Gottesdienst im Grünen

in Gönningen/Roßbergwiese
am 21.9.97
um 11 Uhr
Text: Mk 1,9-11 / "Himmel"

Vorspiel - Votum - einfaches Amen


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus
und die Liebe Gottes
und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes
sei mit euch allen!
Amen.

Begrüßung


Gottesdienst unter freiem Himmel haben so ihren eigenen Charakter:
sie erinnern uns daran,
daß Gott sich nicht einsperren, domestizieren läßt in unseren Kirchen.
Er wohnt eben nicht mehr nur in einem heiligen, ausgegrenzten Bezirk -
sondern ihm gehört alles,
- die Natur und ein jedes von uns -
immer sind wir bei ihm - immer ist er bei uns -
auch jetzt in diesem Gottesdienst unter freiem Himmel,
zu dem wir sie herzlich begrüßen!

Eingangslied


"Lieder und Psalmen" 13,1-3 "Lobet den Herren"

Psalm


Psalm 121 (Nr. 203)
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom Herrn,
der Himmel und Erde gemacht hat.
Er wird deinen Fuß nicht gleiten lassen,
und der dich behütet, schläft nicht.
Siehe, der Hüter Israels
schläft und schlummert nicht.
Der Herr behüte dich;
der Herr ist dein Schatten über deiner rechten Hand,
daß dich des Tages die Sonne nicht steche,
noch der Mond des Nachts.
Der Herr behüte dich vor allem Übel,
er behüte deine Seele.
Der Herr behüte deinen Ausgang und Eingang
von nun an bis in Ewigkeit.
Ehr sei dem Vater und dem Sohn und dem heiligen Geist,
wie es war im Anfang, jetzt und allezeit
und von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

Gebet


Unter deinem weiten Himmel vereint, großer Gott, können wir nur staunen und dich loben mit all der unbegreiflichen Fülle deiner Schöpfung, die sich uns auftut in Meeren und Kontinenten, Wolken und Wind, Flüssen und Bächen, Rotkehlchen und Igel, Eichen und Haselstrauch, in unzähligen Gedanken der Menschen und im Ergebnis handwerklichen Geschicks.
Unter deinem weiten Himmel vereint, großer Gott, können wir nur staunen und dich loben, daß du über all das der Herr bist. So laß uns dich loben auch dadurch, daß wir dies annehmen und nicht meinen, wir müßten uns zu Herren über alles machen, denn wir sind nur ein Teil davon.
Laß uns dich loben, damit wir nicht in Unordnung bringen, was du so weise geordnet hast, damit wir mit allem vereint bleiben, in Liebe, wie du es willst durch Jesus Christus, deinen Sohn, der mit dir in der Einheit des Heiligen Geistes lebt und wirkt von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Lied


79,1+2 Ich singe dir mit Herz und Mund

Predigt über Mk 1,9-11

Einleitung: "Himmel" / Hinführung zum Text


Liebe Gemeinde unter freiem Himmel!
Es ist schon eine merkwürdige Sache mit dem Himmel -
eigentlich gibt es das Firmament, etwas Festes da oben ja gar nicht.
Wir lächeln,
wenn wir uns die Vorstellungen unserer Altvorderen vor Augen führen:
Hier die Erdscheibe,
darüber die Halbkugel,
die abundan ihre Schleusen öffnet,
damit's regnet.
Wir lächeln -
aber tief in uns drin schlummert eigentlich immer noch die Vorstellung,
daß wir von einer bergenden blauen Kugel umspannt sind,
an der die Sterne aufgehängt sind,
die uns leuchten -
und in ihrer Vielzahl vor Augen führen,
welch Kleinigkeit wir eigentlich sind im Vergleich zum Himmel.
Daß das Blau nur eine Lichtbrechung ist ,
ebenso wie das Morgen- oder Abendrot -
nein, das ist kein schöner Gedanke.
Viel schöner ist da immer noch die Vorstellung vom Himmel,
der uns überspannt
und der so etwas wie die Grenzfläche zur Transzendenz,
zu einem anderen Raum,
vielleicht gar zu Gott ist.
Der Himmel -
unfaßbar und doch höchst real -
bergend und zugleich daran erinnernd, daß wir inmitten einer Unendlichkeit leben.
Wen wundert's da,
daß in der Bibel der Himmel zu einer Umschreibung für Gott wurde.
Das Himmel-Reich ist das Reich Gottes;
in den Himmel kommen, heißt: zu Gott kommen.
Und wie der Himmel ist Gott so fern und zugleich hautnah;
nicht faßbar und doch höchst real.
Liebe Gemeinde unter freiem Himmel!
Auch Sie haben sicherlich Erinnerungen an besondere Himmelserscheinungen,
wo Ihnen der Anblick des Himmels mehr zeigte als das Wetter.
Der endlose Himmel über der kargen Hochebene bei den Indianern in Arizona;
der sternenklare Nachthimmel - mit der Geliebten auf der Parkbank;
der Himmel, der sich bedrohlich zuzog und bald darauf die Blitze zuckten und die Donner krachten -
so vielfältig wie das Leben ist der Himmel -
und Gott mittendrin.
Und manchmal öffnet sich der Himmel und wird durchläßig für Gott -
Gott im Himmel redet -
und Himmel und Erde berühren sich.
So geschehen vor zweitausend Jahren bei Jesus aus Nazareth.
Bevor Jesus begann,
öffentlich zu wirken,
wird uns folgende himmlische Begebenheit über ihn erzählt.

