Evangelische Kirchengemeinde Gönningen

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Evangelischer Kindergarten Rosmarinstraße
Unser Kindergarten

 

Wie Kinder sich bilden ...
Unsere Kindergärten und die aktuelle Bildungsdiskussion
Dokumentation der Veranstaltungen
vom 12. Oktober 1999
und 14. November 2002
und 8. Mai 2003
und 23. März 2004
und 7. April 2005
im evangelisches Gemeindehaus Reutlingen-Gönningen

 

 


 

Veranstaltung am Donnerstag, 7. April 2005, 19.30 Uhr, ev. Gemeindehaus Gönningen
"Arbeiten wir in der Kindertagesstätte bisher ‚ungeplant'?
Der Orientierungsplan auf dem Weg …"

 
Links:
GEW Baden-Württemberg, s. "Jugend/Kindertagesstätten"
Berliner Bildungsprogramm ("Orientierungsplan" des Landes Berlin)
 
Der Orientierungsplan auf dem Weg...
So lautete eine Veranstaltung am Donnerstag, dem 7. April 2005 im Gemeindehaus Gönningen. Die Reihe pädagogischer Themenstellungen, die gemeinsam von der GEW- Kreisfachgruppe sozialpädagogischer Berufe und der Evang. Kirchengemeinde Gönningen getragen wird, wurde damit fortgesetzt.
Referenten des Abends waren die Referentin des Fachbereichs Jugendhilfe und Sozialarbeit bei der GEW Baden-Württemberg Monika Häffner und Karl-Heinz Paulsen, Vorsitzender der Fachgruppe Sozialpädagogischer Berufe der GEW Baden-Württemberg und Mitglied des AK Turmbaus.
Monika Häffner hat vorgetragen, wie es zu den unterschiedlichen Bildungsplänen der Bundesländer kam, wer dabei mitgewirkt hat und wie ausführlich diese gestaltet sind. Der bereits im Vorentwurf vorhandene (aber noch nicht öffentliche) Orientierungsplan von Baden-Württemberg wurde von ihr ebenfalls kommentiert.
Der Orientierungsplan in Baden-Württemberg beschreibt Bildungsziele, die in den Kindergärten des Landes bis 2009 umgesetzt werden sollen. Leider sind die Rahmenbedingungen, wie die wissenschaftliche Begleitung und die Auswahl der für die Erprobungsphase vorgesehenen Einrichtungen noch nicht klar. Ja, man weiß noch nicht einmal, welche Stelle die Bewerbungen entgegennimmt. Monika Häffner hat dafür plädiert, dass sich alle interessierten Einrichtungen an das Kultusministerium wenden sollten, um zu zeigen, dass es ein großes Interesse bei den Erzieherinnen für die Mitwirkung an der Umsetzung gibt.
Karl-Heinz Paulsen hat im Anschluss daran kurze Auszüge des Berliner Bildungsplanes vorgestellt, um die praktische Umsetzung, die in Baden-Württemberg noch nicht angedacht ist zu demonstrieren.
Anschließend haben sich die etwa 35 TeilnehmerInnen in Arbeitsgruppen zusammengesetzt, um ihre Bedürfnisse vor dem Hintergrund des demnächst veröffentlichten Orientierungsplan zu artikulieren.
Die Zusammensetzung der TeilnehmerInnen aus Erzieherinnen, GrundschullehrerInnen, einer Fachberaterin, und Sonderschullehrerinnen löste lebhafte Debatten aus, die leider in diesem Rahmen nicht zu Ende geführt werden konnten.
Der Wunsch nach Anschlussveranstaltungen und einem gemeinsamem Weiterdenken wurden signalisiert.
 
Dr. Margarete Blank-Mathieu aus dem Kreisvorstand Reutlingen-Tübingen, die als Ansprechpartnerin im Kreis und für den Bezirk Südwürttemberg-Hohenzollern die GEW- Gruppe der Sozialpädagogischen Berufe vertritt wird für Wünsche und Anregungen unter der email-Adresse:Blank-Mathieu@aol.com zur Verfügung stehen.
 
Informationen zu Downloadadressen der Bildungspläne vom Staatsinstitut für Frühpädagogik München, Dr. Martin Textor: Im Internet finden Sie eine Synopse der AGOLJB. Die Bildungspläne finden Sie am schnellsten hier oder über die Länderseiten von www.kindertagesbetreuung.de. Hier finden Sie weitere Artikel im Internet, die sich mit der Umsetzung von Bildungsplänen befassen.
 
Eine Veranstaltung der Evangelischen Kirchengemeinde Gönningen und der GEW (Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) Kreis Rt/Tü, Fachgruppe Sozialpädagogische Berufe
Daß Bildung nicht erst mit der Einschulung beginnt, ist spätestens seit der PISA-Studie auch bei den Verantwortlichen in den Bundesländern angekommen. Bildungspläne für Kindertageseinrichtungen wurden in vielen Bundesländern erstellt. In Baden-Württemberg soll eine Kommission im Kultusministerium bis zum Sommer 2005 einen "Orientierungsplan" für Kindergärten verfassen.
Gemeinsam wollen wir die Chance nützen, Forderungen an das Kultusministerium zu formulieren.
Wir möchten Sie auf dieser Veranstaltung und dem Workshop informieren und mit Ihnen diskutieren: Verbessern die Bildungspläne die Praxis? Was müssen Inhalte sein? Welche Auswirkungen hat ein Bildungsplan auf die Zusammenarbeit von Kindergarten und Grundschule?
Zu unserer Veranstaltung mit Workshops laden wir alle Erzieherinnen und Erzieher, sozialpädagogische Fachkräfte, Lehrerinnen und Lehrer, interessierte Eltern und Trägervertreter sowie alle anderen an diesem wichtigen Thema interessierten Menschen ganz herzlich ein!
Wir freuen uns auf Sie!
Der Vortrag wird gehalten von Monika Häffner, Referentin des Fachbereiches Jugendhilfe und Sozialarbeit bei der GEW Baden-Württemberg, und Karl-Heinz Paulsen, Vorsitzender der Fachgruppe Sozialpädagogische Berufe der GEW Baden-Württemberg (Ergotherapeut)
Der Ablauf zwischen 19.30 und 21.45 Uhr:
Begrüßung - Vortrag - Arbeitsgruppen - Zusammenfassung

 


 

Veranstaltung am Dienstag, 23. März 2004, 20 Uhr, ev. Gemeindehaus Gönningen
Dr. Jörn Hauf: Der religiöse Bildungsauftrag des Kindergartens
oder: Kinder nicht um Gott betrügen!

