Andachten über die
acht
italienischen
Euro-Münzen
Seniorenfreizeit Ev. Kirchengemeinde Gönningen
Meran Oktober 2002


Image-Map
1 Ct.  2 Ct.  5 Ct.   10 Ct.  20 Ct.  50 Ct.  EUR 1.-  EUR 2.- 
 

1 Ct. - Castel del Monte

Hinführung zum Thema

Haben Sie sich schon an den Euro gewöhnt?
Für mancheder erste Auslandsaufenthalt, wo sie es genißen werden: keine Umtauscherei und Umrechnerei mehr …
obwohl: vielleicht rechnen Sie ja auch noch um - wie ich …
In unsren Morgenandachten soll es ums Geld gehen
normalerweise redet man nicht übers Geld - man hat es …
in Ihrem Heft habe ich Ihnen diesmal sogar ein bißchen Geld verschenkt - ok: nur den kleinsten Wert, die Ein-Cent-Münze aus Italien - die anderen müssen Sie sich selbst ergattern in den nächsten Tagen
Italien hat sich ja viel Mühe gemacht: nur noch Österreich, Griechenland und San Marino haben auf jeder Münz-Rückseite ein anderes Bild
es gibt ja 15 Euro-Sätze: aus den 12 Euro-Ländern der EU und dann noch - keine EU-Länder! - San Marino, Monaco und San Marino
den Euro gibt es jetzt seit 1999, zuerst als Buchgeld, jetzt seit Beginn diesen Jahres auch als Bargeld
gleiche Münz-Vorderseiten, ländertypische Rückseiten
die Noten sind alle gleich - Sie können das Herkunftsland allerdings an der Seriennummer erkennen: X steht für Deutschland, S für Italien
Wir beginnen heute mit den drei kleinen Münzen: 1,2 und 5 Cent
Stahl mit Kupferauflage, 16/19 und 21 mm im Durchmesser
1,7 mm dick
ca. 22 Milliarden Stück sind davon im Umlauf
auf diesen kleinen Münzen ist der europäische Kontinent als Teil des Welt-Ganzen dargestellt
der Euro hat in Italien ja die Lira abgelöst: 1 Euro etwa 2000 Lire; die Italiener haben es plötzlich wieder mit Münzgeld zu tun, das etwas wert ist!
7 Milliarden italienische Münzen sind im Umlauf und 2,4 Milliarden Banknoten
Italien gehört zu den Gründungsmitgliedern der EU (Römische Verträge 1958)

zum Münzmotiv

Castel del Monte
1240-50 von Kaiser Friedrich II. errichtet - womöglich hat er es nie besucht ...
achteckiger Bau, umgeben von acht wiederum achteckigen Türmen
für manche eines der vollkommensten Bauwerke der Welt
Vorbild für die Bibliothek im berühmten Roman Umberto Ecos "Der Name der Rose"
acht? erinnern Sie sich an die Andachtsreihe zu den Zahlen? Ich habe nochmals nachgeschaut:
8 heißt die Rückkehr zum Ursprung, der Kreis schließt sich - so wie bei Castel del Monte, das dem Weltkulturerbe angehört
man geht davon aus, daß es nie wirklich das Jagdschloß gedacht war, sondern "daß das Kastell der Repräsentation kaiserlicher Macht und Kultur sowie als Symbol für Wohlstand und Wissen dienen sollte".
so gesehen ist diese berühmteste Burg der Welt (die ja eigentlich gar keine Burg ist, dazu fehlen typische Baumerkmale) ein zeichenhafter Bau - wie eine Kirche oder ein Tempel
wir Menschen brauchen solche Gebäude, die mehr sind als Zweckbauten (Fabrikhallen, Wohnsilos …)
manche Gebäude weisen über sich hinaus

Bibelvers

Wie lieb sind mir deine Wohnungen, HERR Zebaoth!
Meine Seele verlangt und sehnt sich nach den Vorhöfen des HERRN;
mein Leib und Seele freuen sich in dem lebendigen Gott.
Psalm 84,2+3

Auslegung

manche Gebäude sind solche Wohnungen Gottes,
manche Häuser bringen uns Gott näher: dort, wo wir Gemeinschaft spüren (das könnte dann auch ein Sport-Hotel sein …) oder wo wir spüren, daß es mehr gibt als Stein und Beton und Holz, wo diese Dinge über sich hinausweisen auf etwas Unsichtbares
in dem, was Menschen oder die Natur "gebaut" haben, sehen wir manchmal Gott - das wird uns bestimmt auch in diesen Tagen das eine oder andere Mal vielleicht so gehen
und wir werden uns erinnern, daß die Welt, daß die Welt, in der ich lebe, Gottes Haus und Wohnung ist und ich sein Zimmergenosse, seine Mitbewohnerin
solche Wohngemeinschaft mit Gott hilft zum Leben - und sie ist unbezahlbar: weder mit Dollar noch mit Euro
Amen

Fürbitte/Vaterunser

Guter Gott,
wir sind unterwegs.
Wir freuen uns auf die gemeinsame Tage.
Wir freuen uns auf neue Eindrücke,
auf die Gemeinschaft mit anderen,
wir freuen uns, wieder einen Raum in deiner Wohnung, diese Welt, besser kennen zu lernen.
Wir wollen auch mit dem Herzen sehen
und dich spüren.
Wir bitten dich um deinen Schutz auf dieser Reise.
Wir bitten dich, daß du bei den Menschen bist, die daheim auf uns warten.
Sei bei uns und segne uns diese Tage.
Amen.
Gemeinsam beten wir: [Vater unser]

