HauptWorte der Bibel -nachgesprochen von den Gönninger Pfarrern und der Gönninger Vikarin - eine Gottesdienst-Reihe

Liebe Leserin, lieber Leser!
HauptWorte geben zu denken: In unserer Gottesdienst-Reihe im Februar 2004 haben die drei Pfarrer und die Vikarin, die zur Zeit zu unserer Kirchengemeinde gehören, biblischen HauptWorten nachgedacht und jeweils einen thematischen Gottesdienst gestaltet.
Pfarrer Heinz Gerstlauer, 1985 bis 1995 in der Gönninger evangelischen Kirchengemeinde tätig und seitdem Vorstandsvorsitzender der "Evangelischen Gesellschaft" in Stuttgart, geht dem Begriff Gerechtigkeit nach; Vikarin Maren Klingler, 2003 bis 2005 zur Ausbildung in Gönningen, spricht über die Liebe; fortgesetzt wurde die Reihe durch Pfarrer "zur Anstellung" Joachim Ruopp, vor Frau Klingler Ausbildungsvikar in Gönningen und weiterhin Gemeindeglied (und Kinderkirch-Leiter!) hier und nun als Repetent im Tübinger Stift tätig: er predigte über "sein" Thema Glaube; Pfarrer Alexander Behrend, seit 1995 Gemeindepfarrer am Albtrauf, schließt die Reihe mit der Hoffnung.
Geprägt waren die Gottesdienste durch eine erfreulich gute Teilnehmer-Resonanz - und vor allem auch durch die freundliche Atmosphäre im Gemeindehaus: Gab es doch jeweils nach den Gottesdiensten anregende Gespräch bei Kaffee und Keksen an den Bistro-Tischen im Foyer und anschließend noch das Angebot, zum Mittagessen zu bleiben - Ehepaar Hettler sei Dank!
Vielleicht gibt es ja Ähnliches nächstes Jahr wieder ...
Ihr
Alexander Behrend
Heinz Gerstlauer: "Keine linken Touren ..." Gerechtigkeit (1. Feb.)
Liebe Gemeinde,
Gerechtigkeit - ein großer Begriff, ein tiefer Wunsch, Sehnsucht aller Opfer, tägliches Brot für Polizisten, Richter und Staatsanwälte. Rechtsschutzversicherungen boomen, weil auch bei uns Gerechtigkeit nicht zum Nulltarif zu haben ist. Bienzle und Schimanski recherchieren in ihrem Namen und ganz Deutschland atmet auf, wenn Sonntag abends gegen 21.40 der Täter gefasst und Gerechtigkeit wieder hergestellt ist. Um allerdings gleich anschließend bei Sabine Christiansen wieder auf den Teppich herunter geholt zu werden, wenn es um ungerechte Millionenabfindungen, gekürzte Rentenzahlungen, um Kriege oder das ökologische Gleichgewicht geht.
Gerechtigkeit, ein Leben lang arbeiten wir uns wund an ihr. Und nicht nur wir selbst, wir Menschen von anfang an und jede Generation neu.
Schauen Sie doch mal in die Bibel: -Einer der ältesten Rechtsgrundsätze steht in ihr: Auge um Auge, Zahn um Zahn. Als Ablösung des alten überbordenden Systems der Rachejustiz. Propheten beschäftigen sich mit ihr, klagen Ungerechtigkeiten und Machenschaften der Könige, der Oberschicht, der reichenLeute an. "Ihr reiht Besitz an Besitz und Wohlstand auf Wohlstand, aber die Leute verderben". Sie decken die Ungerechtigkeiten des Systems auf. "Weh Euch, die Ihr das Recht in Wermut verwandelt" sagt Amos. Und in den Sprüchen Salomos steht: Gerechtigkeit erhöht ein Volk, aber die Sünde ist der Leute Verderben. Die Psalmen sind voll der Klage darüber, dass der Gerechte leiden muß und der Gottlose ein frohes Leben führt.
Jesus fordert, dass unsere Gerechtigkeit besser sein solle als die der Pharisäer. Und er warnt uns im Gleichnis vom Pharisäer und Zöllner im Tempel gleichzeitig vor jeder Form der Selbstgerechtig- keit. Und Paulus schreibt im Römerbrief: das Reich Gottes ist nicht Essen und Trinken, sondern Gerechtigkeit und Friede. Ja, und dass es letztendlich Gott sei, der uns gerecht macht.
Was ist gerecht ? Ist es gerecht, wenn Menschen bekommen, was sie sich verdienen ? Ja, sagen wir , das hat etwas damit zu tun. Aber, wenden die andern ein, das stand auch über den Eingangstoren der KZ's: Jedem das Seine. Und was sagen wir dann jemandem, wenn er an Krebs erkrankt, oder das Kind behindert zur Welt kommt ?
Was ist gerecht ? Wenn jeder bekommt, was er braucht ? Aber lässt sich so ein Handwerksbetrieb führen oder eine Volkswirtschaft in Gang halten ?
Sie sehen, liebe Gemeinde, wir haben es nicht leicht mit der Gerechtigkeit und Pfr, Behrend hat es mir mit dem Thema nicht leicht gemacht.
Darum lassen Sie mich einfach mit den verschiedenen Rollen beginnen, die mit Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit zu tun haben.
Am einfachsten ist die Rolle des Opfers.
Lassen Sie es mich persönlich sagen.
Woran erinnere ich mich, wenn ich die Stationen meines Lebens abschreite? Kindheit, Schulzeit, Konfirmation, Ehe, Beruf, Rente, die letzte Woche, das vergangene Jahr: Sicher kommt mir viel Gutes, manch Erfreuliches in den Sinn. Häufig bin ich richtig, bin ich gerecht behandelt worden. Doch wahrscheinlich könnte ich ebenso eine Geschichte der Ungerechtigkeit schreiben.
Psychologen, die ja davon leben, daß wir unter Ungerechtigkeit leiden und unsere Erfahrungen mit Ungerechtigkeit nur schwer verarbeiten können, sprechen vom Museum der Verletzungen.
Sie behaupten: Jeder hat sich in seiner Seele sein eigenes kleines Museum eingerichtet. Und da kommen all die Verletzungen hin, all die Erfahrungen, die mit der wirklichen oder vermeintlichen Ungerechtigkeit anderer zusammenhängen. Immer wieder schlendern wir durch das Museum, um die Ausstellungsstücke anzuschauen.
Bei vielen Besuchen, die ich hier in Gönningen machen durfte, habe ich immer wieder dies erfahren und erlebt: die Ohrfeige, die man vor 70 Jahren in der Schule bekommen hat. Sie tut heute noch weh. Da war ein Satz von Vater oder Mutter, der bis heute verletzt und Tränen hervorruft. Da war ein Lehrer ungerecht. Im Rathaus wurde ein Antrag abgelehnt. Bei der Besetzung eines Postens ist jemand anderes vorgezogen worden. Leistungen wurden nicht anerkannt. Bei einer Begrüßung wurde man nicht genannt, bei einer Vereinsehrung übersehen. Ungerechtigkeit ist verletzend. Sie tut weh. Manchmal kann man mit ihr leben, manchmal auch nicht, dann kommt sie wieder mit allen Gefühlen und mit aller Macht und schreit nach Gerechtigkeit und wenn es schlimm ist, sogar nach Rache.