 
  • Grundlagen
    1. Zugänge: Kinder sind religiöse Menschen und haben religiöse Fragen
    2. Religiöse Erziehung: ja oder nein?
      a)nicht: Leistungsanforderung, sondern: Geschenk, Bereicherung der Familien
      b) Auch wer nicht an Gott glaubt, glaubt an etwas...
      c) nicht: Kirche: ja oder nein, evangelisch oder katholisch, sondern eine Frage der Entscheidung, ob ich mein Kind bewusst christlich erziehen will oder religiöse Deutungen anderen überlasse.
    3. Viele Schwierigkeiten religiöser Erziehung kommen daher, dass Kindern kaputtmachende Gottesbilder vermittelt werden, von denen sie sich später notwendigerweise entweder ablösen müssen oder ein Leben lang unter diesen Gottesbildern leiden.

    4. Kaputtmachende Gottesbilder
      a) der strafende Richtergott
      b) der dämonische Todesgott
      c) der Buchhalter- und Gesetzesgott
      d) der überfordernde Leistungsgott
      Der Gott Jesu Christi
      a) der gute Hirte
      b) der sorgende "mütterliche" Vater
      c) Gott leidet mit dem Menschen, wir können ihm klagen und ihn anklagen
      d) Gott schafft Heil, so dass Leid und Tod nicht das letzte Wort haben
      e) Selbstliebe, Gottesliebe, Menschenliebe
    5. Anfrage: Meine eigene religiöse Erziehung als Schicksal für meine Kinder?
      Erinnerung an die eigene religiöse Erziehung: Was möchte ich meinem Kind weitergeben, was nicht ?
    6. Konkretionen
      a) das "Abendgebet"
      b) der "Kirchgang"
      c) Miteinander leben im Jahreskreis (Festzeiten, Hausschmuck, Brauchtum, Lebensfeiern)

    Weiterführende Literatur:

    - Biesinger, Albert, Kinder nicht um Gott betrügen. Anstiftungen für Mütter und Väter. Ein Ratgeber. Freiburg, Basel, Wien, Freiburg im Breisgau, 12.Auflage, 2001

    - Biesinger, Albert, u.a. (Hrsg): Gott mit neuen Augen sehen, Wege zur Erstkommunion. Familienbuch. München 1999

    - Biesinger, Albert, u.a. (Hrsg.) Abendoasen, Geschichten, Rituale, Gebete, Spiele. Ein Gute-Nacht-Buch für junge Familien, München 2002

    - Frielingsdorf, Karl, Dämonische Gottesbilder. –Ihre Entstehung, Entlarvung und Überwindung. Mainz 1992

    1. Der Kindergarten als Lernort der Gottesbeziehung
    1. Ausgangsthese
      Die Reflexion der familiären Ausgangslagen der Kinder, die kreative Einbeziehung der Eltern und die Bedeutung, die man den Zugängen zu religiösen Themen und zur Gottesfrage seitens der ErzieherInnen zumisst, entscheidet über Gelingen und Scheitern religiöser Erziehung im Kindergarten.
    2. Standortbestimmung kirchlicher Kindergartenarbeit heute
      Kindergärten als Teil des Erziehungs- und Bildungssystems, des Gemeinwesens und der Kirchengemeinde.
    3. Religiöse Begleitung der ErzieherInnen
      a) Ausgangssituation:
      ErzieherInnen als "Kinder" ihrer Zeit.
      b) Ziele und Aufgaben: Die ErzieherInnen sollen Kinder begleiten, wer begleitet die Erzieherinnen?
      c) Konkretionen: Interne Fortbildungstage, Abende, Wochenenden zu religiösen Fragestellungen mit Hilfe von "außen"(Themenauswahl: Religion – was ist das eigentlich? Meine biografischen Berührungspunkte mit Religion? Entwicklungspsychologische Fragen zur religiösen Entwicklung von Kindern; Grenzerfahrungen: Eigenes Verhältnis zu Sterben und Tod? Wie mit Kindern über den Tod sprechen? Meine Bilder von Gott? Gott ja, Kirche nein? etc.
    4. - Regelmäßige gute Kontakte zwischen Pastoralteam und ErzieherInnen;
      - Exkursionen zu Kirchen, ggf. auch Synagogen und Moscheen in der Nähe.
    5. Kinder als Subjekte ihrer Religion
      a) Ausgangssituation:
      Kinder haben Rechte und sind als kompetente Mitglieder der Gesellschaft zu betrachten. Kinder sind auf der Suche nach verlässlichen Beziehungen, nach Nähe und nach Orientierung.
      b) Ziele und Aufgaben: Implizite und explizite religiöse Erziehung und (religiöse) Beziehungsdimensionen.
      c) Konkretionen: "Jede und jeder ist wichtig bei Gott"; Tagesrhythmus; Stille und Meditation; Kultur des Essens; Kultur der Dankbarkeit; Gestalterische Elemente; Freude am religiösen Tun, nicht: moralische Appelle; ökumenische Offenheit und interreligiöse Sensibilität: Verschiedenheit wahrnehmen, nicht verschleiern.
    6. Die Elternbegleitung
      a) Ausgangslage:
      Differenzierte Familiensituationen wahrnehmen; "Keine religiöse Kindergartenarbeit ohne Eltern"; Zuständigkeiten?
      b) Ziele und Aufgaben:
      Partnerschaft statt Bevormundung; Kindergarten als "heilende Gemeinschaft", als "Kirche im Kleinen".
      c) Konkretionen: Beziehungsräume gestalten; interaktive Elterntreffen, nicht: Vortragsabende. Existentielle Fragen nach Krankheit, Leid, Tod und Sinn. Vernetzungen zur Kirchengemeinde.