2 Ct. - Mole Antonelliana

Hinführung zum Thema

Baden-Württemberg ist ja sozusagen eine Euro-Hochburg: haben manche Länder (wie Luxemburg) gar keine eigene Prägeanstalt, haben wir gleich zwei: Stuttgart (F) und Karlsruhe (G) (neben Berlin, München, Hamburg)
die italienischen Münzen (wie die Vatikanischen) werden in Rom geprägt
Sie finden auf allen italienischen Münzen ein übereinander gelegtes I und R für Repubblica Italiana

zum Münzmotiv

Die Mole Antonelliana wurde 1860 als Synagoge konzipiert; als der Architekt Alessandro Antonelli die Planungsvorgaben ignorierte und die Konstruktion auf 167 m "hochzog", übereignete die jüdische Gemeinde das Bauwerk "vorsichtshalber" der Stadt Turin
immer wieder stürzten Teile des anfangs gar nicht geplanten Turm-Aufbus nach unten um 1900 war es das höchste klassisch gemauerte Bauwerk der Welt
später wurde Stahlbeton benutzt und 1964 ein gläserner Aufzug eingebaut
heute das Symbol der Stadt Turin
Nach Renovierungsarbeiten ist sie jetzt Sitz des Nationales Filmmuseums "Museo Nazionale del Cinema"

Bibelvers

Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat.
Psalm 121,1+2

Auslegung

ein Turm wie die Mole Antonelliana läßt den Blick nach oben gehen
das verbindet Türme mit den Bergen
heute werden wir am Turm der Nikolaus-Kirche hinaufschauen und innen in der Kirche werden unsere Augen hinauf geführt
und von Dorf Tirol aus werden wir die Augen aufheben zu den Bergen
in allen Kulturen ist "oben" ein anderes Wort für Gott
oben, da ist Gott, da wohnt er
manchmal war das ganz wörtlich gemeint, daß er dort wohnt: man denke nur an die Bergtour Moses hinauf zu Gott auf den Berg Sinai
aber auch da, wo man wußte, daß Gott jenseits aller Räume lebt, die man erklimmen könnte, blieben Berge und Türme ein Zeichen dafür, daß da oben einer ist und daß er somit auch über uns ist
das liegt durchaus quer zu manchem, was wir heute so denken und treiben:
wenn wir heute von mancher extremen Bergtour hören, dann will dadurch der Mensch letztlich nur sich selbst finden
wenn wir heute die gläsernen, stählernen Türme der Banken und Versicherungskonzerne sehen, dann vergöttern wir eher den Menschen, als daß unser Blick zu Gott gelenkt wird
und so schauen wir dann manchmal ehrfürchtig, manchmal verstört auch zum Gelde auf mit den schönen Türmen der Kathedralen der Macht
es ist eine besondere Herausforderung in unserer Zeit, jenes Gebet aus den Psalmen: "Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen. Woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt vom HERRN, der Himmel und Erde gemacht hat."
Das ist so gesehen nicht nur der Ausdruck dafür, daß halt manchmal nur noch Beten und nur noch der Glaube helfen können - wenn's geht, machen wir's selber …
das ist der Zeigefinger, den wir uns selbst vorhalten: Gott ist meine Hilfe, er ist da oben, über mir - und da oben ist keine Macht und wirkliche Hilfe zum Leben gibt es nur von ihm, dem da oben
Berge und Türme wie die Mole Antonelliana sind eine feine Sache, weil sie uns den Blick lenken: nach oben, dorthin, wo Gott mit seiner Hilfe auf uns wartet
Amen.

Fürbitte/Vaterunser

Vater im Himmel,
zu dir erheben wir unsere Blicke,
von dir erhoffen wir uns Hilfe,
von dir, dem treuen Gott!
Zu dir bekennen wir uns, wenn wir zu dir aufschauen:
wir sehen es als unsere Stärke, zu dir aufzuschauen,
weil du ein Anrecht auf unser Leben hast.
Dir wollen wir leben, dienen, vertrauen.
Wir bitten dich für alle, die verblendet sind von den Mächten unserer Welt:
der Macht des Geldes,
der Macht des Egoismus,
der Macht der Kriegsmaschinerie.
Wir bitten dich, daß du uns Menschen stets neu die Augen öffnest für dich,
daß wir die richtige Blickrichtung behalten:
Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen.
Woher kommt mir Hilfe?
Meine Hilfe kommt von dir, HERR, der Himmel und Erde gemacht hat.
Amen.
Gemeinsam beten wir: [Vater unser]

