Was eine Kindergarten-Konzeption für den Träger bedeutet

in: Theorie und Praxis der Sozialpädagogik - Evangelische Fachzeitschrift für die Arbeit mit Kindern (TPS), Heft3/99 (Mai/Juni), Seite 33

Konzeption - damit ¼

"Wir sind zwar über den Weg unschlüssig - dafür kennen wir aber das Ziel nicht." Auf diese Weise läuft auch in meiner pastoralen Tätigkeit einiges - und manches nicht einmal schlecht. In den stetigen gesellschaftlichen und kirchlichen Veränderungen kann dies für die Kindergartenarbeit nicht gelten. Zu komplex sind die Einflußgrößen, die in der Kindergartenarbeit zusammentreffen. Hier muß man sich über das Ziel verständigen, um Wege zu finden.

¼ die Kirchengemeinde weiß, wieso ihr Kindergarten da ist.

Aufgrund der hohen finanziellen Kosten eines Kindergartens gerät die kirchengemeindliche Trägerschaft innerkirchlich in Begründungszwang. Deshalb muß ich einsichtig machen können, daß unser Kindergarten ein integraler Bestandteil unserer Gemeindekonzeption und des Gemeindelebens ist und welchen Stellenwert er bei uns hat. Dabei geht es weniger um den Auftritt beim Erntedankfest, als um den Kindergarten als pädagogische und diakonische Einrichtung. "Miteinander Christ sein - für den Nächsten da sein": Unser Kirchengemeindemotto soll in seinen beiden Teilen auch in unserem Kindergarten Gestalt gewinnen. Er ist eine Ausformung des Versprechens, das bei der Taufe implizit die ganze Gemeinde ihren jüngsten Gliedern gibt. Der Kindergarten ist eine professionalisierte und gesellschaftlich akzeptierte Ausformung dieses Versprechens. Er bietet im Kontext der anderen Angebote Kindern eine durchgängige Begleitung durch ihre Kirchengemeinde.

¼ die Erzieherinnen wissen, wo sie hin wollen.

Eine schriftlich fixierte Konzeption, die stetig fortentwickelt wird, ist unabdingbar zur Qualitätssicherung und für eine möglichst hohe Arbeits-Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen. Dies ist vor allem bei Neueinstellungen wichtig. Bewerberinnen können so überprüfen, ob sie sich nicht nur von der Sympathie, sondern auch von den Leitlinien der Arbeit her in das bestehende Team einbringen werden können. Bei Gesprächen bietet eine Konzeptionsschrift verbindliche Vorgaben, die gerade für ein einstellendes Gremium(!) wichtig sind, damit nicht jede/r seine subjektiven Wünsche zum Ausschlaggebenden erhebt.

Wichtig ist, daß die Konzeption nachprüfbare Punkte enthält, anhand derer beispielsweise ein Jahresrückblick ausgerichtet und die Planung vorangetrieben werden kann.

¼ die Eltern wissen, was sie erwarten dürfen.

Auf dem Markt der Anbieter sind neben den äußeren Faktoren inhaltliche Fragen für viele Eltern entscheidend (die natürlich an der konkreten Umsetzung ab- und nicht primär in der Konzeptionsschrift nach-gelesen werden), gerade bei gehobenem Bildungsniveau. Es muß ihnen deutlich werden, wie die Verbindung zur Kirchengemeinde aussieht, was konkret unter religiöser Erziehung verstanden wird und wo der Konnex mit anderen Angeboten der Kirchengemeinde besteht. Hier werden beispielsweise die kirchengemeindlichen Möglichkeiten generationenübergreifenden Lernens an Bedeutung gewinnen. Wie überhaupt die Infrastruktur einer Kirchengemeinde einen nicht gering zu schätzenden Qualitätsfaktor darstellen kann (Nähe zum Trägervertreter, verhältnisßmäßig unbürokratische Verfahrensmöglichkeiten, ehrenamtliches Engagement, gemeindliche Erwachsenenbildung u. ä.).

¼ die Kinder spüren, was evangelisch ist.

Zuerst und zuletzt dient eine Konzeption dazu, daß die Kinder zu spüren bekommen, was evangelisch ist: Leben aus dem Wissen, von Gott angenommen und mit Freiheit beschenkt zu sein. Dieses Angenommensein und diese Freiheit findet ihren spezifischen Ausdruck im Gebet. Das evangelische Profil zeigt sich somit exemplarisch darin, nicht nur über den Glauben und seine Feste zu informieren, sondern ihn zu leben und diese zu begehen, in dem Bewußtsein, daß das Lebens-Sinn macht.

Was hat's gebracht?

Eine Konzeptions-Entwicklung war in unserem Fall aufgrund äußerer Bedingungen unabdingbar. Es hätte uns nichts besseres passieren können: Wir kennen nun das Ziel etwas besser, und deshalb finden wir nun auch Wege ¼




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