    Weiterführende Literatur:

    - Boschki, Reinhold/Sr. Carlagnese Nanino, Hat Gott Füße? Kindergärten und Religiöse Elternbildung in: Biesinger, Albert / Bendel, Herbert (Hrsg.) Gottesbeziehung in der Familie. Familienkatechetische Orientierungen von der Kindertaufe bis ins Jugendalter, Ostfildern 2000, S. 242-264

    - Hofmeier, Johann, Der Kindergarten in der Pfarrgemeinde – ein pädagogisches und pastorales Handlungsfeld, Würzburg 1993

    - Hull, John M. Wie Kinder über Gott reden. Ein Ratgeber für Eltern und Erzieher, Gütersloh 1997

    - Landesverband Evangelischer Kindertagesstätten in Bayern e.V. (Hrsg.), Religionspädagogische Arbeitshilfen (Hefte 1-7) Nürnberg 1992 ff, Bestelladresse: ebenda, Postfach 120320, 90332 Nürnberg)

    - Mühl, Irmgard/Schnabel, Michael, Im Kindergarten Glauben wagen. Beispiele zur Partnerschaft von Erzieherinnnen und Eltern bei religiöser Erziehung. Eine Handreichung für Elternabende, Donauwörth 1997

    - Scheilke, Christoph/Schweitzer, Friedrich (Hrsg.), Kinder brauchen Hoffnung – Religion im Alltag des Kindergartens (Bd.1: Mit Geheimnissen leben), Gütersloh 1999

     


     

    Veranstaltung am Donnerstag, 8. Mai 2003, 20 Uhr, ev. Gemeindehaus Gönningen
    Brauchen wir einen Lehrplan für den Kindergarten?

     
    • Einladungstext von Dr. Margarete Blank-Mathieu, GEW, Erziehungswissenschaftlerin
       
      Brauchen wir einen "Lehrplan" für den Kindergarten?
      Kinder sind bei ihrer Aneignung von der Welt auf Anregungen, Motivation und positive Unterstützung von Erwachsenen angewiesen.
      Diese müssen ihnen auch Freiräume für Experimente und selbst gestaltete Lebensräume bereithalten. Um jedes Kind individuell fördern zu können, ist ein Bildungsplan, der auf das jeweilige Kind zugeschnitten und auch dokumentiert wird, notwendig.
      Was das bedeutet, wird uns Bernhard Eibeck, Referent für Jugendhilfe und Sozialpädagogik bei der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Frankfurt, anhand des "GEW-Rahmenplans für frühkindli-che Bildung" erläutern.
      Die Veranstaltung richtet sich vor allem an ein Fachpublikum und versteht sich als Fortsetzung unseres Abends mit Prof. L. Liegle vom Herbst 2002.
       
    • "Die Welt, in der die Kinder heute aufwachsen, stellt eine große Herausforderung für die Frühpädagogik dar. Mit den neuen Curricula wurde bereits begonnen, sich diesen Veränderungen zu stellen, und wir sind alle gemeinsam eingeladen, an der Konstruktion einer friedlichen Welt verantwortungsvoll mitzuwirken. Innerhalb des Bildungssystems kann die Frühpädagogik über ihren spezifischen Beitrag vielleicht die wichtigste Komponen-te bilden. Ein für diese Welt angemessenes Curriculum zu entwickeln, stellt zu Beginn des 21. Jahrhunderts weltweit eine große Herausforderung für die Bildung und Erziehung junger Kinder dar und verpflichtet zu einem verantwortungsvollen und ko-konstruktiven Handeln."
      Wassilios E. Fthenakis, in: ders. (Hg.): Elementarpädagogik nach PISA. Freiburg i. B. 2003, 35.
       

     


     

    Wie Kinder sich bilden ...
    oder:
    Wo hat der Regenwurm seine Augen?
    Unsere Kindergärten und die aktuelle Bildungsdiskussion
    Dokumentation der Veranstaltung vom 14. November 2002 im evangelisches Gemeindehaus Reutlingen-Gönningen

    • Einladungstext von Dr. Margarete Blank-Mathieu, GEW, Erziehungswissenschaftlerin
       
      "Das kleine Kind ist in ungleich höherem Maße sein eigener Lehrmeister, als es später der Schüler sein wird."
      (Hartmut von Hentig, in: H. v. H.: Bildung, München, 1996, S. 37)
      (Selbst-)Bildung: Erziehung und Lernen als Reaktion auf die Selbstbildung und den Selbstunterricht des Kindes bedeutet, dass den frühen Bildungsprozessen mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden muss.
      Kinder müssen eine Umwelt vorfinden, die ihre Neugierde befriedigt, ihre Fragen beantwortet und ihnen Anregungen bietet, sich selbst ihrem Alter angemessen mit ihrer Umwelt auseinander zu setzen.
      Dieser Abend soll dazu dienen, gemeinsam zu überlegen, was Eltern, Erzieherinnen und Erzieher sowie Lehrerinnen und Lehrer tun können, um die Bildung kleiner Kinder zu fördern.
      Neugierverhalten zu unterstützen, Forschungsmöglichkeiten bereitzustellen, eine Umwelt zu gestalten, die es Kindern ermöglicht, erste Erfahrungen in der Welt zu machen, dazu können Eltern und Pädagoginnen und Pädagogen beitragen.
       