Familien und Geschwister, Vereine, Dörfer, ja ganze Länder machen die bittere Erfahrung: Ungerechtigkeit führt zu Streit, zu Neid, ja zum Krieg auch innerhalb der Familie. Im Alten Testament steht der wunderschöne Satz: Friede und Gerechtigkeit werden sich küssen. Es ist wahr; das eine gibt es ohne das andere nicht. Alles andere ist Friedhofsruhe, aber kein Friede, ist Stillhalten, aber kein Leben. Ohne Gerechtigkeit kein Friede. Darum ist es so wichtig, sich um Opfer zu kümmern und ihrem Wunsch nach Gerechtigkeit nachzugehen und Täter dingfest zu machen. Grenzen zu setzen und Gerechtigkeit auch mit Macht durchzusetzen.
Gerechtigkeit. Wir sind ja nicht nur Opfer, sondern auch Täter, oder Nutznießer der Ungerechtigkeit.
John F. Kennedy hat einmal gesagt:
Das Leben ist ungerecht, aber denke daran: nicht immer zu deinen Ungunsten. Und nun könnte ich alles, was ich vorher gesagt habe einfach umdrehen und sagen: was ich bin und was aus mir geworden ist, was mir gehört und mich ausmacht, mein Wohlstand, das geheizte Haus, die Erbschaft, das Geld,....Es war doch auch Glück, sogar unverschämtes Glück dabei. Und möglicherweise auch Unrecht
Ich möchte niemand etwas unterstellen, aber ich frage mich, woher die ganzen Prozesse kommen und warum Gerichte so beschäftigt sind. Wir sind doch nicht nur Opfer, sondern auch Täter. Von der Versicherungswirtschaft wurde vor Jahren ein Büchlein herausgegeben mit dem Titel: Wie macht man Hagel ? Und es erinnert an den Dialog zweier Bauern, wo der eine dem andern sagt, er habe neben einer Feuerversicherung auch eine Hagelversicherung abgeschlossen. Und der andere erwidert: Also weißt Du, wie man Feuer legt, das weiß ich schon, aber wie macht man Hagel ? Und dann wird in dem Büchlein geschildert, was uns Bundesbürgern alles einfällt, um unser Schäfchen ins Trockene zu bekommen. Es ist unglaublich.
Und noch eine Beobachtung. Ich habe mir sagen lassen, dass das Nachbarschaftsrecht eines der Rechtsgebiete ist mit den dicksten Büchern und den meisten Urteilen. Und wenn Sie in die Zeitung schauen und vor allem die dritte Seite lesen, dann wissen Sie Bescheid über uns. Wir tun Unrecht, wir verletzen andere, wir gaunern und stehlen, wir setzen Macht und Position zu unseren Gunsten ein, wir verbinden das Angenehme mit dem für uns Nützlichen, sind auf unseren Vorteil bedacht. Wir sind gemein und hinterhältig, lassen andere fallen oder liegen, lügen oder sagen nur die halbe Wahrheit, schließen uns blind irgendwelchen Mehrheiten an, machen Stimmung und gießen Öl ins Feuer, tricksen mit Geschäftsordnungen und Verträgen, halten Geiz für geil und nehmen dafür gerne die Ungerechtigkeiten für andere in Kauf. Nur nicht erwischt werden ist unsere Devise und Recht ist ,was mir nützt. Das beginnt im Schulhof und hört bei Welthandelskonferenzen auf.
Gerechtigkeit - sie konfrontiert mich, sie setzt mir und meinem Egoismus Grenzen, sie bringt meine Wahrheit ans Licht, sie hat eine harte Seite und sie kostet mich etwas. Sie ist nicht die Dienerin meines Willens, und ihre Richtschnur ist nicht gleichzusetzen mit der Liste meiner Wünsche und Begehrlichkeiten. Sie teilt mir meine Strafe zu und dabei hoffe ich - eigentlich eigenartig - dass diese gerecht und auch barmherzig ist.
Gerechtigkeit: hin und wieder versetzt sie mich in die Rolle des Anwaltes.
Gerechtigkeit, vor allem wenn Sie das neue Testament lesen, ist mehr als Opfer oder Täter sein. Gerechtigkeit ist mehr als das neutrale Abwägen von Für und Wider ohne Ansehen der Person, so wie Justitia mit der Waage in der Hand und mit verbundenen Augen an Gerichtsgebäuden dargestellt wird. Es gibt eine alte Novelle, überschrieben " die gerechten Kammacher ". Und über diese heißt es: " Die Kammacher waren ein Volk von ordentlichen Leuten. Sie löschten keine Lampe aus, sie zündeten aber auch keine an".
Ich denke, das kennen Sie auch, dass einer denkt, er wäre schon gerecht, bloß weil er in seinem Leben noch nichts gestohlen hat und nicht einmal neidisch war, wenn ein anderer mehr hatte. Nach biblischen Maßstäben genügt das noch nicht. In der Bibel lautet die Frage: wie oft hast du geteilt ? Wo warst Du Deines Bruders Hüter ? Daß wir einem sein Recht nicht nehmen dürfen, ist ja in Ordnung und wo einer sagt, ich bemühe ich, keinem weh zu tun, verdient das Respekt. Aber es genügt nicht. Die Frage ist; wo habe ich einem andern zu seinem Recht verholfen, wo habe ich verbunden, geheilt , mich um gute Strukturen gekümmert.. Gerechtigkeit ist noch nicht da, wo alles das unterlassen wird, was das Strafgesetzbuch verbietet, sondern wozu uns die Liebe zu Gott, zum andern und zu uns selbst treibt. Paulus hat den Galatern gesagt: tragt einander die Last, so werdet Ihr das Gesetz Christi erfüllen. Anwalt sein, Anwalt des Lebens und Anwalt der Gerechtigkeit - eine wichtige Aufgabe für jeden einzelnen, aber auch für die Kirche insgesamt. Anwalt für diejenigen, die sich nicht wehren können, die keinen Einfluss haben, die am Rande oder im Schatten stehen. Anwalt für Gerechtigkeit
Gerechtigkeit : die letzte Rolle, die wir kennen ist die des Richters. Sie ist wichtig, auch wenn sie uns nicht angenehm ist. Da gilt es den Streit zwischen den Kindern zu schlichten, einem befreundeten Ehepaar zuzuhören, eine Lösung für einen Nachbarschaftsstreit zu suchen. Wir müssen als Vorgesetzte in einer Personalangelegenheit entscheiden, als Vereinsvorstand, als Bürgermeister, als Gremienvorsitzender einen Konflikt schlichten. Und dann erfahren wir am eigenen Leib: allen Leuten recht getan ist eine Kunst, die niemand kann. Bei der Suche nach Lösungen wägen wir Argumente und bewerten ihre Qualität, wir untersuchen die Interessen der Konfliktgegner, wir forschen nach Motiven und Sachzwängen, wir stellen die Lebensgeschichte in Rechnung, wie empfinden Mitleid oder Hass, wir geraten unter Druck, weil wir spüren: Du sollst gerecht entscheiden und kannst es eigentlich nicht. Du kannst es nur nach bestem Wissen und Gewissen, weil auch Du nur die Weste siehst, aber nicht das Herz (Wilhelm Busch; Jahreslosung 2003), weil Du nicht frei von Irrtum bist. In Dir selbst hörst Du schon die Einwände, die nach dem Urteilsspruch kommen. Und Du weißt; Du wirst nicht darum herumkommen, Verletzungen oder Enttäuschungen zu hinterlassen. Gott sei Dank, denke ich, kommt das nicht oft vor und dort ,wo es schwierig ist, haben wir Leute, die gut ausgebildet sind. Aber im Alltäglichen wird es oft genug auch von uns verlangt.