Text Mk 1,9-11


Und es begab sich, daß Jesus aus Nazareth kam und ließ sich taufen von Johannes im Jordan.
Und alsbald, als er aus dem Wasser stieg, sah er, daß sich der Himmel auftat und der Geist wie eine Taube herabkam auf ihn.
Und da geschah eine Stimme vom Himmel: Du bist mein lieber Sohn, an dir habe ich Wohlgefallen.

Hauptteil

die Taufgeschichte


Liebe Gemeinde unter freiem Himmel!
Es ist eine meiner Lieblingsgeschichten in der Bibel -
diese kurze Notiz von der Taufe Jesu.
Eine kleine Geschichte vom offenen Himmel,
in der das entscheidende Wort über Jesus gesprochen wird -
und nicht nur über ihn:
sondern auch über dich und mich:
"Du bist mein geliebter Sohn!
Du bist meine geliebte Tochter!"
In der Anrede dieses einen dürfen wir Gottes Anrede an jede und jeden von uns mithören.
Du - geliebt - mein!
Eine himmlische Botschaft diese Worte,
die festen Boden unter die Füße geben.
Aus dem Himmel eine Stimme,
die ihm und dir und mir sagt, wer wir sind;
und der Geist wie eine Taube,
eine Himmelsgabe,
die uns an Gottes Welt Teil gibt.
Mit ihm leben wir wie in zwei Welten.
auf der Erde,
wo das Recht des Stärkeren und Fitteren und Fieseren gilt,
wo du nichts zählst, wenn du nichts bringst
oder gar alt oder krank bist -
und in einer Welt, die himmelhoch darüber steht,
in der Freiheit herrscht von der dauernden Angst, zu kurz zukommen oder übervorteilt zu werden;
in einer Welt,
wo Gerechtigkeit regiert - und auch die zum Zuge kommen,
die auf der bewölkten Seite stehen;
in einer Welt,
wo Menschen zum Frieden mit sich finden.
Hoffentlich erfahren wir alle jeden Tag wenigstens ein bißchen von dieser neuen Welt,
jeden Tag ein Stückchen Himmel
als Erinnerung daran, daß der Himmel auf uns wartet.
Ich denke dabei an die Menschen in meiner Umgebung,
die einem ein unverdientes Lächeln schenken;
oder an die Begegnung mit einerm Kind,
das einem zeigt,
daß das Leben so ernst nun auch wieder nicht sein muß;
oder an die ruhigen Momente im abendlichen Garten,
wenn der Himmel errötet und es einfach schön ist, da zu sein.
Ein bißchen Himmel auf Erden.

"Starlight-Express"


Liebe Gemeinde unter freiem Himmel!
Vielleicht kennen Sie auch das Musical Starlight-Express;
da gibt es eine Szene, die auf die Taufe Jesu anspielt -
ich weiß nicht, ob der Autor, Andrew Lloyd Webber, sich dessen bewußt war,
wenn er die kleine Dampflok
- ihren Hightech-E-Loks an Geschwindigkeit hoffnunglos unterlegen -
wenn er über dem Hauptdarsteller den Himmel aufgehen läßt -
und eine Stimme ertönt -
aber diesmal klingt die Botschaft ganz anders:
Kein Zuspruch,
daß wir Gottes Kinder sind -
sondern die grausame Botschaft:
Glaube an dich selbst, dann wirst du gewinnen!
Sei stark im Glauben an deine eigene Stärke,
dann wird's schon klappen!