    • Thesen des Vortrags von Prof. Dr. Ludwig Liegle
       
      1. Der Zusammenhang zwischen Bindung und Bildung Die Geschichte von Joey "Auf großer Fahrt" (vgl. Daniel N. Stern: Tagebuch eines Babys, München/Zürich: Piper Verlag 1993)
      Die moderne Säuglingsforschung: Individualität und Aktivität des Säuglings
      Die Bindungsforschung: Eine sichere (Mutter-Kind-)Bindung ist eine wichtige Voraussetzung für die Erkundung und aktive Aneignung der Welt, für Bildungsprozesse also (vgl. Grossmann/Grossmann in: Gebauer, K./Hüther, G., Hrsg.: Kinder brauchen Wurzeln, Düsseldorf und Zürich: Walter Verlag 2001)
      Die Hirnforschung: Emotionale Sicherheit ist eine wichtige Grundlege für die Entwicklung des kindlichen Gehirns (vgl. Hüther in Gebauer/Hüther 2001, s. oben)
      Folgerung: Um Bildungsprozesse zu ermöglichen, sollten Kinder in der Familie und in der Tageseinrichtung die Erfahrung einer sicheren Bindung machen können
      2. Entwicklung meint Selbstentwicklung, Bildung meint Selbstbildung
      Der Philosoph Immanuel Kant sagt, man müsse Kinder "sich entwickeln" lassen
      Der Psychologe Karl Groos (1904) spricht von der "unabsichtlichen Selbstausbildung", die insbesondere für die Anfänge des Lebenslaufs kennzeichnend sei
      Der Pädagoge Hartmut von Hentig (1996) sagt: "Das kleine Kind ist in ungleich höherem Maße sein eigener Lehrmeister als es später der Schüler sein wird."
      Der Hirnforscher Wolf Singer sagt: Jedes einzelne Gehirn geht von sich aus aktiv an die Umwelt heran
      Der Begriff "Autopoiesis" (Sich-Selbst-Hervorbringen) beschreibt die in verschiedenen Wissenschaften vertretene Auffassung von Bildung als Selbstbildung
      Folgerung: In Familien und Tageseinrichtungen sollten den Kindern "reiche" Umwelten zur Begleitung, Unterstützung und Anregung ihrer Selbstbildungsprozesse zur Verfü-gung stehen
      3. Bildung in der frühen Kindheit meint Selbstbildung mit allen Sinnen
      Der Körper als "Wagen der Seele" (Leon Battista Alberti, 15. Jahrhundert)
      Jan Amos Comenius (1658): "Die Sinnen…suchen allemal ihren Gegenstand, und wann sie denselben nie haben, werden sie abgenützt und kehren sich, an sich selber Verdruß habend, bald da - bald dorthin; wann aber selbiger vorhanden ist, werden sie erfröhlicht und gleichsam lebendig und lassen sich, bis sie die Sache recht ergriffen haben, gerne daran heften." (vgl. auch den "Orbis sensualium Pictus" von Comenius, das erste Kinderbuch)
      Campe (1785): Die "anschauende Erkenntnis" kommt vor der "symbolischen" (durch das Symbolsystem der Sprache vermittelte) Erkenntnis
      Vom "Begreifen" mit der Hand und allen Sinnen zum Begreifen mit dem Verstand
      Der Hirnforscher Wolf Singer kritisiert, dass derzeit "zu viel Wert auf die Ausbildung der rationalen Kommunikationsmöglichkeiten" gelegt wird: "Die Kleinen bieten uns bereitwillig an, die vielen Sprachen zu vervollkommnen, die die Kommunikation zwischen Menschen so reich machen - es gibt die Sprachen der Malerei, der Musik, des Tanzes und der Pantomime, der Schauspielerei...Bei der Förderung unserer Kinder gehen wir zuwenig auf deren individuelles Angebot ein, die Fähigkeiten zur Produktion und Rezeption dieser Sprachen zu fördern."
      Folgerung: Die Umwelt von Tageseinrichtungen sollte so ausgestattet sein, dass Kinder bzw. jedes einzelne Kind Anregungen für das Lernen mit allen Sinnen erhalten (vgl. das vorbildliche Bildungskonzept in den Tageseinrichtungen in Reggio Emilia)
      4. Folgerungen für die Praxis
      Eine zugleich "heimatliche" und anregende Umwelt bereitstellen
      Den Bildungsbedürfnissen von Kindern durch "Nahrung" für ihre Sinne und ihren Geist gerecht werden
      Die lebensphasenspezifischen Bildungsbedürfnisse (2-Jährige brauchen andere Formen der Unterstützung und Anregung als 5-Jährige) und individuelle Bildungsbedürfnisse (Kinder sind sehr verschieden) berücksichtigen
      Mit der erweiterten Altersmischung flexibel umgehen (vgl. die lebensphasenspezifischen Bil-dungsbedürfnisse)
      Für eine enge Verbindung und Zusammenarbeit zwischen Tageseinrichtungen und Familien Sorge tragen, denn die Familie ist die erste und auch langfristig wichtigste und wirksamste Bildungsinstanz.
       
    • Podiums-Statement Martina Hipp, Erzieherin, Leiterin des Ev. Kindergartens Rosmarinstraße Gönningen
       
      Dienstagvormittag, 9.30 Uhr im Kindergarten: Drei Kinder, geschmückt mit Tüchern und Verkleidungen bewegen sich zu einer modernen und rhythmischen Musik. Zehn weitere Kinder schauen gebannt zu. "Die tanzen ja nur"... könnte man auf den ersten Blick meinen, doch was an "wirklicher Arbeit" dahinter steckt und welche differenzierten Erfahrungen die Kinder beim Organisieren dieser Aktion machen konnten, möchte ich kurz aufzeigen. Die Kinder mussten einige Absprachen treffen und sich danach möglichst einig werden: welche Musik wählen wir aus, wer kann mit tanzen, für wieviel Zuschauer gibt es Platz, wie sollen die Eintrittskarten gestaltet werden, wer bedient die Musikanlage, Takt und Rhythmus sollte zu der Bewegung passen usw. Ich könnte noch lange weitererzählen ... Mit diesem Beispiel wollte ich verdeutlichen, dass im Spiel der Kinder wichtige, grundlegende und ganzheitliche Erfahrungen gemacht werden. Spielen ist das Grundbedürfnis eines Kindes und spielen heisst eben Lernen. Kinder erwerben spielend grundlegende Schlüsselqualifikationen z.B. Persönlichkeitsbildung, Eigeninitiative, Kreativität, soziale Kompetenzen, Team und Konfliktfähigkeit, Lern und Leistungsbereitschaft.
      Mit dem Eintritt in den Kindergarten bewegt sich das Kind in der ersten "Bildungsinstanz". Bei uns in den Einrichtungen sollen die Kinder ganzheitliche Erfahrungen machen und mit allen Sinnen begreifen, erleben und lernen.
      Für uns als Kindergartenteam vom ev. Kindergarten Rosmarinstrasse heisst Bildung nicht, den Kindern im Kindergarten Lese, Schreib und Rechenfähigkeiten an zu trainieren, sondern wir möchten den Kindern vielfältige Möglichkeiten anbieten, Erfahrungen zu sammeln. Zum Beispiel durch die Raumgestaltung, und das Materialangebot möchten wir eine Atmosphäre anbieten, die zum Experimentieren, Fragen, eigenständigen Denken und Lernen einläd. Kinder sind geborene Forscher, Entdecker und Konstrukteure. Sie möchten sich aktiv ein Bild von der Welt machen und handlungsfähiger werden. Wahrnehmung und Bewegung sind unter anderem Grundlagen dafür. Mit enormer Energie und grossem Vergnügen widmen sich die Kinder ihrer Umwelt mit Menschen, Vorgängen und Dingen. Kinder nehmen ihre Bildung eigentlich selbständig in die Hand, denn sie sind neugierig, motiviert, wissensdurstig und sie möchten "Dingen" auf den Grund gehen, man sagt dazu: Selbstbildung oder Selbstaneignung der Welt.
      Wir im Kindergarten sehen unsere Aufgabe darin, diese Fragen und Interessen der Kinder ernst zu nehmen und wir möchten uns mit den Kindern gemeinsam auf den Weg machen, Antworten auf die Fragen zu finden.
      Dies geschieht bei uns im täglichen Umgang miteinander aber auch während den Projekten. Die Projektarbeit ist neben anderen Bereichen ein wesentlicher Schwerpunkt unserer pädagogischen Arbeit.
       