Dabei sind mir verschiedene Dinge wichtig. Die Einsicht, dass es noch schlimmer wäre, gar nicht zu entscheiden und dass auch ich nicht ohne Schuld bin. Die Erfahrung, dass Gerechtigkeit auch die Barmherzigkeit braucht, wenn man über Menschen nicht gnadenlos zu Gericht sitzen will. Die Einsicht, dass unsere Urteile im besten Wortsinn nur Vorurteile sind. Und dass wir vorsichtig sein sollen mit allen Urteilen, die wir fällen
Liebe Gemeinde, im Neuen Testament spricht Jesus in der Bergpredigt von der besseren Gerechtigkeit, die uns aufgetragen ist. Man kann darüber rätseln, was das heißt. Aber ich bin froh darüber, dass er diesen Satz so und nicht anders gesagt hat. Nicht: schafft Gerechtigkeit. Oder stellt endlich absolute Gerechtigkeit her. Das wäre nicht nur eine Überforderung, das wäre der Beginn des Terrors. Nein, die bessere Gerechtigkeit ist verlangt: also weniger Unrecht, weniger Leiden, weniger Konflikte, weniger Schweigen. Und er setzt voraus, dass wir das hinkriegen, dass wir das können: Konflikte lösen und ,ja vielleicht auch kleine Ungerechtigkeiten aushalten. Uns gegenseitig Fehler zugestehen.
Es kann doch nicht sein, dass unsere Gerichte ausgelastet sind und sich mit Lappalien beschäftigen müssen. Es kann doch nicht sein, dass man in der Nachbarschaft und in der Familie nicht mehr miteinander redet, sondern gleich mit dem Anwalt droht. Es kann doch nicht sein, dass jeder Arzt und jede Pflegerin nichts mehr tut, ohne Anweisung oder Genehmigung oder Dokumentation vor lauter Angst, dass jemand prozessiert und man in Haftung gerät. Gerichtsorientierte Medizin nennt man das.
Die bessere Gerechtigkeit: wir können es doch wieder lernen, Konflikte selber zu regeln, mit Worten und nicht mit Waffen, nach allen Regeln der Kunst und nicht nach den Regeln der Stärkeren. Das wäre doch eine wunderschöne Aufgabe für uns alle.
Wir sollen Täter sein, Täter des Wortes, Täter der Liebe, Täter der Gerechtigkeit. Wir können es.
Und letztlich. Jesus redet auch vom Jüngsten Gericht. Erst an ihm wird
offenbar was Recht und was Unrecht ist, wer zu den Gerechten und wer zu den Ungerechten gehört. Früher hat die Kirche mit diesem Bild den Menschen angst gemacht, sie gedemütigt, mit Höllenstrafen gedroht.
Heute empfinde ich es als ungemein tröstlich und hilfreich.
Bei Beerdigungen habe ich mich oft gefragt, was erzählen mir die Hinterbliebenen. Wie sehen Sie im Nachhinein ein Leben, welche Geschichten erzählen sie und welche Urteile gehen in diese Geschichten ein. Natürlich war nie etwas Schlechtes dabei. Und ich habe mich oft gefragt: was machst Du damit. Was sagst Du und was nicht. Aber ich habe mir immer gesagt; ich bin nicht der Richter, Gott sei Dank und es ist auch nicht meine Aufgabe, ein Urteil zu sprechen. Mir war immer der Psalm wichtig, in dem es heißt: am Ende nimmst Du mich in Ehren an, nicht ich und nicht wir als Gemeinde. ER hat das letzte Wort.
Zum andern. Die Vorstellung vom Jüngsten Gericht sagt: es gibt eine letzte Verantwortung. Opfer finden ihr Recht, Täter ihren Richter. Gerechtigkeit nimmt ihren Lauf. Die Täter werden nicht ewig siegen und die Opfer nicht ewig Opfer sein.
Und zuletzt. Ich kenne den Richter. Er hat nicht die Waage in der Hand, sondern das Kreuz. Bei ihm geht es gerecht und nicht gnadenlos zu. Ich weiß, was ich verdient hätte, aber bei ihm weiß ich auch, dass er meine Schuld mit trägt. Er ist gerecht und barmherzig zugleich. Bei ihm brauche ich mich nicht zu verstellen,. Zu ihm kann ich kommen mit meiner Schuld. Bei ihm ist Versöhnung möglich. Bei ihm werden wir letzte Gerechtigkeit erfahren.
Amen
Maren Klingler: "All You need is ...?" Liebe (8. Feb.)
Liebe Gemeinde,
sie sind alle Experten was die Liebe angeht. Sie haben Eltern, Kinder, Partner, Freunde - und jeden Tag nehmen und geben sie Liebe. Was soll ich ihnen da von der Liebe sagen?
Als Vikarin habe ich immer wieder die Gelegenheit, Ehepaare an ihrem 50.Hochzeitstag zu besuchen.
Und es bewegt mich zuweilen sehr, wie zwei Menschen sich immer noch lieben. Viele können einem dann auch erzählen, woran es liegt, was sie getan haben, um ihre Liebe am Leben zu erhalten.
Ich bin da allein vom Lebensalter her wohl noch in der Versuchsphase... Was soll ich ihnen, den Älteren, also von der Liebe sagen?
Und auch die noch etwas Jüngeren sind doch bestens informiert über die Liebe. Kaum hat man das Radio angedreht, schmachtet Robbie William "I wanna feel real love", und den Daily Soaps ginge ja nach spätestens drei Folgen der Stoff aus, wenn es nicht den Herzschmerz einer tragisch verwickelten Liebesgeschichte gäbe.
Was soll ich ihnen da noch von der Liebe sagen?
Und außerdem "die Liebe", das ist ja soviel: da gibt es die Verliebtheit und den Briefmarkenliebhaber, die Vaterlandsliebe, die Heimatliebe, die Nächstenliebe, die Selbstliebe, die Erotik und den Sex, die Liebe zur Musik und die Liebe zu Gott, die Liebelei im Mai und die Mutterliebe, die Liebe, die durch den Magen geht und die gebrochene Liebe.
Liebe ist ein großes Wort, das man wohl nie ganz umfassend sagen kann. In einem Lexikon heißt es über die Liebe: "Das Wort Liebe ist in seiner Bedeutung so reich, umfassend und auch vieldeutig wie das Leben selbst."
Was soll ich ihnen von der Liebe sagen? Beschränkung ist notwendig, und darum will ich in den nächsten Minuten mit ihnen unseren Blick auf die Spielart der Liebe lenken, die der Grund dafür ist, dass wir heute Morgen hier so versammelt sind, als Gemeinde, als Brüder und Schwestern in Christus.
