit

4.3.1.1.1 "schrittweiser Verzicht auf das unausbleibliche Streben des Ego nach Selbsterhöhung und 'Nebensächlichkeiten'"
4.3.1.1.2 Mt 6,25ff: "Trachtet zuerst nach dem Reich Gottes …"
4.3.1.1.3 Jesus trennt sich und seine Jünger von der Familie und begibt sich in neue Gemeinschaft

4.3.1.2 erlösendes Leiden

4.3.1.2.1 Leiden können für andere ist Stärke

4.3.1.3 Unversehrbarkeit

4.3.1.3.1 Überwindung der Angst vor Verlassenwerden, Selbstverlust, Tod
4.3.1.3.2 er ist sich eines tieferen Selbst bewußt, verwurzelt im Leben Gottes

4.3.1.4 Christus vereint Animus und Anima

4.3.1.4.1 Gal 5,22ff: "In Christus ist weder Männlich noch Weiblich …"

4.3.2 Jesus, der …

4.3.2.1 … Wilde Mann

4.3.2.1.1 Vorbild: Johannes der Täufer
4.3.2.1.2 Versuchungsgeschichte

4.3.2.2 … der schamanische Heiler

4.3.2.2.1 Vorbild: Elischa
4.3.2.2.2 Heilungen als Krieg gegen Satan und die Dämonen
4.3.2.2.3 kaum Mitgefühl mit den Kranken oder Angehörigen

4.3.2.3 … der Patriarch

4.3.2.3.1 Fähigkeit, Menschen ein Vater zu sein
4.3.2.3.2 in Jesus erfahren die Jünger Abba

4.3.2.4 … der Schelm und Narr

4.3.2.4.1 trockener Humor: Mt 23,24 "Die Mücke [qamla] siebt ihr aus eurem Essen, aber das Kamel [gamla] schluckt ihr."

4.3.2.5 … der Krieger

4.3.2.5.1 vgl. das Markus-Evangelium

4.3.2.6 … der König

4.3.2.6.1 Vorbild: David
4.3.2.6.2 statt zu zwingen, fasziniert er; statt mit Angst findet er mit Liebe Gefolgschaft
4.3.2.6.3 Führungsstärke

4.4 Tugendkatalog für Männer - nach Sam Keen

4.4.1 Staunen

4.4.1.1 die Fähigkeit, das Geheimnis des Lebens zu erahnen

4.4.2 Einfühlsamkeit

4.4.2.1 Fähigkeit der Sym-Pathie und Empathie

4.4.2.2 vgl. Jesu Umfang mit den Kindern (Mk 10,16)

4.4.3 herzerwärmenden Verstandes

4.4.3.1 Rationalismus pur

4.4.3.2 vgl. die Aussprüche Jesu, die von Scharfsinn geprägt sind und zu Herzen gehen: "Denn wer sein Leben erhalten will, der wird es verlieren; und wer sein Leben verliert um meinertwillen und um des Evangeliums willen, der wird's erhalten." (Mk 8,35)

4.4.4 moralische Empörung

4.4.4.1 Korruptheit

4.4.4.2 "Und wer ein solches Kind aufnimmt in meinem Namen, der nimmt mich auf. Wer aber einen dieser Kleinen, die an mich glauben, zum Abfall verführt, für den wäre es besser, daß ein Mühlstein an seinen Hals gehängt und er ersäuft würde im Meer, wo es am tiefsten ist.

4.4.5 seinen Lebensunterhalt anständig zu verdienen

4.4.5.1 wer nach oben will, muß Ellenbogen haben

4.4.5.2 da sieht Jesus alt aus …

4.4.6 Freude

4.4.6.1 Anstand, Ernst, Fleiß, Idealismus

4.4.6.2 vgl. die Hochzeit zu Kana

4.4.7 Freundschaft

4.4.7.1 Homophobie (vgl. die Teenager)

4.4.7.2 vgl. den johanneischen Jünger, den Jesus liebte (und der beim Abendmahl an seiner Brust liegt)

4.4.8 Gemeinschaft

4.4.8.1 Einsamkeit statt Gruppen, die mehr sind als Skatrunden und Armeen

4.4.8.2 vgl. den Jüngerkreis (konzentrische Jüngerkreise)

4.4.9 Haushalten

4.4.9.1 Ausbeuteung statt ökologischem Bewußtsein

4.4.9.2 vgl. die Bergpredigt: seht die Lilien, seht die Spatzen

4.4.10 Wildheit

4.4.10.1 Gewalttätigkeit

4.4.10.2 vgl. die Tempelreinigung

5 Was macht Männern das Glauben schwer?


Glaube fordert ein gehörig Maß an …

5.2 Passivität

5.2.1 Gegenpol: Aktivität

5.2.2 vgl. das Gebet Jesu, der nicht nur in schweren Zeiten betet (Gethsemane), sondern auch auf den "Höhepunkten" (Taufe Speisung der 5000).

5.2.3 vgl. Jesu Begabung zur Einsamkeit (Mk 1,12f Versuchung; 1,35: "Und am Morgen vor Tagesanbruch ging er an eine einsame Stätte und betete dort.")

5.3 Infanilität

5.3.1 erwachsen und selbstverantwortlich sein

5.3.2 vgl. Gethsemane

5.4 Emotionalität

5.4.1 Vernunft

5.4.2 vgl. wiederum Gethsemane

6 Schlußthese

6.1 Jesus war der "identische" Mann, der zu sich gefunden hat, weil er sich bei Gott suchte.

6.2 Und so offenbart sich Gott gerade in diesem(!) Mann(!).

7 verwendete Literatur

7.1 Patrick M. Arnold: Männliche Spiritualität, München 1994, bes. 235-263 (vgl. hier bes. Abschnitt 4.3).

7.2 Sam Keen: Feuer im Bauch, Bergisch-Gladbach 1992, bes. 209-256 (vgl. hier bes. Abschnitt 4.4).