    • Podiums-Statement Pfarrer Alexander Behrend, Träger-Vertreter und Mitglied des Kindergartenausschusses Kirchenbezirk Reutlingen
       
      "In Zusammenhang mit der in vollem Gang befindlichen Umschichtung unserer Gesellschaft hat das technische Zeitalter uns vor neue Bildungs- und Ausbilungsanforderungen gestellt, denen bisher kein Zweig unseres Bildungswesens gewachsen ist. Das öffentliche Bewußtsein hat noch nicht begriffen, daß … das wirtschaftliche Potential und die politische Selbstbehauptung eines Staates vom Stand seines Bildungswesens abhängig sind. Eine durchgreifende Neuordnung unseres Erziehungs- und Bildungswesens ist heute zu einer politischen Aufgabe ersten Ranges geworden. … Diese Reform droht an der Schwerfälligkeit unseres föderativen Systems der Kulturverwaltung zu scheitern."
      Chronik Jahrbuch 1962 - Professoren-Memorandum zur aktuellen Gegenwartsfragen (Picht zu Erziehung)
      Meine Damen und Herren,
      es hat etwas Belustigendes, aber eben auch Frustrierendes, wenn man in alten Büchern stöbert. Die Zeilen, die ich Ihnen gerade gelesen habe, sind genau so alt wie ich: 40 Jahre ist es her, daß sich ein Kreis engagierter Protestanten um Werner Heisenberg, Georg Picht, Carl Friedrich von Weizsäcker im Tübinger Memorandum zu Worte meldeten. Die Bildungspolitik war ein Schwerpunkt dieser Schrift, die für viel Wirbel sorgte, vor allem auch wegen ihrer Aussagen zur deutschen Ost-Politik.
      Die Aussagen Ihrer professoralen Vorgänger, lieber Herr Professor Liegle, besonders die Aussagen zur Bildung muten immer noch - es liegt einem ein "leider" auf den Lippen - muten immer noch merkwürdig aktuell an.
      Ob der im Memorandum geforderte große Wurf gelungen ist, daran ist eher Zweifel angebracht - spätesten seit PISA und einem allgemeinen Unbehagen, das viel Eltern seit vielen Jahren haben, wenn es um die einschlägigen Themen geht.
      Das öffentliche Bewußtsein muß begreifen, welch existentielle Bedeutung das Bildungswesen für uns alle hat.
      Das ist uns allen im Regelfall nur sehr unterschwellig bewußt: Wir ahnen es, wenn wir in Länder der sogenannten Dritten Welt sehen und merken, daß der Mensch tatsächlich nicht vom Brot allein lebt.
      Das öffentliche Bewußtsein muß auch realisieren, welch grundlegende Bedeutung bei alledem dem Elementarbereich zukommt.
      Der Kindergarten als Bildungseinrichtung: Das ist kein Modethema, sondern Fakt - und wir haben uns anzustrengen, daß die Fakten positiv gestaltet werden.
      Wir brauchen in unseren Kindergärten gebildete Erzieherinnen, die nicht nur das nötige Handwerkszeug besitzen und anwenden können, nicht nur das Nötige wissen und anwenden können - sondern die selbst gebildete Persönlichkeiten sind - denn in keiner anderen Bildungs-Institution ist die Person des Erziehenden so entscheidend wie im Elementarbereich.
      Wir brauchen freilich auch Träger, die sich ihrer Bildungsverantwortung und -kompetenz bewußt sind.
      Diese Verantwortung wahrnehmen heißt: genügend Ressourcen finanzieller und räumlicher Art bereit stellen, damit eine den Selbstbildungsprozeß anregende Umgebung gewährleistet werden kann.
      Und kompetent sein in Sachen Bildung heißt für mich als Vertreter einer evangelischen Trägerin auch:
      Wie sowieso jeder Kindergarten hat ein evangelischer die ausgesprochene Aufgabe den religiösen Selbstbildungsprozeß der Kinder zu unterstützen.
      Er tut das als christlicher Kindergarten, indem er die Kinder sich, den anderen und die Welt mit unseres Gottes Augen schauen lehrt - vorzugsweise geschieht das durch das Vermitteln biblische Geschichten und theologische Gespräche mit den Kindern;
      er tut es als evangelischer Kindergarten, indem er den Kindern ein Menschenbild sich bilden hilft, das etwas von der Unterscheidung von Person und Werk versteht:
      schlichter gesagt: das Kind neben mir bleibt Mensch, auch wenn er Mist macht - und die Frage ist, wie gehen wir miteinander damit um;
      nochmals anders gesagt: das Kind neben mir muß nicht erst mein bester Freund werden und ganz tolle Sachen machen, damit es von mir und den anderen geachtet wird.
      "In Zusammenhang mit der in vollem Gang befindlichen Umschichtung unserer Gesellschaft hat das technische Zeitalter uns vor neue Bildungs- und Ausbilungsanforderungen gestellt, denen bisher kein Zweig unseres Bildungswesens gewachsen ist." -
      der Kindergarten hat große Chancen und birgt für unsere Gesellschaft eine große Chance -
      wenn er als Bildungseinrichtung eigener Art verstanden wird -
      Abschied vom Sozialministerium - rüber zu Frau Schawan? So gesehen:
      selbstverständlich!
       