Über die anderen Spielarten der Liebe können wir dann ja nachher beim Kaffee oder beim Essen miteinander ins Gespräch kommen.
Der Evangelist Johannes überliefert uns eine Geschichte, in der ohne große Worte von der Liebe erzählt wird.
Es ist kurz vor dem Passafest. Jesus weiß, dass es seine Erdentage gezählt sind. Jesus liebt seine Jünger, er weiß, dass sie ziemlich durch den Wind sein werden, wenn er nicht mehr bei ihnen ist.
Man kann es sich bildlich vorstellen: Diese bunt zusammen gewürfelte Gruppe würde sich ganz neu zusammenraufen müssen, wenn Jesus nicht mehr sichtbar da ist.
Da gibt es einige, die gerne die Führung übernehmen, andere sind feinsinnige Kritiker. Wieder andere fallen auf den ersten Blick kaum auf, sind aber die verlässlichen Stützen im Hintergrund. Dann gibt es die Praktiker, die dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen stimmen und es gibt die Kopfmenschen, die in einer Diskussion mit ihren klaren Gedanken in brillanten Sätzen Klarheit schaffen können.
Alle haben sich zum Abendessen versammelt. Der Sklave des Gastgebers hat ihnen an Eingang die staubigen Füße gewaschen. Eine wohltuende Erfrischung nach einem heißen Tag.
Sie sitzen um den Tisch. Jesus, Johannes, Andreas, Simon Petrus, Philippus, Jakobus, Judas... und alle anderen.
Die Gespräche rund um den Tisch gehen munter hin und her.
Und dann geschieht es: Jesus steht auf, legt sein Obergewand ab und bindet sich eine Schürze um.
Wie ein Sklave steht der Meister und Herr vor seinen Jüngern.
Die Tischgespräche verstummen. Jesus greift nach einer Wasserschüssel, stellt sie vor Andreas auf den Boden, kniet sich hin, nimmt dessen Füße, wäscht sie im Becken und trocknet sie mit seiner Schürze ab.
Ganz still ist es. Völlig perplex lässt auch Jakobus sich die Füße waschen. Peinlich berührt ist er.
Jesus tut seine Arbeit ohne Zögern, eine konzentrierte Stille ist im Raum, keiner spricht.
Jesus geht weiter und kniet sich vor Petrus nieder, er greift nach dessen Füßen, um sie über der Schüssel zu waschen.
Doch Petrus kann, seine Empörung nicht zurückhalten, zieht seine Füße zurück und sagt: "Herr, sollst du mir die Füße waschen?". Einzelne Jünger nicken zustimmend.
"Was ist tue, das verstehst du jetzt nicht; du wirst es aber hinterher erfahren", antwortet Jesus.
Doch damit gibt sich Petrus nicht zufrieden und sagt: "Niemals sollst du mir die Füße waschen!".
Jesus lässt sich nicht beirren: "Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keinen Teil an mir", sagt er und wäscht Petrus die Füße.
Jetzt beginnt Petrus zu kapieren. Was Jesus hier tut, hat einen tieferen Sinn als die Sauberkeit. Jesus will ihnen etwas sagen mit dieser Geste.
"Wenn ich dich nicht wasche, so hast du keinen Teil an mir."
- wenn das so ist, denkt Petrus, dann aber auch ganz und gar, mit Haupt und Haaren. Und er sagt: "Herr, nicht nur die Füße, sondern auch die Hände und den Kopf".
Auf Forderung nach mehr lässt Jesus sich nicht ein. Ein Zeichen ist ein Zeichen. Mehr bringt nicht mehr. Jesus sagt: "Wer gewaschen ist, bedarf nichts als dass ihm die Füße gewaschen werden; denn er ist ganz rein. Und ihr seid rein."
Jesus ist bei Petrus fertig, geht weiter zu und all den anderen Jüngern, auch zu Judas.
Und dann stellt er die Schüssel beiseite, zieht sein Obergewand wieder an und setzt sich zu ihnen an den Tisch.
Jesus sagt: "Wisst ihr, was ich euch getan habe? Ihr nennt mich Meister und Herr - und sagt es mit Recht, denn ich bin`s auch. Wenn nun ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr untereinander die Füße waschen. Ein Beispiel habe ich euch gegeben, damit ihr tut, wie ich euch getan habe.
Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Der Knecht ist nicht größer als sein Herr und der Apostel nicht größer als der, der ihn gesandt hat. Wenn ihr dies wisst - selig seid ihr, wenn ihrs tut.
Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt."
"Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt. Daran wird jedermann erkennen, dass ihr meine Jünger seid, wenn ihr Liebe untereinander habt" ausgehend von diesen letzten Sätzen skizziere ich drei Gedanken.
Gottes Liebe zuerst
Es ist ja ein Skandal, der uns hier geschildert wird:
Jesus Christus, der Herr und Meister macht sich zum Sklaven, steht sozusagen in Unterwäsche da, bindet sich die Schaffschürze um und kümmert sich um die Füße seiner Jünger.
In dieser kurzen Szene wird etwas veranschaulicht, das wie eine durchgehende Regieanweisung über dem Leben Jesus steht.
Grade vorhin haben wir es gebetet: Er entäußerte sich selbst und nahm Knechtsgestalt an...Er erniedrigte sich selbst und ward gehorsam bis zum Tode.
Und auch in den Liedern, die wir gesungen haben, wird es erzählt: Gott liebt diese Welt, beugt ich deshalb herunter und kommt zu uns, wird Mensch, stirbt am Kreuz und befreit uns dadurch zum neuen Leben.
Wir sind das schon fast zu sehr gewohnt, dass wir so von Gott reden. Aber, liebe Gemeinde, es ist ein Skandal, was wir da hören!
Wer entdeckt hat, wer dieser Jesus ist und ihn so handeln sieht, der hält den Atem an.
Denn eigentlich würden der gesunde Menschenverstand und die alte Tradition vorsehen, dass die Menschen Gott lieben und dieser daraufhin von ihnen gnädig das eine oder andere Unheil fernhält.
Unser Gott hat den Spieß umgekehrt, er liebt uns Menschen mit dem ganzen Einsatz seiner Person und liefert sich damit unserer Gnadenlosigkeit aus.
Einmalig ist diese Liebesgeschichte, dieser Liebesdienst Gottes, und er findet seine Vollendung in der Kreuzigung.
Die BILD-Zeitung nimmt sich ja zurzeit auch des Themas Liebe an. Sebastian, 30 Jahre alt und Industriekaufmann ist da z.B. auf einem Werbeplakat zu sehen und er fragt mich als Passanten, ob es an ihm liegt, dass er noch allein ist.
Unter uns Menschen mag diese Frage ja noch einen gewissen Sinn haben (auch wenn ich es als unpassend empfinde, dass man solche persönlichen Fragen auf Litfasssäulen und in aller Öffentlichkeit verhandelt). Aber bei Gott ist das eine völlig sinnlose Frage.
Gottes Liebe zu uns ist nicht in uns, in unserer Person, nicht einmal in unseren guten Taten begründet.
Gottes Liebe gründet in Gott und nirgends sonst.
Gott liebt - ohne Ansehen der Person.