5 Ct. - Colosseum

Hinführung zum Thema

Geld ist Glaubenssache: wir haben ja immer die Vorstellung, daß unser Geld irgendwie "abgesichert" ist
"abgesichert" ist es allein durch unseren Glauben an seine Kraft
wenn der Glaube an eine Währung sinkt, sinkt auch ihr Kurs
das ist wie bei den Aktien

zum Münzmotiv

wenn wir heute das Motiv auf der 5-Cent-Münze anschauen, dann bekommen wir es auch auf besondere Weise mit dem Thema Glaube zu tun
wie bei den beiden anderen kleinen Münzen: ein Bauwerk
abgebildet ist das Colosseum in Rom
und uns allen mag gleich vor Augen stehen, welch böses Spiel hier mit den Christinnen und Christen der ersten Jahrhunderte getrieben wurde
das Colosseum: größtes Amphitheater der antiken Welt
entstanden um 80 n. Chr. unter den Kaisern Titus und Vespasian - das war übrigens der, der behauptet, daß Geld nicht stinke, und deshalb die öffentlichen Klos besteuerte … (peccunia non olet)
100 Tage dauerten die "Einweihungsfeiern" mit 5000 getöteten Tieren und einer echten See-Schlacht
54 m hoch, fast 200 lang, über 150 breit
bis zu 55.000 Menschen
bis ins 6. Jahrhundert Gladiatorenkämpfe
sie endeten u. a. während der Christianisierung des Reiches
im Mittelalter zum Teil durch Erdbeben zersört
die Steine wurden bspw. im Vatikan verbaut
es ist schon eine merkwürdige Sache mit dem Bild auf der italienischen 5-Cent-Münze - aber vielleicht denken ja die meisten nicht mehr an das, was in diesem Gebäude getrieben wurde

Bibelvers

im heutigen Bibelvers hat der Seher Johannes ein Bild vor Augen: wie da eine große Menschenmenge versammelt ist,
aber sie beten keinen Kaiser an und Kriegsherren:
"Und sie sangen ein neues Lied: Du bist würdig, zu nehmen das Buch und aufzutun seine Siegel;
denn du bist geschlachtet und hast mit deinem Blut Menschen für Gott erkauft aus allen Stämmen und Sprachen und Völkern und Nationen"
Offenbarung 5,9

Auslegung

diese himmlische Versammlung betet einen an, der unter die Räder der Gewalt gekommen ist
vielen ist es bis heute so wie dem gegangen, an den sie als Christinnen und Christen glauben der Christus wurde niedergemacht, getötet, geschlachtet - im wahrsten Sinne
wie später im Römische Colosseum viele seiner Nachfolger im wörtlichsten Sinne geschlachtet wurden, so war auch er umgekommen
Johannes hat mit ihm einen Herrscher ganz anderer Art vor dem inneren Auge
er ist das Gegenbild zu all den Kaisern, zu allen grandiosen Bauten, zu den Mächten dieser Welt, die ihre Macht dadurch gewinnen, daß sie andere klein machen und klein halten
ER kam unter die Räder, kam aus kleinen Verhältnisse und fing klein an - mit dem eigenen Scheitern
der Glaube an ihn hat das Colosseum schon lange überlebt
die Metzeleien des Colosseums finden ihre Fortsetzung jeden Tag neu bis heute
und doch konnte in all den Grausamkeiten unserer Welt dieses Vertrauen noch nicht zum Absterben gebracht werden:
das Vertrauen in Jesus Christus, der bei denen ist, die unterliegen, die zu Opfern werden, die auf den heidnischen Altären unserer Zeit geopfert werden
wir müssen uns für Gerechtigkeit einsetzen, unsere Politiker haben unseren Auftrag dazu und auch selbst müssen wir dran bleiben und die Augen offen halten und zu Opfern bereit sein, damit es weniger Opfer in der Welt gibt
aber wir dürfen gerade auch da wissen, wo wir unter Ungerechtigkeit nur leiden und nichts ändern können, daß kein Mensch unter den Rädern verloren und gott-los ist - im Gegenteil.
Amen.

Fürbitte/Vaterunser

Unser Herr Jesus Christus,
in deine Welt bist du gekommen, unter die Räder bis du gekommen.
Doch in der Niederlage und im Leiden hat dich Gott nicht verlassen,
warst du nicht gott-los -
im Gegenteil.
Wir wollen daran festhalten, daß du jedem Leidenden in dieser Welt nahe bist - und daß sein Leiden, daß die Ungerechtigkeit und der Unfriede ein Ende finden werden!
Wir wollen das Vertrauen in dich nicht aufgeben -
und wir wollen für unsere Politikerinnen und Politiker und alle Menschen mit besonderer Verantwortung in unserer Welt beten,
daß sie der Gerechtigkeit auf die Beine helfen
und kluge Entscheidungen fällen.
Amen.
Gemeinsam beten wir: [Vater unser]

10 Ct. - Boticellis "Geburt der Venus"

Hinführung zum Thema

eine zweite Gruppe von Münzen: 10, 20 und 50 Cent
"nordisches Gold": Kupfer-Aluminium-Zink-Zinn-Legierung
20 Milliarden Stück
20, 22, 24 mm im Durchmesser
2 mm dick
Europa zerlegt in die einzelnen Länder - jedes ist eigenständig

zum Münzmotiv

Geburt der Venus, ein Detail aus dem berühmten Gemälde von Botticelli (gest. 1510)
ob Sie das ganze Gemälde vor Augen haben?
die Münze zeigt nur den Kopf und den rothaarigen Schopf der Venus
sie taucht aus der Meeres-Muschel auf, hält sich mit ihren beiden Händen und ihrem langen roten Haar züchtig bedeckt
der Frühlingswind und die Blumen-Nymphe Chloris blasen die Muschel an den Strand
das Schöne, genauer: die Schöne wird geboren, indem das Göttliche in die Materie (das Meer) eintaucht
die Schönheit wird verherrlicht, so wie es die Antike in ihren Bildern und vor allem Plastiken getan hat
für einen christlichen Künstler wie Botticelli hat es aber auch noch eine symbolische Bedeutung: Venus als die Seele, die aus dem Wasser der Taufe neu und strahlend schön ersteht um 1485 ist das Renaissance-Bild entstanden, heute ist es in den Uffizien in Florenz zu bewundern