    • Podiums-Statement Andrea Braig, Fachberaterin für Kindertagesstätten bei der Stadt Reutlingen
       

       
    • Podiums-Statement Kurt Nikelski, GEW, Diplompädagoge, Leiter der KIndertagesstätte Gmindersdorf
       
      "Alle Einrichtungen, die Kinder aufnehmen, haben teil an den Bildungsprozessen auch ohne, dass sie zur Schule werden oder wie eine Schule arbeiten, weil sie sehr viel mehr als die notwendigerweise systematisch vorgehende Schule an der ursprünglichen Neugier und den Lebenssituationen der Kinder anzuknüpfen vermögen. Die Mitwirkung dieser Einrichtungen an den Bildungsprozessen hat allerdings Konsequenzen für die Ausstattung und für die Ausbildung der Erzieherinnen und Erzieher." (aus dem 10 . Kinder- u. Jugendbericht)
      Wir, die engagiert Tätigen im Arbeitsfeld Kindergärten und Kindertagestätten und Mitglieder der GEW gehen davon aus, dass im Zuge der Pisa Studie nicht nur die Wahrnehmung der Schule sondern auch eine verstärkte Wahrnehmung des "elementarpädagogischen Bereichs", der Kindergärten, Kinderhäuser und der Kindertagesstätten erfolgen muss. Im Licht der neuen Anforderungen der Wissensgesellschaft, durch das Bewusstsein vom globalen Wettbewerb, kommt Bewegung in die Kindergartenlandschaft. Die Erkenntnis einer neuen Bedeutung vorschulischen Lernens führt aber zum ernüchternden Eingeständnis:
      "Der Schatz der frühen Kindheit verkommt in dieser Republik" (D. Elschenbroich).
      Die GEW setzt sich hier dafür ein, dass
      · Kindertageseinrichtungen in der Öffentlichkeit endlich auch als Orte des Lernens , als Lern-Werkstätten begriffen werden -
      · konkret vor Ort Bedingungen gestaltet werden - und gestaltet werden können-, diesen Auftrag neu in den Blick zu nehmen und umzusetzen
      · in Kindergärten Voraussetzungen geschaffen werden um neue wissenschaftsgestützte Erkenntnisse aufzunehmen
      · die Landes-Politik die Kindertageseinrichtungen insgesamt näher an das Bildungswesen heranführt./Jetzt aber finden wir eine politische Entscheidung vor, in der das Land die weitere Ausgestaltung des Elementarbereichs den Kommunen übertragen hat.
      · zur Forschung und Qualifizierung des elementarpädagogischen Bereichs auch in Baden- Württemberg Kapazitäten geschaffen werden neuere wissenschaftliche Erkenntnisse zu bündeln und in die Praxis zu tragen ( z.B. durch ein entsprechenden Landesinstitut).
      Gegenwärtig, so meine ketzerische These, geschieht "Bildung" oft eher irgendwie nebenher, die Kinder bilden sich (glücklicherweise) gleichsam "unabsichtlich" selbst.
      Vielleicht auch weil Qualität oder "Bildung" noch viel zu wenig ein Thema ist, das von Eltern angefragt wird ? (Außer als aufbrechende , steil ansteigende Erwartung an die Kindertageseinrichtung im letzten Jahr vor der Schule.)
      Bildung ist daher auch in einem "schlechten" Kindergarten nicht ganz zu vermeiden. Aber heute gibt es verstärkt Gründe nachzufragen:
      Was macht gute Kindergartenarbeit - hier bezogen auf die Bildungschancen - aus?
      Welches sind aber nun die Dinge die sich bessern müssten, um den Erfahrungsraum Kindergarten oder Kindertagesstätte für ein neues Verständnis eines in viel höherem Maße selbstgesteuerten Lernens aufzuschließen?
      Den Erzieherinnen fehlt vielfach die Zeit und der Raum sich auch nur annähernd in ausreichendem Maße mit den mit Bildung verbundenen Themen selbst, mit KollegInnen und mit der Umsetzung zu befassen.
      Die Kindergärten im Land stehen geradezu in einer Entwicklung, welche die Aufmerksamkeit von diesem Bereich des Forderns und Förderns abzieht!
      Viele Kindergärten im Land sind im "Umbruch", weil sie, eher dem politischen Druck als der eigenen Einsicht in die Verhältnisse folgend, einen überaus großen Teil ihrer Kraft für eine Ausweitung und Organisation der zeitlich erweiterter Betreuungsangebote einsetzen.
      Stichwort : Bedarforientiertes Angebot - gemeint sind allerdings etwas einseitig die legitimen Interessen der Eltern (die sich maßgeblich aus veränderten Arbeitsbedingungen speisen). Eine Grenze dieses Trends ist noch nicht erkennbar.
      Die vorrangig zu erfüllende Anforderung an Leistungsausweitung, der sich die pädagogischen Fachkräfte ausgesetzt sehen, betrifft also die "Breite" - und kann daher ohne deutlich verstärkte Mittel an "Ausbildung und Ausstattung" nicht, wie es "Bildung" m.E. erfordert zusätzlich in die "Tiefe" zielen.
      Erweiterte Zeiten 7, 8, vielleicht 10 Stunden täglich, möglicherweise mit gegeneinander verschoben Zeitblöcken, neue Tagesabläufe, neue Altersmischungen - anything is possible?
      Wirklich?
      Die Gefahr die ich sehe: die pädagogische Reflexion, der Raum für Bildungsarbeit wird immer enger oder kann sich gar nicht erst entfalten.
      Die Zeit der Beobachtung und Auswertung des Entstehenden , das Reifen , die Zeit für die pädagogische Bewährung veränderter Organisationsformen rutscht ins Hintertreffen Für Eigen-Lernen begünstigende Arbeitsansätze , z. B. die Projektarbeit, bleibt immer wieder viel zuwenig Zeit.
      Die Vorbereitungszeiten der Grundschul-Lehrer und der Erzieherinnen sind nicht ansatzweise vergleichbar - die Bedeutung ihrer Aufgabe jedoch sehr wohl.
      Doch während die Lehrerinnen sich gerade in der GEW stark für ihre Interessen und Arbeitsbedingungen organisieren - die Erzieherinnen tun das leider noch viel zu wenig. Die engagierte Erzieherin sieht sich ständig neu gefordert. Sie steht vor zusätzlichen Aufgaben, für die sie jedoch nicht ausgerüstet ist.
      Mehr Bildung für Kinder braucht mehr Zeit , mehr Raum , mehr Bildung für diejenigen, die diese Möglichkeiten vor Ort eröffnen und gestalten sollen.
      Es geht aber nicht alles gleichzeitig mit den gleichen Ressourcen.
      Ein gleichzeitig zum quantitativen Ausbau wünschenswerter "qualitativer" Ausbau für die Aneignung und Entwicklung neuer Methoden zur Bildungsarbeit ist im Kern unter den jetzigen Bedingungen nicht möglich.
      Die GEW fordert daher - und wir brauchen:
      · ein Konzept berufsbegleitender Fortbildungen
      · das Erzieherinnen erreicht, motiviert, qualifiziert, und deren Früchte durch eine Sicherung des Transfers in der Praxis Wurzeln treiben können
      · Hilfen zur Weiterentwicklung von Sozialkompetenzen (auch zur Fähigkeit Eltern zu beraten)
      · Sprachvermittlungskompetenzen insbes. bei fremdsprachigen Kindern
      · deutlich ausgeweitete Möglichkeiten zur Überprüfung der tatsächlichen Arbeit und zur Integration neuer Kenntnisse (z.B. zukünftig vermehrt zur Betreuung von Kindern unter 3 Jahren, für das Bildungsthema)
      · eine Teil-Freistellung vom Gruppendienst für Leiterinnen,
      · Schutz für eine angemessene Erzieherin - Kinder Relation,
      · Einen Mindest-Standard an Verfügungszeit (durch ausreichende Vertretungskräfte geschützt)
      · Eine veränderte Erzieherausbildung
      Zum Schluss zur lokalen Perspektive:
      "Die Diskussion über die Qualität von Erziehung, Bildung und Betreuung gehört nicht in kleine päd. Zirkel, sondern in die Mitte der Gesellschaft." (Christine Bergmann).
      "Für Bildung und Erziehung und die bessere Vereinbarung von Beruf und Familie müssen die bestmöglichen Angebote an Kinderbetreuung bereitstehen." (Christine Bergmann)
      Unter den jetzigen Verhältnissen ist eine auf Bildungsprozesse bezogene Weiterentwicklung der Kindergartenarbeit nur dann wirklich erfolgversprechend,
      · wenn sich Erzieherinnen sich über ihren Kindergarten hinaus zusammentun
      · wenn Eltern diese Qualität verlangen
      · wenn neue Bündnisse gelingen
      Das erfordert neue Formen des Dialogs.
       