Und so wäscht Jesus auch dem Judas die Füße. Er überspringt den Verräter nicht. Ihm gilt die gleiche Zuwendung wie den andern.
So ist Gottes Liebe:
Auch noch angesichts des Verrats ist sie Liebe,
sie gilt dem, der nichts gilt,
sie gibt sich hin und sagt Ja zu dem, der dieser Liebe gar nicht entspricht.
Sich lieben lassen
Beachtlich ist ja, dass keiner der Jünger am Schluss sich die Schüssel schnappt und Jesus auch noch die Füße wäscht.
Anscheinend waren die Jünger nach den Zwischenfragen von Petrus sehr weise geworden und hatten sehr gut verstanden, dass Jesus mit dem Waschen der Füße nicht einfach eine neue Spielregel des Miteinanders eingeführt hat, sondern damit die Kernbotschaft seines Lebens, dass er seine Liebe versinnbildlicht hat.
Vielleicht waren sie weiser als wir. Denn ich weiß nicht, wie es ihnen geht, aber mich hätte es wohl in den Fingern gejuckt, wenn Jesus mir die Füße gewaschen hat, ihm das Gleiche zu tun.
Es ist der ihnen vielleicht bekannte, komische Drang ein Geschenk möglichst bald durch ein "Gegengeschenk" auszugleichen.
Sich beschenken zu lassen, sich einfach lieben zu lassen ist nicht so einfach. Vielleicht, weil wir da unsere Aktivität aufgeben müssen.
Im geliebt werden, werden wir machtlos und ausgeliefert.
Die Jünger haben es offenbar verstanden, dass man auf diese Liebe von Jesus, die sich in der Fußwaschung verdeutlicht hat, dass man darauf nicht einfach mit einem Gegenzug antworten kann, um dann damit diesen Geschenkzyklus abzuschließen.
Wir können Gott uns durch nichts in die Pflicht nehmen- wir können uns nur von ihm beschenken lassen.
Die erste und richtige - und oft gar nicht so einfache - Reaktion auf die Liebe Gottes ist, dass wir uns lieben lassen.
Was die Liebesbeziehung zwischen Gott und mir angeht, da bleibe ich immer Empfangende.
Als Geliebte lieben
Liebe Gemeinde, es wäre falsch zu meinen, dass ich als Empfangende unbeteiligt bleibe!
Gottes Liebe verändert mich.
Nach und nach sickert es in mein Bewusstsein und mein Verhalten: Gottes Liebe gibt mir eine Würde, die mir niemand nehmen kann - du und ich, wir sind geliebte Kinder Gottes, wir sind geliebt vom Chef der Weltgeschichte und vom Herrn der Heerscharen!
Das ist ein Selbstbewusstsein, das sich sonst wohl nirgends herholen lässt.
Und wer weiß, was er ist, der kann auf Statussymbole getrost verzichten,
der muss sich nicht mehr groß aufspielen, weil er schon Größe hat,
der muss nicht nach Höherem streben, weil es schon klar ist, dass für ihn am Ende ein Platz beim großen Festmahl im Himmel reserviert ist.
"Ein neues Gebot gebe ich euch, dass ihr euch untereinander liebt, wie ich euch geliebt habe, damit auch ihr einander lieb habt."
Wer weiß was er ist - ein von Gott geliebter und erretteter Mensch - , und wer weiß, dass die Menschen in der Gemeinde ringsum seine Schwestern und Brüder sind - also auch von Gott geliebte und errettete Menschen, bei dem verändert sich alles, der kann eigentlich nur noch lieben.
Die Liebe als Erkennungszeichen.
So zu lieben heißt nicht alle Ordnungen und Zuständigkeiten aufzugeben.
Aber wir haben uns daran zu orientieren, uns ein Beispiel daran zu nehmen, dass unser Herr und Meister sich nicht zu schade ist, sich klein zu machen, dass der Chef die Schaffschürze anzieht.
Können sie sich ausmalen, welch neue Möglichkeit des Miteinanders, eine solche Haltung, eröffnet?
Meine Eltern waren vor kurzem in Indien. Nach wie vor ist dort das Miteinander der Menschen durch das Kastenwesen bestimmt.
Es gibt eindeutige Regeln, wer wem Ehrerbietung entgegen zu bringen hat, wer zu meiden ist und wer mit wem zusammen essen kann.
Die christlichen Gemeindeglieder fallen auf, fallen aus dem Rahmen und werden deswegen auch angefeindet, weil sie diese gesellschaftlichen Regeln nicht mehr einhalten, sondern sich an das neue Gebot Jesu halten: Liebt einander, wie ich euch geliebt habe. Witwen werden gegen alle Tradition zu Festen eingeladen, Leprakranken wird geholfen, für Angehörige aller Kasten gelten in der Gemeinde die gleichen Rechte bei der Kleidung, Mädchen erhalten eine Ausbildung, Frauen bekommen Leitungspositionen übertragen...
Für die ehemals Kleinen und Niedrigen ist das eine genauso umstürzende und befreiende Erfahrung, wie für die ehemals Hohen und Großen.
Und die Menschen drum herum schauen sich das Leben der Christen staunend und verständnislos an.
Die Liebe bei uns
Woran erkennen die Gönninger uns als Gemeinde Jesu Christi?
Wie können wir das leben, dass wir einander lieben?
Ich möchte nochmals darauf verweisen:
Der Anfang ist das geliebt sein!
Dass Gott uns liebt, das gilt.
Und wir brauchen Orte, wo wir uns das vergegenwärtigen, damit es uns im Alltag nicht verloren geht.
Der Gottesdienst - da wo Gott uns dient! - das ist hoffentlich für viele ein solcher Ort, an dem sie sich neu sagen lassen können, dass sie von Gott geliebt sind.
Vielleicht ist es aber auch der Hauskreis, die Stund, das seelsorgliche Gespräch mit einem guten Freund, das Gebet beim Spazierengehen, die gute Gemeinschaft einer Freizeit, der Text und die Musik eines im Chor geübten Chorals oder Lieds oder was auch immer.
Wir müssen diese Orte pflegen. Denn nur, wenn wir solche Orte haben, können wir einander auch mit Liebe begegnen.
Mit wirklicher Liebe und nicht nur mit pflichtschuldigen Liebesdiensten...
Wie das geht? Mit dem Sehen fängt es an. Dass wir aufeinander achten und voneinander wissen. Dass wir einander freundlich und höflich begegnen. Dass wir uns Zeit nehmen füreinander, dass wir uns kümmern und zupacken, wenn Hilfe gebraucht wird. Dass wir uns an der Freude des anderen mitfreuen und ihn im Leid nicht allein lassen. Dass wir so miteinander streiten lernen, dass es der Liebe keinen Abbruch tut.
Sie sind alle Experten, was die Liebe angeht. Und wir alle sind von Jesus aufgefordert die Liebe zur Grundhaltung unseres Lebens zu machen: Als von Gott Geliebte einander die Liebe spürbar zu machen. Daran wird jedermann erkennen, dass wir Gottes Kinder sind. Amen.
Joachim Ruopp: "Beine auf der Erde - Kopf im Himmel ..." Glaube (15. Feb.)