Sohn/Tochter durch Jesus


Liebe Gemeinde unter freiem Himmel!
Das ist eine schlechte Botschaft,
weil sie uns Menschen einsam und orientierungslos macht:
nur noch du selbst bist deine Kraftquelle,
nur noch du selbst entscheidest über gut und böse,
recht und unrecht.
"Du bist mein geliebter Sohn,
du bist meine geliebte Tochter!" -
das ist etwas ganz anderes.
Das stellt uns unter einen offenen, aber bergenden Himmel -
dieser Himmel ist nicht leer -
er ist Gott,
der zu uns auf die Erde kam,
damit wir leben.
In Jesus Christus berühren sich Himmel und Erde,
in ihm bricht das Himmelreich an -
weil er uns Menschen in eine neue Beziehung zu Gott setzt.
Das ist der Himmel auf Erden:
Wenn du spürst und lebst,
daß der Himmel uns nicht verschlossen ist,
sondern Gott sich uns geöffnet hat.
Wenn Sie beten,
dann prallen Ihre Worte nicht an der himmlischen Käseglocke ab,
sondern dringen an Gottes offenes Ohr;
wenn Sie das Rechte tun,
dann ist das nicht nur nichts in der Weite des Alls -
dann dringt das an Gottes himmlisches Auge;
wenn sie Grund zur Dankbarkeit haben,
dann ist das nicht nur Zufall oder Schicksal -
dann haben Sie in Gott einen Adressaten für Ihren Dank,
Dank für die helfende und schenkende Hand vom Himmel.

Schluß: "Himmel"


Liebe Gemeinde unter freien Himmel!
Die Reisen in den Himmel sind heute eine alltägliche Angelegenheit geworden;
und wenn Sie wollen, können Sie Ihren Lieblings-Teddy von einer Rakete in eine Umlaufbahn bringen lassen.
Die Reisen in den Sky, den Himmel, sind selbstverständlich geworden;
das Wissen um den Heaven, den Himmel, droht uns immer wieder verloren zu gehen -
das Wissen um diese andere Welt,
die in unsere Welt hineindringt
und die Gott oder Himmelreich genannt wird.
Gottes Himmel reicht auf die Erde,
erst recht, seit Jesus unter uns lebte.
"Du bist mein geliebter Sohn,
du bist meine geliebte Tochter!"
Amen.

Lied 79,3-5

Fürbittengebet


Laßt uns zu Gott beten,
- für die Länder unter Gottes weitem Himmel, in denen so viel Not herrscht, weil gewalttätige Menschen kein Ende finden können und Frieden so fern ist und dafür, daß denen, die Macht und Einfluß haben, keine Mühe zu groß ist, für das Leben einzutreten.
Laßt uns zu Gott beten
- für die Menschen, die unter einem dunklen Himmel leben und an Uneinigkeit leiden, für Ehepartner, Freunde, Eltern, Kinder, Politiker, daß sie versöhnende Worte finden, Worte, die Versagen zugeben können und Schwäche, Worte, die wieder zueinander führen.
Laßt uns zu Gott beten
- für die Menschen, denen es eng wird unter Gottes Himmel, die sich nach Weite sehnen, für die ans Bett Gebundenen, für Behinderte, für alle, die in ihrem Beruf stark Geforderten, für alle, die nichts mehr in ihrem Leben erwarten und die schon manchesmal Enttäuschten, daß sie Menschen begegnen, die ihnen beistehen und so die Weite Gottes und unserer Welt zu ihnen bringen.
Laßt uns zu Gott beten
- für die Frauen und Männer, die an den Himmel auch auf Erden glauben und sich für die Einheit der Christenheit einsetzen und die nicht begreifen können, daß noch wichtig sein kann, was Christen uneins macht, daß sie die Kraft bewahren, für die Einheit einzutreten.
Gütiger Gott,
unter deinem Himmel ist gut leben;
bewahre den Himmel in unseren Herzen,
damit wir froh und fröhlich dir glauben,
dir folgen,
dir leben.
Unser Gebet fassen wir in die Worte, die dein Sohn uns gelehrt hat:
Vaterunser
Vater unser im Himmel!
Geheiligt werde Dein Name!
Dein Reich komme!
Dein Wille geschehe,
wie im Himmel, so auf Erden!
Unser täglich Brot gib uns heute!
Und vergib uns unsere Schuld,
wie auch wir vergeben unsern Schuldigern!
Und führe uns nicht in Versuchung,
sondern erlöse uns von dem Bösen!
Denn Dein ist das Reich
und die Kraft
und die Herrlichkeit
in Ewigkeit.
Amen.

Schlußlied


99,1-3 "Nun danket alle Gott"

Abkündigungen


Opfer: Weltmissionsprojekt: Dorfgesundheitsprojekt in Ghana

Segen/Amen/Nachspiel


Der Herr segne Dich und behüte Dich!
Der Herr lasse leuchten sein Angesicht über Dir
und sei Dir gnädig!
Der Herr erhebe sein Angesicht über Dich
und gebe Dir Frieden!






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