Besuchsdienst für neuzugezogene Gemeindeglieder -

Begründung - Aufbau - Begleitung

1 Begründungszusammenhänge

Die Frage, wie neuzugezogene Gemeindeglieder durch ihre Kirchengemeinde begrüßt und aufgenommen werden können, stellt sich heute mehr und mehr - vor allem auch in ländlichen Gemeinden. An manchen Orten mögen die Neubürger einen Begrüßungsbrief erhalten. Ist ihre Zahl entsprechend groß, ist die Gemeinde gefragt, einen Besuchsdienst einzurichten. Dieser neue Arbeitszweig in der Gemeinde steht somit in gesellschaftlichen Zusammenhängen, er ist eine Antwort auf die zunehmende Mobilität. Ein Besuchsdienst in christlicher Verantwortung, wird aber nicht nur diese gesellschaftlichen Veränderungen wahrnehmen, sondern auch nach theologischen Begründungszusammenhängen fragen.

1 Begründungszusammenhänge

1.1 Theologische Zusammenhänge

Besuchsdienst hat Teil am Bereich der Verantwortung dafür, wie heute und hier angemessen der Sendung Jesu Christi zu entsprechen ist. Deshalb hat es sein gutes Recht, wenn viele Gemeinden diesen Arbeitszweig in ihrer Gemeinde nicht vorweisen. Besuchsdienst als ein menschliches Handeln in organisierter, also nicht dem Zufall überlassener Form, wird sich also einer dreifachen Frage zu stellen haben:

a) Entspricht dieser Dienst dem, was unserer Gemeinde aufgegeben ist?

b) Ist es angemessen, diesen Dienst in organisierter Form zu tun?

c) In welcher konkreten Ausformung hat dieser Dienst zu erfolgen?

Schon die Klärung der Frage, wie Jesus Christus als dem Herrn der Kirche in unserer Gemeinde recht nachzufolgen sei, hat sich unter den Bedingungen der Nachfolge zu vollziehen: In Apg 6 vollzieht sich die Errichtung eines neuen Arbeitszweigs in der Gemeinde als doppelte Antwort: Als Antwort auf eine Situation (v.1) und als hörendes Antworten auf Gottes wegweisendes Reden (pass.). Das auftauchende Problem war auch dort kein genuin theologisches. Im Raum der Nachfolge wird es allererst theologisiert, indem die Frage nach der rechten Nachfolge in dieser Situation gestellt wird. Die Fragen, auf die ein Besuchsdienst als antwortendes Tun auftreten will, sind keine theologischen: Kontaktarmut, Orientierungsprobleme, Krankheit ... Theologisierung bedeutet dann, diese Fragen als Anfragen an Gottes heilsames Tun zu begreifen.Menschliches Tun, das Jesus Christus nachfolgen will, bekommt Teil an der Sendung Jesu Christi. Die Sendung des Sohnes versteht Johannes als ansprechendes Wort Gottes in Person. Das Wort Gottes kam nicht als Information, sondern als Sprecher (Joh 1,14). Nachfolge impliziert personale Hinwendung zum Nächsten. Über das Evangelium wird nicht informiert, sondern es kommt an (oder verweigert sich). Wenn das Evangelium ankommt, kommt es durch menschliche Personen. Jesus Christus kommt als der Lebendige in Gestalt menschlicher Personen. Wie das Evangelium, das er in Person ist (vgl. Lk 4,16ff, bes. v18f und 21b), sich nicht verengen läßt auf ein futurisches Heil, so bedeutet Teilhabe an der Sendung Jesu im Besuchsdienst, daß nicht erst im Glaubensgespräch "das Eigentliche" erreicht ist (1). Die Heilungen Jesu halten den Blick dafür offen, daß das Evangelium als rettende und segnende Zuwendung Gottes zu den Menschen verstanden sein will. Im Besuchsdienst geschieht Zuwendung eines Menschen, der dies in der Nachfolge Jesu Christi tun möchte. Diese Zuwendung geschieht als personale Zuwendung. Es kommt eine Person mit ihren Grenzen und Möglichkeiten, mit dem, was sie tut, mit dem, was sie ist. Weil dieser Mensch seine Zuwendung in der Nachfolge Jesu Christi tun möchte, weil er seinem annehmenden Tun entsprechen will, darf er darauf vertrauen, daß sich auch in ihm die Sendung Jesu Christi durch Gott konkretisiert - zu heilsamer Begegnung.