"Woran ich glaube" hat die Zeitschrift Brigitte, die ich zwar nicht abonniert habe, aber die mir gelegentlich in die Hände gerät, gewissermaßen zugespielt wird - "woran ich glaube" hat sie vor Weihnachten verschiedene Menschen gefragt. Die Gräfin Schönfeldt erklärt beinahe druckreif: "Ich glaube und ich zweifle. (Der Glaube) gibt mir die Kraft zum Leben, und er hat mir die Kraft zum Überleben gegeben." Die Bio-Apfelbäuerin dagegen glaubt an Gerechtigkeit. Und eine Illustratorin ist da, die immer noch an die große Liebe glaubt. Der Student, der an sich selbst glaubt. Hängen geblieben bin ich bei der 12jährigen Luise Braun, einer Schülerin. "Ich glaube an Gott", sagt sie. Aber: "An die Schöpfungsgeschichte glaube ich nicht, denn die Welt ist von allein gewachsen!"
Liebe Gemeinde, da könnte einem die Aufgabe ja verleiden, die ich hier gestellt bekommen habe. Was heißt Glauben? Was ist der Glaube? Diese Frage ist so wichtig, dass sogar die Brigitte und nicht nur das Evangelische Gemeindeblatt danach fragt. Andererseits fallen die Antworten dann so verschieden aus, dass man sich fragen muss - reden die alle von der gleichen Sache? Für die Gräfin Schönfeldt macht der Glaube Mut! Aber: wenn ich auch an mich selbst glauben kann, so wie jener Student, dann heißt das ja, ich mache mir selbst Mut. Ob das lange vorhält.... Und für Luise Braun macht der Glaube nicht Mut, sondern er ist eine Zumutung. Die Zumutung, da etwas glauben zu müssen, was man doch nicht allen Ernstes glauben kann. Die Welt in 7 Tagen geschaffen.... Wunderheilungen .... einer geht über den See, ohne unterzugehen. Muss ich das alles glauben, wenn ich an Gott glauben will?
Liebe Gemeinde, lasst uns Antwort suchen, nicht indem wir weiter den Glaubensclub aus der Brigitte danach fragen, sondern indem wir unsere Fragen an die Bibel stellen. Eine Glaubensgeschichte aus der Bibel muss also her. Sie steht im Markusevangelium, Kapitel 10.
"46 Und sie kamen nach Jericho. Und als er aus Jericho wegging, er und seine Jünger und eine große Menge, da saß ein blinder Bettler am Wege, Bartimäus, der Sohn des Timäus.
47 Und als er hörte, daß es Jesus von Nazareth war, fing er an, zu schreien und zu sagen: Jesus, du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
48 Und viele fuhren ihn an, er solle stillschweigen. Er aber schrie noch viel mehr: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner!
49 Und Jesus blieb stehen und sprach: Ruft ihn her! Und sie riefen den Blinden und sprachen zu ihm: Sei getrost, steh auf! Er ruft dich!
50 Da warf er seinen Mantel von sich, sprang auf und kam zu Jesus.
51 Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Was willst du, daß ich für dich tun soll? Der Blinde sprach zu ihm: Rabbuni, daß ich sehend werde.
52 Jesus aber sprach zu ihm: Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege."
Liebe Gemeinde, was für eine Geschichte ist das? Ist es eine Wunderheilung? also eine Geschichte, in der ein schwer, ja unheilbar Kranker vorkommt, den Jesus unglaublicher Weise gesund macht, so dass alle staunen müssen und sagen: Mensch, dieses Jesus, was für ein Wundertäter, was der kann, damit beweist er doch, dass er ein ganz besonderer Mensch ist, ja, dass er von Gott kommt!
Oder ist es eine Emanzipationsgeschichte? Erst sitzt er, allein am Wegrand. Dann hört er etwas - und ruft. Laut, lauter. Man sagt ihm: halt die Klappe. Er sagt: nein! Und ruft noch lauter! Dann darf er aufstehen. Er springt auf! Jesus spricht mit ihm. Jesus sagt: Geh hin! Eine verkrümmte, kleingehaltene, eine unbewegliche Existenz, der plötzlich einer sagt: Sprich! Ich hör dir zu! Ich will nicht, dass du klein gemacht wirst. Sprich! Und dann geh in dein Leben!
Ich sehe eine andere Geschichte darin. Ich sehe eine königliche Audienz. Was gehört zur Audienz? Einer, der eine Bitte hat, ein Anliegen. Es gehört dazu, dass man ihn erst einmal wegschickt. Man kommt nicht so einfach durch, wenn man ein Anliegen hat und eine Audienz will. Doch der, der Hof hält, kann sich erbarmen. Ruft ihn her. Ich hör ihn an. Dann sagt man dem Bittsteller: du kannst kommen. Was willst du, daß ich für dich tun soll? - fragt Jesus, und so fragt ein König, der da Audienz hält.
Verschiedene Blickwinkel auf dieselbe Geschichte, auf dieselben Worte. Mancher Blick trifft es gut- mancher führt vielleicht eher weg von der Geschichte, zu manchem würde der Evangelist Markus vielleicht sagen: nein, nein, so habe ich das nicht gemeint. Stellen wir also unsere Fragen. Was heißt Glaube? Nur einmal kommt das Wort vor. Haben Sie es noch im Ohr? Geh hin, dein Glaube hat dir geholfen. Also eine Glaubensgeschichte? Aber es ist doch auch ein Wunder dabei, eine Emanzipation, eine Audienz vor einem König!
Also: was für ein Wunder gehört zu diesem Glauben? Kommt nun doch wieder diese Zumutung ins Spiel, dass ich da etwas glauben soll, was ich doch eigentlich gar nicht kann, dass nämlich Jesus übernatürliche Kräfte hat, und dass diese Kräfte beweisen, dass er ein ganz besonderer ist und dass ich deshalb sagen kann: Jesus ist der Sohn Gottes? Geht es denn nicht ohne diese Zumutung, die schon die 12jährige Luise Braun aus der Brigitte abstoßend findet? Wenn wir wirklich ernst nehmen, was uns der Evangelist zu sagen hat, dann ist da nichts von alledem. Keine Menge, die begeistert applaudiert. Kein Publikum, dass anerkennend schnalzt und Jesus das Halleluja singt. Gerade mal der eine Blinde. Die Vielen, die Anderen, die ja sehen, sie sehen - nichts. Dass da einer, der blind war, nachher sieht, das ist gar nicht bedeutsam. Die Geschichte vom blinden Bartimäus ist keine Wunderheilung. Sie will uns nicht zumuten, etwas zu glauben, was wir einfach nicht glauben können. Sie will uns nicht sagen: wenn du selbst einmal blind wirst, dann geh nicht zum Arzt, sondern ruf nur den Herrn Jesus an! Luise Braun aus der Brigitte braucht sich am christlichen Glauben nicht zu ärgern. Man kann auf der Höhe der Wissenschaft sein und trotzdem ein Christ.
