Nebensächliches

Reutlinger Generalanzeiger 15.6.2002 / "Auf ein Wort"

Nebensache Fußball - und die Hauptsache? Liebe Leserin, lieber Leser! Vielleicht muß heute Morgen Ihre GEA-Lektüre ein bißchen länger warten, weil das Achtel-Final-Spiel der deutschen Mannschaft bei der Fußball-WM ansteht. Ab jetzt geht's um alles oder nichts. Oder wie sagte einer: Es geht beim Fußball nicht um Tod und Leben - es geht um mehr Wer verliert, fliegt raus; wer gewinnt, kann sich auf den nächsten Kampf einstellen. Die Nebensache Fußball ist halt wie das richtige Leben.
Nebensache Fußball: Da gehört freilich auch dazu, was mit "Kommerzialisierung" umschrieben wird: teils horrende Spielergehälter, die von den Einkünften der Funktionäre nur wenig unterboten werden; Werbe-Einnahmen, die der Tropf sind, an dem der Profi-Fußball hängt; korrupte FIFA-Offizielle, denen man nur kräftig "hin-blattern" muß, damit das richtige Abstimmungsverhalten gesichert ist
Daß das Profi-"Spiel" ein zerbrechliches und aufgeblähtes Gefüge ist, spüren wir nicht zuletzt in unserer Stadt leidvoll in diesen Tagen. Aber "Kommerz" und Profit gehören wohl auch deshalb zum Fußball, weil sie halt auch zu unserem "richtigen" Leben gehören: da machen wir doch alle mit - warum also sollte der Fußball da eine Ausnahme machen? Aber es ist halt auch da wieder wie im richten Leben: Wenn Kommerz zur Seele des Spiels wird, verliert man sie dabei. Der Fußball und das Leben funktionieren nur, wenn Menschen sich nicht ans Geld verkaufen. Der Geschäftsführer, der Bäcker-Geselle, der Pfarrer, der Profi-Kicker - sie verdienen ihren Lohn: je nach "Markt-Wert", Verantwortung und Fähigkeiten mehr oder weniger; so ist das und es wäre naiv, das nicht zu akzeptieren oder zu verteufeln.
Aber das Süße Stückle des Bäcker-Gesellen will nicht so recht munden, wenn nicht wenigstens ein bißchen Herz dran hängt; die Predigt des Pfarrers nicht so recht schmecken, wenn man seinen eigenen Glauben nicht spürt - und das Spiel des Kickers nicht gefallen, wenn er sich verkauft hat.
So ist das im Spiel, im Beruf, im Leben: du mußt der Sache, die du tust eine Seele geben und sie mit Herz tun. Jesus, ein begnadeter Mittelfeld-Regisseur, hat das in einer Weise gelebt, die mich fasziniert: Wenn er was tat, hatte er keine Hintergedanken, scherte er sich nicht um die Meinung der gegnerischen Fans und war mit ganzem Herzen beim Spiel dabei. Er hat mit den Kindern gespielt, ohne sie erziehen zu wollen; er hat anderen den Ball zugespielt, damit sie wieder ins Spiel finden; er war immer wirklich dabei bei dem, was er tat. Mir gefällt das. Da möchte ich gern mitspielen. Dinge umsonst tun - ohne Bezahlung und Gewinn; meine Arbeit nicht nur runterreißen, sonder Herz investieren; Einsatz bringen und auch den anderen (wenigstens ab und zu ) den Sieg gönnen.
Nebensache Fußball - Hauptsache Leben mit Seele und Herz! Gut Spiel!
 
PS Wenn Sie Lust auf "Kirche und Fußball" bekommen haben, laden wir Sie am 30. Juni herzlich ein: "Das Leben ist ein Auswärtsspiel" ist unser Gottesdienst der evangelischen Gemeinden von Bronnweiler, Gönningen und Ohmenhausen überschrieben; ab 10 Uhr am 30. Juni am Gönninger Gemeindehaus - und nach dem Gotteslob gibt's das WM-Finale auf Großleinwand