1.2 Ekklesiologische Zusammenhänge

"Wo Besuchsdienstarbeit nur sektoriell, ohne Zusammenhang mit der übrigen Praxis der Gemeinde tätig zu werden versucht, provoziert sie immer wieder Mißverständnisse. Sie vertritt etwa ein Verständnis von Kirche, das vom Besuchten in der konkreten Gemeinde nicht verifiziert werden kann, und wird dadurch ihm gegenüber unglaubwürdig." (2)Wo Menschen Besuchsdienst tun in der Nachfolge Jesu Christi, tritt zumindest implizit die Frage nach dem ekklesiologischen und gemeindlichen Kontext dieser Arbeit auf.Kirche geht in ihren Gliedern zueinander und über sich hinaus. Dieses Gehen geschieht, damit Menschen zu einer Begegnung mit dem Evangelium kommen. Kirche lädt also nicht zu sich, sondern zu ihrem Herrn ein. Damit es zu dieser Begegnung kommt, gehen Menschen "zur Kirche", gehen Menschen aber auch in der Nachfolge Jesu Christi hinaus zu anderen Menschen. Nimmt man es ernst, daß "Gott diesen Jesus ... zum Herrn und Christus gemacht hat" (Apg 2,36), dann geht Kirche immer nur in diesem Sinne über sich hinaus, daß sie nicht sich selbst in den Mittelpunkt stellt, sich um sich selbst sorgt, sondern indem sie für die Menschen da ist, bei denen Christus längst ist. Das Gehen der Kirche, ob als missionarische Verkündigung oder als diakonisches oder seelsorgerliches Handeln, ist also nie "Vorfeldarbeit", sondern immer nur "Nacharbeit" des geschichtlich geschehenen und allen Menschen in seinem Tod und seiner Auferstehung zugeeigneten Handelns Christi, um dieses bei Menschen zur Gewißheit zu bringen. Kirche sorgt sich um diese Gewißheit im Besuchsdienst in der Gestalt missionarischen, diakonischen und seelsorgerlichen Handelns (3). Diese drei Dimensionen durchdringen sich und ergeben in ihrem konkreten Zusammenspiel die Gestalt des Besuches. "Martyria - diakonia - koinonia" (4), diese ihre "Grundfunktionen" (5) spielt die Kirche in ihrem Besuchsdienst in besonderer Weise aus.Wem aber gilt dieser Dienst? Der sog. Missionarische Gemeindeaufbau (6) geht von einem Gegenüber von Gemeinde und "Nur-Kirchenmitgliedern" aus. Das "Fernstehenden-Problem" wird auf einfache und einsichtige Weise gelöst - zumindest für "drinnen". Besuchte werden zu Missionsobjekten, d.h. nicht sie, sondern die Besucher sind Subjekte im Besuchsgeschehen. Der Besucher, nicht der Besuchte, gibt den Ton an in dessen "vier Wänden". Demgegenüber betonen volkskirchlich orientierte Ansätze: "Gemeinde meint eben mehr, als einen Zusammenschluß von Gleichgesinnten, und sie umfaßt weit mehr Menschen, als sich dies für uns nach außen hin zeigt." (7) Solche Ansätze rechnen mit einer differenzierten Ausformung der Teilhabe am kirchlichen Leben und differenzieren zwischen dieser und der Teilhabe am Glauben. "Was etlichen Besuchsdienstkonzeptionen tatsächlich zugrunde liegt, ist große Ratlosigkeit gegenüber der Fernstehendenproblematik" (8). Die Bearbeitung dieser Problematik ist vor allem dem Nachdenken über den Neuzugezogenen-Besuchsdienst aufgegeben, da in diesem Bereich besonders viel Kontakt zu kirchlichen "Randsiedlern" besteht. Wer ist der, der da besucht wird? Im Normalfall wird er ein getauftes Kirchenmitglied sein wie der Besucher selbst. An dem Ort, wo er sich selbst verortet hat im Bezug auf, bzw. in der Kirche, ist er ernstzunehmen. Die Gegenwart Christi bei diesem Menschen, das Handeln Christi diesem Menschen zugute ist vorauszusetzen. Aus dieser Annahme und Voraussetzung heraus kann Begegnung glücken: Begegnung zwischen Menschen und Begegnung mit dem Herrn der Kirche, in dessen Dienst der Besucher gegangen ist. Es ist kein Gefälle mehr präfiguriert, indem der Besucher als der Wissende, der Habende zum Bedürftigen kommt: Es begegnen sich Getaufte unter der Gegenwart dessen, dessen Name über ihnen ausgesprochen wurde. Der Besucher wird den Mut aufzubringen haben, dem anderen zu dienen mit der Gabe, die ihm zu eigen ist (vgl. 1.Petr 4,10) - im Bewußtsein, daß es vielleicht zu keinem augenfälligen "Gegendienst" kommt. Woher aber sollte die Kraft kommen zu dienen, wenn der Besuchte nicht die Erfahrung des Bedient-Werdens durch Menschen in der Nachfolge Christi macht?