Alles gut also? So einfach ist es nicht. Eine Zumutung ist trotzdem darin, weil da nämlich ein Wunder geschieht. Dein Glaube hat dir geholfen! Eigentlich müsste es heißen: dein Glaube hat dich gerettet! Ein viel größeres Wunder ist hier gemeint! Nicht blind und jetzt sehend, sondern tot und jetzt lebendig! Das macht der Glaube: er führt vom Tod zum Leben. Wenn die Gräfin Schönfeldt sagt, der Glaube gebe ihr Kraft im Alltag, dann ist das nicht falsch. Es ist nur ein bisschen sparsam gedacht vom Glauben. Schließlich gibt auch eine gute Mahlzeit und ein liebevolles Wort Kraft im Alltag. Wenn es ein Wunder gibt in dieser Geschichte, dann diese, dass da einer glaubt. Das ist das Wunder aller Wunder: dass wir glauben können, dass wir bekennen und singen können, dass wir Gottes Namen nennen können. Dass wir in seinem Namen uns versammeln, in seinem Namen Kranke pflegen, einander besuchen, miteinander lachen und auch weinen! Das ist nicht selbstverständlich! So groß müssen wir also vom Glauben denken. Darunter lassen Sie uns nicht zufrieden sein.
Doch wie komme ich zu solchem Glauben? Was muss ich machen, um so zu glauben? Hören wir wieder auf die Geschichte mit Bartimäus. Was macht er denn? Er ruft: Du Sohn Davids, erbarme dich meiner. Was soll er auch sonst tun, ein Blinder, der nichts schaffen kann und nichts gilt? Der kann ja allenfalls am Weg sitzen, herumschreien und den Leuten zur Last fallen. Was muss ich dann tun, um zu glauben? Probieren wir es von der anderen Seite. Was tut er nicht, um zu glauben? Er lasst es sich von keinem anderen zeigen. Er geht nicht in die Volkshochschule. Er bekommt kein Rezept. Nicht einmal im Meditationsseminar lernt man das Glauben. Was macht er dann, er, Bartimäus, der doch gar nichts kann? Nichts! Und damit ist er ein Gleichnis für uns und unsere Suche nach Glauben. Blinde Bettler sind wir darin. Du Sohn Davids, hab Erbarmen! Nichts von mir, alles von Gott. Das heißt Glaube, das heißt christlicher Glaube. Ich finde es wichtig, dass man hier keine Kompromisse macht und es so trennscharf sieht, so schwarz/weiß. Nichts von uns, alles von Gott. Auch nicht ein bisschen. Wenn wir anfangen, Kompromisse zu machen, kommen wir irgendwann zu dem Studenten, der sogar an sich selbst glaubt. Gott bewahre mich und ihn davor, an mich selbst glauben zu müssen. Wer an sich selbst glaubt, der ist auf eine trostlose Art und Weise allein. Bartimäus ist nicht allein. Er folgt Jesus nach. Und sogleich wurde er sehend und folgte ihm nach auf dem Wege.
Wo ich nach Gott suche, da ist schon der Glaube. Wo ich alles von Gott will und nichts von mir selbst, da ist das Wunder aller Wunder geschehen, da bekomme ich gesagt: dein Glaube hat dich gerettet! Du bist frei! Niemand kann dich je aus meiner Hand nehmen! Zu-Kopf-steigen lassen braucht man sich das nicht. Es ist noch kein Grund, nur zu jubeln und zu tanzen. Jesus geht noch den Weg nach Jerusalem, in den Tod, und Bartimäus folgt ihm auch darin nach. Und trotzdem gilt, für ihn, für mich und für euch, ein- für allemal: geh hin, dein Glaube hat dich gerettet. Amen.
Alexander Behrend: "Zum Narren gehalten?" Hoffnung (22. Feb.)
Dann wollen wir uns mal kräftig zum Narren machen,
liebe Gemeinde!
Nein, nicht weil zufällig Faschings-Sonntag ist! Nein, weil es wahrscheinlich das einzig Vernünftige ist in einer verrückten Welt. In verrückter Welt stehen die Narren am rechten Fleck. In verrückter Welt rücken sie die Dinge ins rechte Licht und an den richtigen Ort. In verrückter Welt muß man zum Narren werden, damit man leben kann!
Liebe Gemeinde,
aber wir haben natürlich auch jene andere Erfahrung, die, von der das Sprichwort redet: "Hoffen und harren hält manchen zum Narren".
Gerade die Hoffnung scheint es zu sein, die einen zum Narren halten und für dumm verkaufen kann.
Der schmachtende Jüngling, der auf eine Gunstbezeugung seiner Liebsten wartet - und 40 Jahre später immer noch Junggeselle ist.
Oder der Broker, der immer noch auf den großen Wurf und das nächste Aktienhoch wartet - und hofft und hofft und hofft und alles verliert.
Und dann war da jener Delinquent, zu dem morgens um fünf vor der Hinrichtung der Wärter kommt: ob er noch einen letzten Wunsch habe?
Eine Tasse Kaffee! Mit Zucker? Um Gottes Willen, ich bin Diabetiker!
Liebe Gemeinde,
übervorsichtig sein, zu sehr auf sich acht geben, aber auch hoffen auf bessere Zeiten und aus-harren und aushalten, was vielleicht zu ändern wäre -
es kann einem Lebensraum und Gegenwart nehmen, wenn man auf diese Weise hofft und harrt.
Es kann einen in falscher Weise zum Narren machen - weil man damit das Leben verfehlen kann. Erhofft, besser gesagt: erträumte Zukunft kann einem die Gegenwart rauben. Alles kommt offensichtlich darauf an, auf das richtige zu hoffen, vieles entscheidet sich daran, ob man Situationen ausharren, aushalten soll oder verändern, was sich ändern läßt.
Man muß guter Hoffnung, man muß der rechten Hoffnung sein, damit es stimmt, damit das Leben stimmt und Richtung hat.
Hoffnung kann einen als Illusionen und Träume an die Vergangenheit binden,
kann einen festhalten und runterziehen, statt nach vorn zu bringen und die Gegenwart gegenwärtig zu machen.
Christliche Hoffnung, das ist wie zwei Strommasten, zwischen denen die Leitung gespannt ist - je nach Temperatur mal straffer, mal lockerer, aber immer wird die Verbindung gehalten zwischen hier und dort, jenseits des Flusses - Spannung, die Energie zur Verfügung stellt.
Christliche Hoffnung hat hier ihren Haltepunkt und verbindet uns,
setzt uns in eine fruchtbare, eine Energie bringende Spannung zum Drüben.
Spätestens jetzt, liebe Gemeinde, stehen wir in der Gefahr, auf falsche Weise erst recht uns zum Narren zu machen.
Denn der Verweis dort hinüber über den Fluß - "I looked over Jordan", wie der Gospel singt -, der kann vertrösten und einschläferndes Opium sein.
Jahrhunderte lang hat man Menschen mit dem Verweis auf ein besseres Jenseits sediert, ruhig gestellt, in bitterster Art vertröstet; bis dann irgendwann einer gefragt hat, ob es eigentlich ein Leben vor dem Tod gibt - und dann womöglich auf der anderen Seite vom Pferd fiel, weil er es nur noch hier, diesseits des Flusses, suchte, das Leben.
Machen wir uns so nicht zum Narren!
Indem wir etwas erwarten, das dann womöglich so gar nicht kommt, oder von dem wir nichts Genaues nicht wissen.