Bibelvers

Du lässest Gras wachsen für das Vieh und Saat zu Nutz den Menschen,
daß du Brot aus der Erde hervorbringst,
daß der Wein erfreue des Menschen Herz und sein Antlitz schön werde vom Öl
und das Brot des Menschen Herz stärke.
Psalm 104,14+15

Auslegung

das Christentum und die Schönheit ist ein heikles Kapitel
seit Augustinus, dem Kirchenvater um das Jahr 400, waren Schönheit, leibliche Freuden, Genuß im Christentum mehr und mehr verpönt
Freude und Spaß und Genuß waren dem Himmel und der Ewigkeit vorbehalten
hinieden war das Leben Mühsal und Anstrengung
doch solche Sätze wie aus dem 104. Psalm zeigen uns, daß es die Bibel auch immer wieder anders sieht und einlädt, sich an der Schönheit zu freuen und Schönheit als einen Namen Gottes zu sehen
wenn uns schöne Menschen begegnen, schöne Dinge, schöne Natur - dann hat das durchaus mit Gott zu tun
schön, das ist ja das Komplette, das Harmonische, das Gelungene - so wie Botticellis langhaarige Schönheit
Schönheit ist so gesehen auch ein bißchen ein Vorgeschmack aufs Paradies, wo wir heil werden, wo nicht mehr unsere Macken und die schiefe Nase ins Auge springen werden, sondern unser Antlitz und unsere Herzen schön sein werden
also freuen wir uns an dem, was uns gefällt, und danken wir Gott dafür
wir danken ihm dafür, weil wir wissen, daß man wirkliche Schönheit nicht kaufen kann - insofern ist das eine merkwürdige Sache, unsere 10-Cent-Münzen mit der 500 Jahre alten Venus darauf
Amen

Fürbitte/Vaterunser

Guter Gott,
wir danken dir für all das Schöne, das uns begegnet,
das wir uns leisten können,
das wir uns gönnen
und wir sehen, schmecken, hören, riechen.
Die leuchtenden Augen eines Kindes,
der Baum mit seiner mächtigen Krone,
der gute gebaute Mann, die hübsche Frau,
die Berge in ihrer Majestät,
der Löwenzahn mit seinen feinen Schirmchen und kraftvollen Wurzeln.
Guter Gott,
in der Schönheit begegnet uns ein Stück deines Wesens:
wir wollen uns daran freuen,
wir wollen uns an dir freuen.
Amen. - Gemeinsam beten wir: [Vater unser]

20 Ct. - Boccionis "Das Symbol"

Hinführung zum Thema

Münzen, Geld überhaupt ist nur symbolisch zu verstehen
der materielle Wert unserer modernen Münzen ist in der Regel gering, geringer zumindest als der Wert, den sie verkörpern
der Wert beruht auf Übereinkunft und auf Vertrauen
Geld ist ein Symbol - es hat sozusagen eine Transzendenz, etwas, das jenseits liegt: seinen Wert nämlich, dem wir alle ihm beimessen
auf unseren modernen Münzen sind zugleich Zeichen, Symbole abgebildet:
der Bundesadler: Herrschaftssymbol
das Brandenburger Tor: Symbol für unsere deutsche staatliche Einheit
das Eichenlaub: Symbol für Heldentum und Stärke
und die Hälfte der italienischen Symbole haben wir nun auch schon betrachtet mit dem Castel del Monte, der Mole Antonelliana, dem Colosseum und der Venus

zum Münzmotiv

heute geht es in die zweite Halbzeit mit einem Symbol, das "Symbol" heißt
vielleicht ist die 20-Cent-Münze diejenige mit dem merkwürdigsten Abbildung - zumindest ging es mir so
alle anderen konnte ich ja noch einigermaßen einordnen - aber Umberto Boccionis "Das Symbol" Boccioni ist der Hauptvertreter des italienischen Futurismus - einer Kunstrichtung, die sich um Erneuerung bemühte
die Skulptur, die auf unserer heutigen Münze eingeprägt ist, stammt aus dem Jahr 1913
es trägt eigentlich den Titel "Urformen der Bewegung"
es befindet sich heute im Museum für moderne Kunst in Mailand
wenn Sie das Bild betrachten, erinnert es an einen Menschen - ich denke zum Beispiel an die kraftvolle Figur des Schmiedes, der die Speere zu Sicheln umformt - von Rodin ist sie wohl und sie klebte in Zeiten der Atomwaffen-Diskussion auf jedem zweiten Auto-Heck
unsere Skulptur bildet aber nicht einfach einen menschlichen Körper ab, sondern veranschaulicht die Aktion des Vorwärtsschreitens
Verschiedene Bewegungsabläufe, die in unterschiedlichen Zeitabschnitten stattfinden, werden gleichzeitig vergegenwärtigt
Raum, Zeit und Geschwindigkeit wollte der Künstler gleichzeitig zum Ausdruck bringen und in einer einzigen Plastik zusammenfassen

Bibelvers

"Christus ist das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, der Erstgeborene vor aller Schöpfung." Kolosser 1,15