1.3 Besuchsdienst als Teil des Gemeindeaufbaus

Nachdem von der Verhältnisbestimmung von kirchlich Engagierten und den sog. Fernstehenden die Rede war, ist nun auf die Frage einzugehen, wie der Raum gemeindlichen Lebens zu bestimmen sei, damit Besuchsdienst, besonders bei Neuzugezogenen, gelingen kann:Wovon spricht man, wenn vom Besuchsdienst als Teil eines Gemeindeaufbaus die Rede ist? Eine Lösungsmöglichkeit, wie die Verhältnisbestimmung von Besuchsdienst und Gemeinde aussehen kann, bieten die Konzepte "missionarischen Besuchsdienstes" (9). Da ist die "Eingliederung in die Gemeinde ... entscheidender Teil des Bekehrungsprozesses." (10) Solchermaßen verstandener Besuchsdienst hat es in den Besuchten mit Missionsobjekten zu tun, die es zu bekehren und in die vorhandene Gemeinde einzugliedern gilt. Was sich zu verändern hat, ist also der Besuchte. Wenn er sich bekehrt, wird er sehen, daß er diese Gemeinde braucht, sich ihr anschließen und in ihr leben. Neben einer abzulehnenden Sicht von "dem" Besuchten, zu dem Besucher mit einem vorgefaßten Wissen über ihn kommen und ihn selbst deshalb gar nicht mehr unvoreingenommen wahr- und annehmen können, besteht die Schwierigkeit darin, daß die gesamte Last "mißglückenden Verhältnisses" gegenüber Kirche, Gemeinde und Glaube dem Besuchten aufgebürdet wird. Demgegenüber ist ein Gemeindeaufbaukonzept zu entwickeln, das die Besuchten auch darin annimmt, indem es zuläßt, ja fordert, daß Impulse von den Besuchten durch den Besuchsdienst die Gemeinde selbst verändern. Ich halte dies für die grundlegende Entscheidung, die langfristig über den Erfolg und die Motivation des Besuchsdienstes bei Neuzugezogenen entscheiden wird: Inwieweit ist Gemeinde, das heißt genauer: sind die Gemeindeglieder, die zur Zeit mitarbeiten und Leitungsaufgaben innehaben, bereit, dem Gemeindeleben Distanzierte nicht nur aufzunehmen, sondern so anzunehmen, daß ihre Interessen und Fragen zum Zuge kommen. Hier sehe ich den kybernetischen Ort des Neuzugezogenen-Besuchsdienstes: Außenfühler, das heißt über die bestehende Kerngemeinde hinausgehender Sensor, zu sein, damit in der Gemeinde eine größere Zahl ihrer Glieder eine Stimme erhalten (11). In ihren Besuchsdienstmitarbeitern denkt sich Gemeinde in einen Teil ihrer Glieder hinein, ist gespannt, was bei ihnen an Glaube, Werten, Einstellungen zu entdecken und was von ihnen zu lernen ist. Dabei wird ihnen Zeit und Freiheit geschenkt: Zeit und Freiheit, ihrerseits zu eruieren, ob und wie sie sich in dieser konkreten Gemeinden (gegebenenfalls neu) zu verorten gedenken (12). Besuchsdienst an Neuzugezogenen und ähnlichen Gruppen kann verantwortet nicht unter Absehung vom Gesamt der Kirchengemeinde ausgeübt werden.