    • Podiums-Statement Sabine Frech, Erzieherin und Mutter aus Gönningen
       
      Wichtig, ist für mich als Mutter, daß Bildung nicht nur in Institutionen wie Kindergarten und Schule passiert, sondern wir als Eltern einen großen Teil dazu beitragen.
      Das bedeutet für mich nicht, daß ich versuche meinem Kind lesen, rechnen und schreiben beizubringen oder es mit Sachwissen "vollzustopfen".
      Vielmehr versuche ich mit meinen Kindern mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Auch die anderen Sinneswahrnehmungen wie hören, riechen, tasten, schmecken und fühlen sind mir sehr wichtig. Ich möchte meinen Kindern dadurch viele Primärerfahrungen ermöglichen, auf die sie dann aufbauen können.
      Die Freude am Experimentieren und Forschen unterstütze ich, indem ich ihnen Zeit, Raum und Material zur Verfügung stelle. (Auch, wenn es manchmal etwas unbequem ist, weil das benötigte Material im obersten Küchenschrank steht und die frisch geputzte Küche unter der Experimentierfreude meines Sohnes leidet. Evtl. Bsp. Traubensaft)
      Fragen, die entstehen, versuche ich mit meinen Kindern gemeinsam zu klären - manchmal benötigen wir dazu Bücher oder das Wissen von anderen Menschen.
      Ich finde es wichtig, daß Kinder ihre eigenen Erfahrungen machen können, auch mal etwas schiefgehen darf und sie erfahren, daß aus Mißerfolgen etwas Neues entstehen kann.(Evtl. Bsp. Boot)
      Diese Erfahrungen sollten im echten Leben stattfinden. Was ich nicht mag, ist eine inszenierte Kinderwelt. Plastikwerkzeug ist vielleicht noch für ein zweijähriges Kind interessant, aber echte Erfahrungen kann man damit nicht machen. Versuchen Sie mal mit einem kleinen Kinderhämmerchen einen Nagel in ein Holz zu schlagen - das ist fast unmöglich und sehr frustrierend. (Mein Sohn hat letztes Jahr echtes Werkzeug bekommen und er kann wunderbar damit umgehen.)
      Meine Kinder sollen außerdem erleben, daß es sich lohnt, an etwas zu bleiben und sich anzustrengen.
      An meine Grenzen stoße ich, wenn es um die Erfahrungen geht, die ein Kind in einer Gruppe macht. In diesem Bereich ist der Kindergarten stark gefordert.
      Optimale Bildungsarbeit kann nur stattfinden, wenn Erzieherlnnen und Eltern sich austauschen und zusammenarbeiten.
      Da ich mein Kind nur sehr emotional wahrnehmen kann, ist es sehr wichtig, daß die ErzieherInnen es objektiv wahrnehmen. Mit einer guten Mischung aus Einzelförderung im Elternhaus und Förderung in der Gruppe im Kindergarten sind unsere Kinder fürs Leben gut vorbereitet.
      (Ich wünsche mir ErzieherInnen, die offen sind für Neues, aber nicht unreflektiert alles übernehmen, was modern ist. Außerdem sollten für eine optimale Förderung die Kindergartengruppen verkleinert werden und von zwei ausgebildeten Fachkräften pro Gruppe betreut werden.)
       