Auslegung

wir ahnen selbst auf unserer kleinen Münze, daß Boccioni da vor knapp 100 Jahren ein großes Kunstwerk gelungen sein mag
eine Skulptur, die Kraft, Bewegung, Veränderung in sich schließt
wenn Christus das Ebenbild des unsichtbaren Gottes ist, dann mag auch das Bild auf unserer Münze eines sein, das Ihn repräsentieren kann
wir glauben ja nicht nur an den gekreuzigten Gott, der in unserer Welt unter die Räder gekommen ist und mit denen leiden, die dort liegen
wir glauben auch an den Gott der Stärke, der Jesus zum Leben erweckt hat und die Welt noch heute gestaltet
wenn wir uns vor Augen halten, wie Jesus lebte, dann hat sich immer wieder in ihm die Kraft Gottes offenbart:
nicht die Kraft, die dreinschlägt und kaputt macht, die andere in die Knie zwingt und klein macht
nein - sondern in Jesus offenbart sich die Kraft Gottes, die aufrichtet, die gesund macht, die Selbstvertrauen und Gottvertrauen schenkt
in Jesus offenbart sich die Bewegung Gottes: immer wieder macht er sich wie die Figur auf unserer Münze auf den Weg in unsere Welt, durch unsere Welt
ich glaube fest daran, daß unsere Welt viel schlimmer uns schlechter aussähe, würde Gott nicht so viel in ihr wirken
Amen

Fürbitte/Vaterunser

Gott, meine Stärke,
ich danke dir, daß du am Wirken bist in unserer Welt,
daß du deine Schöpfermacht einsetzt und am Schaffen bist.
Ich danke dir für alle Bewahrung, die ich in meinem Leben erfahren durfte;
ich danke dir für alles, was mir durch deine Hilfe gelungen ist;
ich danke dir für die Kraft, die ich in mir spüre.
Gott, meine Stärke,
laß mich nicht auf das Böse allein starren wie das Kaninchen auf die Schlange,
Ich will mich dem Schweren stellen -
aber ich will mich nicht davon blenden lassen und einfach schwarz sehen.
Du bist das Licht, Gott,
und wir haben allen Grund zur Hoffnung und zum Vertrauen.
Amen. - Gemeinsam beten wir: [Vater unser]

50 Ct. - Marcus Aurelius

Hinführung zum Thema

sicherlich eine der bedeutendsten Erfindungen aller Zeiten - das Geld
vor 2 ½ Jahrtausenden in Lydien (ein Staat in Kleinasien) erfunden
sei dem 7. Jhd. nach Christus in China, ab 1661 in Schweden: Papiergeld
Sie selbst haben ja schon mit verschiedenen Währungen zu tun gehabt oder haben es über Ihre Eltern noch mitbekommen:
die Goldmünzen der Kaiserzeit - Münzgeld bei uns vor allem seit der Zeit der Kreuzzüge und dem aufblühenden Handel in Italien (ab 13. Jhd.)
Rentenmark 1923 - kein Goldgegenwert, sondern Beleihung des Bodens und der Industrie Inflationen in den 20ern und nach dem Krieg
die Währungsreform 1948 - die 40 Mark - die Ablösung der Zigarette als Zahlungsmittel;
die Währungsreform im Zuge der Wiedervereinigung
am 1.1.2002 die Währungsumstellung zum Euro
jetzt haben wir sie in den Händen und mit der Zeit haben wir vielleicht sogar ein bißchen Spaß an den verschiedenen Münzen und den Entdeckungen, die man mit ihnen machen kann …

zum Münzmotiv

Die 50-Cent-Münze bildet das Reiterstandbild des römischen Kaisers Marc Aurel ab
es steht auf dem Kapitol in Rom
der Imperator Caesar Marcus Aurelius Antonius Augustus - so der volle Name - wurde 121 n. Chr. in Spanien geboren und starb 180 in einem Feldlager bei Wien
Zusammen mit seinem Adoptivbruder Lucius Verius trat er 161 n. Chr. die Regierung an
Bis zu seinem Tod verbrachte er die längste Zeit im Heerlager, um die Barbarenstürme abzuwehren, die das Römische Reich erschütterten (im Osten und im Donaugebiet)
schlimmer war aber vielleicht noch die größte Pest-Epedemie des Altertums, die in seine Regierungszeit fiel
von 1537 bis 1990 stand das Denkmal Marc Aurels auf dem Kapitolsplatz, heute im Kapitolinischen Museum
im Jahr 177 gegossen - seit dem Jahr 1000 etwa vor der römischen Lateranbasilika
Die Römer hielten sie irrtümlicherweise für eine Statue Kaiser Konstantins. So wurde sie trotz ihrer heidnischen Herkunft im Mittelalter nicht eingeschmolzen.
zu Füßen der Abbildung auf der 50-Cent-Münzen ist die Platzgestaltung des Kapitolsplatzes angedeutet - Michelangelo war hier am Werk, der große Rennaissance-Künstler - er lieferte den Entwurf für den erst im vergangenen Jahrhundert ausgeführten Stern
Marc Aurel war bekannt für seine Tugenden wie Wahrhaftigkeit, Selbstbeherrschung, Pflichterfüllung und Menschenliebe - dieser Herrscher schien Platons Ideal des Philosophenkönigs zu verkörpern:
Die Statue zeigt daher den Kaiser nicht als Offizier, sondern in der Haltung eines Philosophen.
der große Kirchenvater Augustinus hat den heidnischen Kaiser den Christen als Vorbild empfohlen