1.4 Exkurs

Sieht sich Gemeinde, wie angedeutet, solchen "öffnenden" Bewegungen verpflichtet, wie sie durch den Besuchsdienst und das entsprechende kybernetische Konzept gefordert werden, stellt sich auch die Frage nach den "verdichtenden" Formen, nach dem Zentrum oder den Zentren von Gemeindeleben (12a). Zentrum des Gemeindelebens ist der Gottesdienst, insofern in ihm exemplarisch und verdichtet geschieht, was auch anderen Zentren Profil verleiht: Hören auf die Verkündigung des Evangeliums und Vernehmen der biblischen Botschaft in Bezug auf unser und mein Leben, des Menschen Reden mit Gott, Gemeinschaft "am Heiligen", dem Wort und den Sakramenten. Die Gestaltung des Gottesdienstes hat somit dem zu entsprechen, was das Gemeindeleben prägen soll: daß Menschen nicht ausgeschlossen werden, sondern in das Beziehungs- und Komunikationsgeflecht Kirchengemeinde einbezogen werden. Deshalb ist die Forderung der Erneuerten Agende nach einer "nicht ausgrenzenden Sprache" und der Betonung, Gottesdienst stehe in der "Verantwortung der ganzen Gemeinde" (12b), auch vor diesem Hintergrund wichtig: Gottesdienstliche Sprache darf Menschen verschiedener Beteiligungsformen nicht diskreditieren, deren Glaube pauschal als defizitär beschreiben, sondern muß deren Anliegen zur Sprache bringen. Gottesdienst muß auch direkt mehr Personen ein Rederecht einräumen als dem Pfarrer allein. Das Vernehmen der biblischen Botschaft in Bezug auf unser und mein Leben hat dialogische Struktur und ist nie von einem allein zu leisten. Der Gottesdienst kann so zum Modell werden für das Gemeindeleben überhaupt, explizit für die "verdichtenden", implizit aber auch für die "öffnenden" Formen. Ein Gottesdienstverständis, das diesen als Modell versteht, kann so zum Integral des Gemeindelebens werden, ohne daß er Ausgrenzungen vornimmt: Im Gottesdienst geschieht explizit, was auch sonst in der Gemeinde und bei Begegnungen in ihrem Raum geschieht: daß Menschen Evangelium zugesprochen wird und sie Erfahrungen mit dem Lebensbezug biblischer Botschaft machen, daß sie bei Gott ein offenes Ohr finden, daß Gemeinschaft glückt.Ein Gemeindeaufbaugeschehen, das seinem Besuchsdienst gerecht wird, wird also nicht auf "Eingliederung in die Gemeinde" in dem Sinne zielen, daß "die Neuen" sich in das "Alte" einzugliedern haben, sondern wird ein Kommunikationsgeschehen sein, das "die Neuen" wahrnimmt, ihnen eine Stimme verleiht und sie so präsent macht. Ihnen selbst wird Zeit und Freiheit eingeräumt, sich in der Gemeinde zu verorten und ihre Gemeinde mitzugestalten.

2 Aufbau

Zur Einrichtung eines Besuchsdienstes möchte ich folgenden Verfahrensvorschlag vorstellen.