Christliche Hoffnung - sie erhofft nicht etwas, nicht irgend welche Ereignisse, nicht das Paradies und nicht das Schlaraffenland, nicht das Tausendjährige Reich als von Menschen gemachtes Gottesreich auf Erden - christliche Hoffnung erhofft nicht etwas, sie hofft auf jemanden, auf Jesus Christus.
Das ist das Kennzeichnende an aller christlicher Hoffnung: daß sie von einem herkommt, der schon mal da war, daß sie auf einen zulebt und zugeht, den sie schon kennt!
Jene Welt da jenseits der Flusses ist nichts total anderes als hier: der Hauptunterschied ist: Jesus Christus wird uns offensichtlich sein, wird uns unmittelbar einleuchten, und alles wird klar sein - auch wir selbst uns - und alle Rätsel werden sich lösen und alle Geheimnisse werden offenbar!
Und dann war da jenes Ehepaar, das innerhalb kurzer Zeit hochbetagt stirbt und in den Himmel kommt. Und Petrus führt ihnen ihre neue riesige Limousine vor, sie bestaunen ihre Villa am Meer und den wohltemperierten Swimmingpool und freuen sich über das Hauspersonal - und wenn etwas fehle, stehe er selbst natürlich ebenfalls jederzeit zur Verfügung, meint Petrus.
Daraufhin sie zu ihm: "Und ohne deine dämlichen Pillen hätten wir all das schon viel früher haben können!"
Die Bibel verspricht nichts im Jenseits, nichts fürs Jenseits; sie spricht in Beziehungsbildern und sie erzählt letztlich nur und ausschließlich davon, daß die Sache mit Gott klar sein wird - alles andere ergibt sich.
Das mag blutleer erscheinen - aber es ist der beste Weg, damit wir uns von der Hoffnung nicht die Erde entziehen lassen: denn für diese Welt sind wir geschaffen, so ist zumindest der ursprüngliche Bauplan. Und hier haben wir zu leben - und zu lieben.
Im Galaterbrief sagt der Apostel Paulus einmal - und es klingt wie eine Zusammenfassung unserer vier HauptWorte-Gottesdienste:
"Wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die man hoffen muß. Denn in Christus Jesus gilt ... der Glaube, der durch die Liebe tätig ist."
Gerechtigkeit, Liebe, Glaube - Hoffnung.
Liebe Gemeinde,
was dürfen, wollen, können wir hoffen?
Zunächst einmal ist uns das Hemd näher als der Mantel - und deshalb ist die erste Frage nach unserer Hoffnung auch immer erst einmal die Frage nach meinem ewigen Leben, nach der Hoffnung für mich.
Hoffnung ist, daß ich immer Zukunft habe, daß da immer noch etwas vor mir liegt - daß da immer noch Gemeinschaft mit Jesus Christus vor mir liegt - in alle Ewigkeit habe ich noch was vor!
In der Beziehung zu Jesus Christus, dem Auferstandenen, kann man nicht mehr untergehen, nicht mehr verschütt gehen, vergessen werden. Dann hat er immer noch was vor mit einem - in alle Ewigkeit!
Liebe Gemeinde,
er hat freilich auch noch etwas vor mit einem: "Er sitzt zur Rechten Gottes, von dort wird er kommen zu richten." So sprechen wir es im Glaubensbekenntnis.
Was wir als Christinnen und Christen noch für uns erhoffen ist das Gericht. Im Gericht Gottes kommst du mit deiner Vergangenheit ins Reine. Ein Mensch mit Vergangenheit ist ein zwielichtiger Geselle. Er muß mit seiner Vergangenheit ins Reine kommen. Und das geschieht im Gericht, in dem wir es eben nicht nur mit unseren Taten und Untaten zu tun bekommen, sondern in dem wir es mit dem zu tun bekommen, der zu uns kam, für uns einstand, für uns starb am Kreuz. Da wird alles gut! Da werden wir zu neuen Menschen - und wir werden versöhnt mit unserer Vergangenheit.
Lebe so, daß du dem Richter möglichst wenig Versöhnungsarbeit machst!
Und dann war da noch der Fromme Mann, der den stadtbekannten Tunichtgut im Himmel trifft:
"Mensch, Claasen, Sie auch hier? Sie haben sich ja unglaublich verändert: größer, auch ein bißchen dicker, aber die Glatze ist ein bißchen fortgeschritten ..."
"Aber ich heiße doch gar nicht Claasen!"
"Was, Claasen heißen Sie auch nicht mehr?"
Doch, doch, wir dürfen guter Hoffnung sein, unseren Namen zu behalten -
und es wird ein guter Name sein, weil wir ausgesöhnt mit unseren Untaten, mit unserer Vergangenheit das Gericht hinter uns und immer Zukunft vor uns haben werden!
Liebe Gemeinde,
daß sich der fromme Mann und Claasen im Himmel treffen ist so unwahrscheinlich nicht; vor allem ist es sicher, daß wir einander treffen, daß es da ein Miteinander geben wird. Das ist sozusagen jetzt nach dem uns nahe liegenden Hemd der Mantel. Der Himmel, die Zukunft sind nicht solo zu haben - so wie eben Jesus Christus nie für einen allein da ist.
In der Schriftlesung haben wir vom neuen Jerusalem, der zukünftigen Stadt gehört. Es sind Bilder, die der Seher da vor Augen geführt bekommt; es sind - natürlich - Bilder, die darstellen sollen, was irdischen Augen unsichtbar ist. Und es sind Bilder, die uns wieder in die Gegenwart und in unsere Welt entlassen. Und sie entlassen uns mit der Aufgabe, uns an diesem Bild zu orientieren, so zu leben, daß wir jetzt schon dieser himmlischen Stadt entsprechen: dieser völkerverbindenden Stadt, in der Friede und Gerechtigkeit herrscht - und in der das Leben gefeiert wird, in der Gott gefeiert wird!
Wenn Jesus mit seinen Leuten - und mit den anderen erst recht - aß, dann hat er diese himmlische Stadt abgebildet, vorweggenommen: daß alle an einem Tisch sitzen, daß alle Grund zur Freude und zum Fest haben - so wie wir es jeden Sonntag feiern - kleine Vorzeichen der Ewigkeit!
Und dann war da noch der Pfarrherr, der meinte, man müsse auch mal auf ein Opfer verzichten können - und die nächste Flasche entkorkte!
Er hat sie bestimmt mit jemandem geteilt, will ich hoffen!
Liebe Gemeinde,
wir erwarten nicht etwas, wir erwarten jemanden - präziser: Jesus Christus!
Und wir machen uns zum Narren, indem wir hoffen, manches ausharren, und bereit sind Dinge anzugehen und zu verändern, die verkehrt laufen, die nicht unserer Zukunft entsprechen.
Dem Narren ist seine Sache ernst - auch wenn er sich lustig macht.
Ich will mich lustigen machen über meine Zweifel an Gott, über meine bösen Gedanken, daß die Menschen alles in der Hand haben - selbst die Zukunft und damit den Untergang noch!
Ich will ein Narr bleiben, dem seine Sache ernst ist: der von dem, was auf ihn zukommt, nichts weiß - aber der mit dem lebt, der kommt - und der da war - und der jetzt dabei ist - in Ewigkeit!
Amen.



Hier ist Platz für Ihre Rückmeldungen ...

 









Guided Tour - weiter geht's ...