Bibelvers

Der Herr gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden. Männer werden müde und matt, und Jünglinge straucheln und fallen; aber die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, daß sie auffahren mit Flügeln wie Adler, daß sie laufen und nicht matt werden, daß sie wandeln und nicht müde werden. Jesaja 40,20-31

Auslegung

Marc Aurel ist eine Idealfigur dafür, daß die wahre Kraft nicht aus Aufrüstung, nicht vom Schwert, der Macht des Geldes oder der Skrupellosigkeit rührt
seine Kraft bekommt er aus seinem Selbstvertrauen besonderer Art: das Vertrauen darauf, daß Gott in ihm lebt und wirkt und man ihn hören kann
christlich gesprochen: "die auf den HERRN harren", die auf Jesus Christus vertrauen
oft hat ja in unserem Glauben das andere die Oberhand: was im Menschen ist, ist Sünde und Schlechtigkeit - man fühlt sich klein
der Glaube macht groß, so wie er eben nur tötet - den sprichwörtlichen alten Menschen, um lebendig zu machen, um aufzurichten und aufrecht zu machen
der Glaube macht zu einem kaiserlichen Menschen im Sinne eines Marc Aurel:
mit seiner rechten Hand sieht er aus wie einer, der segnet, der andere nicht niederdrückt, sondern erhebt
genau dazu bedarf es innerer Kraft, einer inneren Selbstgewißheit, die unser Glaube uns vermitteln will
"Der Herr gibt dem Müden Kraft und Stärke genug" - "daß sie wandeln und nicht müde werden"
wir kennen das natürlich, daß wir nicht nur körperlich müde und matt werden - nicht zuletzt von unseren Ausflügen und Wanderungen her -
wir kennen das natürlich auch innerlich: daß wir uns mehr Kraft wünschen würden: mehr gedankliche Kraft, uns selbst und die Welt besser zu verstehen, mehr moralische Kraft, im besten Sinne anständig zu leben, mehr seelische Kraft, am Ergehen anderer Teil zu nehmen "die auf den Herrn harren" - dranbleiben, das Vertrauen nicht fahren lassen, sondern aushalten, harren
mancher von Ihnen hat das in seinem Lebenslauf durchaus auch schmerzlich lernen müssen: aushalten, ausharren, durchstehen
wenn wir wie Marc Auel spüren (und wo nicht spüren, so doch wissen und glauben), daß göttlicher Geist in uns ist, da bekommen wir innere Kraft - für uns und für andere "daß sie wandeln und nicht müde werden"
Amen

Fürbitte/Vaterunser

Guter Gott,
du lebst in uns -
doch oft genug spüre ich herzlich wenig davon,
oft genug sehe ich meine Fehler und, was ich nicht schaffe.
Du willst mich nicht klein haben und niederdrücken.
Du willst, daß ich aufrecht lebe,
mit meinen Händen andere nicht niederdrücke, sondern emporhebe,
mit der Kraft meiner Seele, meiner guten Gedanken, meiner Gebete anderen Kraft gebe.
Du richtest nicht zugrunde, du richtest auf:
Ich danke dir für alle Hilfe, die ich in meinem Leben schon erfahren durfte;
ich danke dir für die Momente, an denen ich dich spüren durfte und mein Glaube wuchs
und ich das Vertrauen lernte in dich.
Amen.
Gemeinsam beten wir: [Vater unser]

€ 1.- - da Vincis "Vitruvianischer Mann"

Hinführung zum Thema

eine letzte Gruppe: die beiden Münzen zu 1 und 2 Euro
die Länder als vereintes Europa ohne Grenzen
23 bzw. 26 mm im Durchmesser
gut 2 mm dick
zweifarbig: Nickel, Kupfer, Messing in verschiedenen Kombinationen und Schichtungen
auch hier finden sich die 12 Europa-Sterne, die übrigens Symbol für das Umfassende sind und nichts mit der Mitgliederzahl zu tun haben
sie sind auf allen Münzen in zwei Sechser-Gruppen eingeteilt und mit parallelen Linien verbunden
gestaltet wurden die Rückseiten übrigens von einem Belgier (Luc Luycx)
Entwurf durch Professorin Laura Cretara von der Medaillenkunstschule - alle anderen Münze von der staatlichen Münze und Studenten der Kunstschule
7,5 Milliarden Münzen von diesen beiden Werten

zum Münzmotiv

viele von uns haben sie in der Brieftasche, die berühmte Zeichnung "Proportionsstudie nach Vitruv"
Ein muskulöser Lockenkopf steht mit ausgestreckten Armen sowohl in einem Quadrat als auch in einem Kreis.
Als Zeichen für Gesundheit und Harmonie findet sich das Bild auf jeder Krankenversichertenkarte wieder.
Die italienische 1-Euro-Münze trägt die Zeichnung von Leonardo da Vinci aus einem anderen Grund.
Diese Darstellung gilt als das Symbol für die italienische Renaissance und damit für das Streben nach Harmonie zwischen Mensch und Universum.
Leonardo da Vincis berühmte anatomisch-geometrische Zeichnung gilt auch nach über 500 Jahren noch als Markstein der Kunstgeschichte.
Seit Generationen lernen Kunststudenten an seinem Beispiel die Proportionen des "Goldenen Schnitt".
der "Vitruvianische Mann": die Bezeichnung für dieses Münzmotiv rührt vom römischen Architekten Vitruv: der ideale menschliche Körper passe genau in einen Kreis und ein Quadrat heute in den Gallerie dell'Accademia in Venedig
Da Vinci, geboren 1452, bildete sich zunächst auf dem Gebiet der Malerei aus, beschäftigte sich aber rasch mit fast allen Kunst- und Wissenschaftsgebieten.
Er war nicht nur Maler, sondern auch Architekt, Konstrukteur, Kunsttheoretiker und Naturforscher.
In dieser Eigenschaft sezierte er Leichen und erstellte erste Studien im Bereich der Anatomie.
Das Universalgenie starb 1519