2.1 Organigramm zum Aufbau eines Besuchsdienstes (13)


Gremium, Personen +++ Phase/Tätigkeit +++ Zeitdauer
N.N. +++ Initialphase 1/Idee, Formulierung von Vorstellungen +++
Vorbereitungsteam für Tagesordnung (KGR)/N.N. +++ Initialphase 2/ Tagesordnungspunkt "Besuchsdienst" +++ ein Teil des Treffens zur Vorbereitung der KGR-Sitzung
Kirchengemeinderat/ ggf. N.N. +++ Initialphase 3/ Diskussion und Beschlußfassung Einsetzung einer Projektgruppe +++ Teil einer Sitzung mit durch die KGRäte zuvor bearbeiteter Vorlage
Projektgruppe A +++ Projektphase 1/ Situationsanalyse +++ insgesamt ca. Jahr
Projektgruppe A +++ Projektphase 2/ Auswertung +++
Projektgruppe A +++ Projektphase 3/ Öffentlichkeitsarbeit +++
Projektgruppe A +++ Projektphase 4/ Konkretionen +++
Kirchengemeinderat/(Ausschuß der) Projektgruppe A +++ Projektphase 5/ Diskussion und Beschlußfassung +++ Teil einer Sitzung
Projektgruppe B/ Mitglieder des KGRs +++ Seminarphase 1/ Mitarbeitergewinnung +++ ca. 2 Monate
Projektgruppe B +++ Seminarphase 2/ Vorbereitung des Einführungsseminars +++ parallel zu 1
Projektgruppe B/ Seminarteilnehmer +++ Seminarphase 3/ Durchführung +++ ca. 1 Monat
Projektgruppe B/ Seminarteilnehmer/ Kirchengemeinderat +++ Seminarphase 4/ Konstituierung der Besuchsdienstgruppe +++ Teile von Seminar- und KGR-Sitzungen
Pfarrer und Beauftragter des KGRs/ N.N. +++ Einführungsphase/ Einführung im Gottesdienst und durch Öffentlichkeitsarbeit +++ ein Sonntagsgottesdienst oder ein Teil davon
Besuchsdienstgruppe und deren Leitung +++ Arbeitsphase/ Hausbesuche, Gruppentreffen, Weiter gabe von Informationen +++ bis zu ihrer Auflösung

3 Erläuterungen zum Organigramm

3.1 Anforderungen an Mitarbeiterschaft

In der "Seminarphase" steht vor allem die Gewinnung und Schulung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Zentrum. Dabei ist die Klärung der Anforderungen an Mitarbeiterschaft unabdingbar:
1.Die Personengruppe sollte in Bezug auf die Zielgruppe möglichst repräsentativ sein, d.h. es ist nicht nur an die sog. Kerngemeinde zu denken, es sind Männer zu berücksichtigen und die verschiedenen Altersgruppen (besonders junge Leute!).
2.Die Anzahl der Besucher darf nicht zu groß oder klein sein, um Überlastung und Unterforderung zu vermeiden (14).
3.Die betreffenden Personen sollten, besonders im ländlichen Raum wichtig, nicht zu Indiskretion neigen und bereit sein, eine förmliche Datenschutzerklärung abzugeben.
4.Sie sollten sich in die erarbeitete Konzeption einfinden können, bzw. zur Weiterarbeit daran bereit sein.
5.Sie sollten ein gewisses Maß an Kontaktfähigkeit besitzen und diese zu schulen bereit sein.
6.Sie sollten körperlich und seelisch den Anforderungen eines Besuchsdienstes voraussichtlich gewachsen sein und "Reife und Lebenserfahrung" mitbringen.
7.Sie sollten teamfähig, d.h. zur Arbeit in der Besuchsdienstgruppe bereit sein.
8.Sie sollten bereit sein, ihren Dienst im Auftrag der Gemeinde zu tun und eine Beziehung zum Glauben haben.
9.Sie sollten bereit sein, ein Einführungsseminar zu besuchen. Danach sollten sie entscheiden, ob sie bereit sind, durchschnittlich ein bis zwei Besuche im Monat zu machen, einen Abend pro Monat an einem Gruppentreffen teilzunehmen und sich für zunächst ein Jahr zur Mitarbeit zu verpflichten.


3.2 Die Mitarbeit "kostet" ...

1.die Zeit für durchschnittlich etwa ein bis zwei Besuche im Monat (mit ggf. saisonalen Schwankungen!);
2.die Teilnahme an einem monatlichen Gruppentreffen;
3.die Verpflichtung zur Mitarbeit für zunächst ein Jahr.


3.3 Die Mitarbeit "bringt" ...

1.Kontakte und damit die Möglichkeit zur persönlichen Reifung;
2.Möglichkeiten qualifizierter Fortbildung im Bereich des Umgangs mit Menschen;
3.eigenverantwortliche Tätigkeit mit kalkulierbarem Aufwand in einem sinnvollen Aufgabenbereich.