    • "Maria und Josef" von Veronika Lemke; aus Kiga heute 11-12/2002
       
      Maria und Josef
      auf dem Weg nach Pisa.
      Ach nein, Bethlehem!
      Ob sie gebildet waren?
      Aber ja, hätte Gott sonst seinen Sohn
      in diese Familie gegeben?
      Maria und Josef hatten Herz,
      sie konnten Hand anlegen
      und ihr Kopf und Verstand
      war geöffnet für das ganze Andere,
      das Neue, das Ungewöhnliche.
      Darin lag ihre Bildung -
      darin liegt unser Trugschluss.
       
    • Pressebericht: "Kindergarten und Bildung" - Veranstaltung der Evangelischen Kirchengemeinde und der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) in Gönningen m 14.11.2002
       

      Von links nach rechts: Annette Brig, Martina Hipp, Prof. Ludwig Liegle, Dr. Margarete Blank-Mathieu, Pfr. Alexander Behrend, Sabine Frech, Kurt Nikelski
       
      Den Nerv der Zeit haben die Veranstalter eines Abends zum Thema "Kindergarten und Bildung" am vergangenen Donnerstag in Gönningen getroffen: Über 160 Teilnehmer, in der Mehrzahl Erzieherinnen aus den Landkreisen Reutlingen/Tübingen sowie interessierte Eltern und Lehrerinnen, füllten das Gemeindehaus bis auf den letzten Platz. Die Evangelische Kirchengemeinde Gönningen hatte zusammen mit der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Kreis Reutlingen/Tübingen, Fachgruppe Sozialpädagogische Berufe, zu einem Vortrag und Podiumsgespräch eingeladen. "Wie Kinder sich bilden oder: Wo hat der Regenwurm seine Augen? unter diesem Titel ging Professor Dr. Ludwig Liegle vom Institut für Erziehungswissenschaften an der Universität Tübingen auf Erkenntnisse der Hirnforschung ein: Wie kleine Kinder sich bilden - dazu waren ihm vor allem drei Aspekte wichtig. Zum einen verwies er auf die hohe Bedeutung verläßlicher Bindungen, die es dem Kind ermöglichen, sich zu bilden. "Sich bilden", das war zugleich sein zweiter Schwerpunkt: Bildung wird nicht von außen vermittelt, sondern wird von jedem heranwachsenden Menschen in individueller Weise für sich selbst vollzogen. Dazu - so führte er als Drittes aus - sei eine anregende Umwelt und vor allem die Ermöglichung von unmittelbaren Sinnes-Erfahrungen grundlegend.
      Im Anschluß an die Ausführungen Liegles bat Dr. Margarete Blank-Mathieu Experten zu einem Podiumsgespräch. Neben dem Erziehungswissenschaftler nahm die Leiterin des Evangelischen Kindergartens Gönningen Martina Hipp zu ihrer Arbeit im Kindergarten Stellung, als Vertreterin der Eltern stellte Sabine Frech ihre Meinung ais Sicht der Elternschaft dar. Pfarrer Alexander Behrend aus Gönningen vertrat die Kindergarten-Träger, Angelika Braig von der Stadt Reulingen die Fachberater-Seite; Kurt Nikelski, Leiter der städtischen Kindertagesstätte Gmindersdorf, stellte die Position der GEW zur Diskussion.
      Allen Voten gemeinsam war der hohe Stellenwert, der der Kindergarten-Arbeit beigemessen wird. Dies wurde unterstrichen durch die Ausführungen des Erziehungswissenschaftlers. Dieser Hochschätzung stellten die Podiums-Mitglieder gegenüber, wie wenig gesellschaftliche Beachtung der Elementarbereich erfährt und wie es vor allem im Blick auf die finanzielle Ausstattung, die Erzieher-Ausbildung und die konkrete Gestaltung der Arbeit in Deutschland einen großen Nachholbedarf gibt. Liegle gab dazu Einblicke in die politische Entwicklung: Erkenntnisse der Entwicklungspsychologie und anderer einschlägiger Wissenschaften seien im Moment beispielsweise bei der Erweiterung der Betreuungsangebote für Ein- bis Dreijährige nicht gefragt; die Bedürfnisse der Kinder drohen hier unter anderen Anspüchen unterzugehen.
       

       


       

      "Der Kindergarten - immer noch Bildungseinrichtung zweiter Ordnung?"
      Prof. Dr. Kurt Meiers, Gönningen
      Festvortrag am 12. Oktober 1999 zum Jubiläum "5 Jahre evangelische Trägerschaft"
      Evangelische Kirchengemeinde Gönningen - Ev. Kindergarten Rosmarinstraße

      Wir dokumentieren die beiden Schlußthesen und die sechs Schlußforderungen:

      These 1

      Die öffentliche Anerkennung des Kindergartens und seine öffentlich-rechtliche Position entsprechen nicht der Bedeutung, die frühkindliche Erziehungs- und Bildungsarbeit für das Kind hat.

      These 2

      Der Kindergarten hat sein pädagogisches Konzept von Fröbel über Montessori und andere konsequent weiter entwickelt, gefestigt und verteidigt (Rhythmisierung, Freispiel, Ganzheitlichkeit). Eine Verschulung des Kindergartens hätte seine Bedeutung für das Kind (und das scheint mir entscheidend) verringert. Das Konzept der Kindergartens hat sich bewährt und ist den Bedürfnissen des Kindes angemessen.

      Forderungen

      • Die Einsicht in die Bedeutung der frühkindlichen Erziehungs- und Bildungsarbeit offensiv vertreten!
      • Die Integration in das Bildungswesen anstreben!
      • Die Ausbildung der Fachkräfte wissenschaftlich vertiefen und erweitern!
      • Die strukturelle Einheit von Erziehen, Bilden und Behüten sichern mit Priorität des Pädagogischen!
      • Den Auftrag des Kindergartens förder-diagnostisch erweitern!
      • Den sozialen Status der Fachkräfte im Kindergarten anheben!

      Antwort auf die Frage "Der Kindergarten - immer noch Bildungseinrichtung zweiter Ordnung?"

      • objektiv: ja!
      • angesichts der Bedingungen: nein!
      • angesichts des Engagements und der Leistung der Fachkräfte: nein!

       


       

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