Bibelvers

Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat, Jakob, und dich gemacht hat, Israel: Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!
Jesaja 43,1

Auslegung

Wodurch bin ich?
Wodurch bin ich, was ich bin?
da Vincis gelockter und wohlproportionierter Jüngling, Botticellis Venus in rotem Haar ihren Super-Körper nur notdürftig bedeckend - diese Bilder schauen wir uns an in einer Zeit, die Jugendlichkeit, Schönheit, Fitness und Gesundheit vergötzen
nichts dagegen: ich bin gern wieder gesund und weiß es zu schätzen,
ich wäre gern etwas fitter - aber wenn man so faul ist wie ich, kann man nicht mehr erwarten, die Schönheit: es ist ein männlicher Reflex, daß man sich nach einer schönen Frau umdreht Jugend: manchmal beneide ich meine Teenager, aber nur manchmal … - und manchmal finde ich es etwas merkwürdig, wenn manche um 40 immer noch nicht erwachsen scheinen
es ist ein nettes Spiel, mal auf jugendlich zu machen, sich mal raus zu putzen, zu joggen und zu walken - aber es ist eben nicht mehr als ein Spiel
und dieses Spiel macht nur Sinn, wenn es getragen wird - eben durch einen Sinn, den mein Leben hat
denn Jugendlichkeit, Fitness, Schönheit - das sind doch nur Mittel, keine Selbstzwecke
das soll das Leben ermöglichen, bereichern, schön oder angenehm machen
aber das Leben selbst ist doch nochmals was anderes
ich selbst muß doch jemand sein jenseits davon
denn was wäre sonst, wenn ich krank werde, meine Kraft versiegt, ich nicht oder nicht mehr schön bin?
"Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!"
einen Namen zu haben - das ist das Entscheidende im Leben
einen Namen zu haben - damit drückt die Bibel aus, daß ich Ich bin, daß ich jemand bin - weil ich jemand vor Gott bin, weil er mich angesprochen hat
darum bin ich: "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen."
Gott ruft - wir hören - ich bin
diesen Ruf werde ich sogar noch zu hören bekommen, wenn ich selbst schon nicht mehr bin, wenn ich tot bin
dieser Ruf erhält mich am Leben und weckt zu neuem Leben
ich bin - nicht, weil ich gesund, schön, fit, jung wäre
ich bin, weil mein Name - und damit ich selbst - bei Gott bin
ob ich dann in das schöne Schema des Vitruv passe, ist nicht mehr so entscheidend
im glücklichen Falle kann ich dann sogar besser damit leben, daß ich den Anforderungen nicht genüge: nicht jung genug (schon über 40), nicht schön genug, nicht fit genug, nicht groß genug, nicht kräftig genug, nicht gebildet genug, nicht schlagfertig genug, nicht … - sei's drum …
immerhin bin ich ein Unikat Gottes!
"Und nun spricht der HERR, der dich geschaffen hat: Ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!"
1 Amen.

Fürbitte/Vaterunser

Schöpfer Gott,
du hast mich gemacht.
Ich bin kein Überflieger und keine Sensation.
Ich bin, wie ich bin.
Starke Seiten und einen Haufen voll Schwächen.
Manches geleistet und nicht wenig versäumt.
Das bin ich …
Nein,
zuerst und zuletzt bin ich, weil du mich angesprochen hast,
weil du mich geschaffen hast
und aus dem Tode noch rufen wirst.
Ich möchte dein Wort, das du zu mir sprichst, immer wieder hören -
ich will es immer wieder heraushören aus dem Stimmengewirrr unserer Zeit.
Schöpfer Gott,
ich bitte dich für alle,
die meinen, sie müssten immer erst noch was aus sich machen,
ich bitte dich für alle,
die am Leben scheitern, weil sie meinen, den Ansprüchen nicht zu genügen:
Herr, erbarme dich!
Amen.
Gemeinsam beten wir: [Vater unser]

€ 2.- - Dante Alighieri

Hinführung zum Thema

Geld - eine zwiespältige Sache:
Geld allein mache nicht glücklich,
man spreche nicht drüber, sondern habe es -
und es höre der Spaß dabei auf -
so sagen es uns die Sprichwörter.
Mt 6,24: Ihr könnt nicht Gott dienen und dem Mammon.
vielleicht ist sie so gesehen gut diese Währungsumstellung zum €uro:
damit wir merken, daß das alles nur vergängliches Gut ist, was wir haben,
daß am Geld das Herz nicht allzusehr hängen darf sei es D-Mark oder Euro
daß man auch dem Pfennig nicht zuviel Ehre geben sollte
reicher Geizhals beim Rabbi - klagt ihm, wie schwer er es hat - führt ihn ans Fenster und weist ihm den Blick durch die Glasschebe: Was siehst du - Menschen, Bäume, Wiese … - er führte in vor den Spiegel - was siehst du? mich. - siehst du: das gleiche Glas: kommt ein bißchen Silber dazu, dann sieht der Mensch nur noch sich selbst.

zum Münzmotiv

Auf der 2-Euro Münze wird das Bild des Dichters Dante Alighieri gezeigt.
Sein berühmtestes Werk, die Göttliche Komödie, steht am Beginn der italienischen Dichtung.
Dante Alighieri stammte aus Florenz, geboren 1265.
Politische Gegensätze zwangen ihn 1302 in die Verbannung, schließlich geächtet und zum Tode verurteilt
Er verließ Florenz und lebte an verschiedenen Orten in Oberitalien - zuletzt Verona und Ravenna, seinem Sterbeort
er schreibt teils in Lateinisch, teils in Italienisch
Liebeslyrik (Jugenlibe zu Beatrice)
Er schrieb ab etwa 1307 bis zu seinem Todesjahr 1321 das große Epos "La commedia", die von Zeitgenossen "Göttliche Komödie" genannt wurde: 100 Gesänge in 40.000 Versen
in toskanischer Mundart geschrieben und entschidend für die Entwiklung er italienischen Schriftsprache
Die Göttliche Komödie schildert Dantes Reise durch die drei Reiche des Jenseits: die Hölle (inferno), den Läuterungsberg (purgatorio) und das Paradies (paradiso).
Unterwegs begegnet Dante zahlreichen historischen, biblischen und legendären Gestalten.
Im Inferno sind sie verdammt und werden von rastlos wütenden Teufeln gequält.
Auf dem Läuterungsberg bereiten sie sich durch Buße auf die Erlösung vor.
Im Paradies schauen und loben sie Gott, das ewige Licht.
die 2-Euro-Münze zeigt ein von Raffael gemaltes Porträt des Dante Alighieri, das im Vatikanpalasts zu sehen ist.

Bibelvers

Mein Herz bleibe rechtschaffen in deinen Geboten, damit ich nicht zuschanden werde. Meine Seele verlangt nach deinem Heil; ich hoffe auf dein Wort.
Psalm 119,80+81

Auslegung

in seiner "commedia" stellt der italienische Nationaldichter seinen Lesern die Ewigkeit vor Augen - Himmel, Hölle, Fegefeuer
aber wenn der davon redet, dann erzählt er zugleich von der Welt, in der seinen Leser jetzt leben
er führt sie in ganz Europa herum
die Ewigkeit und das Diesseits verschmelzen
lange Zeit hat die Kirche mit der Hölle und dem Fegefeuer versucht, Werbung zu machen für ein rechtschaffenes Leben
besser sind die Menschen dadurch nicht geworden - höchstens ängstlicher
"Mein Herz bleibe rechtschaffen in deinen Geboten, damit ich nicht zuschanden werde." - dahinter steckt eine andere Blickrichtung
nicht die Angst vor Strafe ist es, die zum Guten anleitet
da hat es einer kapiert, daß es gar nicht um Lohn und Strafe geht, sondern darum, nicht zuschanden zu werden und das Heil zu sehen, heil zu werden
und heil wird man, wenn man wie Gott lebt; nach seinen Geboten leben, das heißt: zu leben wie Gott, der uns schließlich zu seinem Abbild geschaffen hat
Gott - er ist offen für andere, er findet seine Erfüllung darin, mit anderen zu leben, für andere da zu sein
Gott - er ruht in sich selbst und muß nicht immer erst noch was aus sich machen
Gott - er liebt

Abschluß

wenn wir diese acht Münzen vor Augen haben - acht Euro-Münzen im Wert von € 3,86 - dann meinen wir etwas Handfestes vor uns zu haben
Ihre Generation weiß, wie wenig handfest alles ist, was ist
nichts ist sicher und nichts gibt wirkliche Sicherheit - Geld schon gar nicht, auch wenn es manchmal ein bißchen beruhigt
wir haben uns mit den acht italienischen Rückseiten der Euro-Münzen beschäftigt
sie alle haben uns daran erinnert, daß nicht das Geld zählt, sondern daß es anderes im Leben geben muß, das einen wirklich trägt
mit unseren Bibelversen haben wir diesen Gedanken, haben wir den Gedanken an Gott jeweils weitergesponnen
"Meine Seele verlangt nach deinem Heil" - so heißt es in unserem letzten Bibelwort in dieser Reihe
nur das ist handfest, was nicht mit Händen zu greifen ist - was man eben nur glauben, worauf man eben nur vertrauen kann: die Liebe und Gnade, mit der Gott uns liebt und gnädig ist -
und eben die Liebe, mit der wir andere lieben - und die Gnade, mit der wir anderen gnädig sind und uns selbst
der Euro ist eine durchaus starke Währung - handfest aber ist nur, was sich nicht greifen läßt
Amen.

Fürbitte/Vaterunser

Guter Gott,
wir waren unterwegs miteinander.
Wir hatten gemeinsame Tage.
und haben viele neue Eindrücke im Gepäck;
wir danken dir für die Gemeinschaft mit anderen,
wir danken dir für das, was wir erleben durften.
Wir danken dir für deinen Schutz auf dieser Reise.
Sei bei uns auf der Heimfahrt und beschütze uns.
Amen.
Gemeinsam beten wir: [Vater unser]