3.4 Einführungsphase

Abschluß der Vorarbeiten bildet die "Einführungsphase":Besonders wichtig erscheint mir, daß nach der organisatorischen Konstituierung der Besuchsdienstgruppe nicht nur eine Vorstellung, sondern eine Einführung im Gottesdienst vorgenommen wird. Die gottesdienstliche Einführung wird begleitet durch die Öffentlichkeitsarbeit, die in Gemeindebrief, Lokalpresse u.ä. die Arbeit des Besuchsdienstes publik macht. Dies dient einerseits dazu, der Gemeinde die Sache des Besuchsdienstes als ihre eigene im Bewußtsein zu halten, auch zur Fürbitte anzubefehlen, und andererseits dazu, einer breiteren Öffentlichkeit Aktivitäten der Kirchengemeinde offen zu legen. Gerade für diesen Bereich, der sich auch als Reaktion auf gesellschaftliche Veränderungen begreift, scheint mir dies wichtig zu sein.

4 Begleitung

Unabdingbare Voraussetzung für die Arbeit eines Besuchsdienstes ist die Begleitung der Mitarbeitenden in einer Besuchsdienstgruppe. Es sei jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, daß es nicht nur bei einer Form der Begleitung bleiben darf, sondern daß auch der Gottesdienst, daß Einzelkontakte, daß die Vermittlung von Literatur, daß gesellige Treffen hier ihre spezifischen Funktionen haben, die es in das Gesamt der Begleitung einzubinden gilt. Das Ziel dieser Begleitung sollte sein, die Mitarbeiter, die Gemeinde und die Besuchten in einem geplanten Dialog zu halten. Der Besuchte hat ein Anrecht darauf, durch einen Hausbesuch nicht überfallen, sondern bereichert, zumindest jedoch in seiner Freiheit (in seinen eigenen vier Wänden!) geachtet zu werden. Daraus ergibt sich in der Begleitung die Notwendigkeit, sich um "sorgsame Begegnung" (15) zu mühen. Die Gemeinde hat ein Anrecht darauf, daß der Dienst, der in ihrem Namen geschieht, auch in ihrem Sinne getan wird. Die Mitarbeitenden haben ein Anrecht auf eine ihnen gemäße Entfaltung ihrer Gaben und Möglichkeiten, darauf, umzugehen zu lernen mit den eigenen Grenzen, darauf, Freude und Sinn (auch) in ihrem Dienst zu finden. Sie sind verantwortliche Subjekte ihres Handelns, was besonders im Besuchsdienst, in dem Menschen einen Teil ihrer Arbeit, nämlich das Besuchen, alleine ausführen, deutlich hervortritt. Sie sind darin auch nicht unmittelbar kontrollierbar, was von der Gemeinde, in deren Auftrag sie diesen Dienst tun, einen Vertrauensvorschuß verlangt. Beides muß demnach zusammengesehen werden. Die Eigenständigkeit und Eigenverantwortlichkeit der Mitarbeit, und die Verantwortung vor dem Sendenden und der diese Sendung aussprechenden und konkretisierenden Ortsgemeinde. Es kann bei Neuzugezogenen ein positives Zeichen sein, wenn ehrenamtlich Mitarbeitende besuchen. Diese Mitarbeit drückt dann aus, daß Kirche aus Christen "wie du und ich" besteht. Es kann gerade auch für die Personengruppe der Neuzugezogenen wichtig sein, darin eine gewisse Offenheit der Gemeinde und Möglichkeiten der Partizipation zu erkennen.Gerade im Besuchsdienst für Neuzugezogene ist es wichtig, Zielvorstellungen immer wieder neu zu klären, Erfolg und Mißerfolg immer wieder neu zum Thema zu machen. Besucher möchten Erfolge sehen, ob sie es sich eingestehen wollen oder nicht. Die Frage des Erfolgs ist nicht zu tabuisieren, sondern in ihrem Recht, gestellt zu werden, zu bestärken. An diesem Punkt wird sich auch immer wieder zeigen, ob dem Besuchsdienst eine konkrete und durchführbare Konzeption mit ebensolchen Zielvorstellungen zugrunde liegt.

5 Anmerkungen

(1) Vgl. Wolfgang Raupp: Besuchsdienst, Konstanz 1988, S. 20; sehr schön zu hören bei: Winrich Scheffbuch: Besuchen, in: Otto Kehr und Kurt Rommel (Hgg.): Von Annehmen bis Zuhören, Stuttgart 1987, 32-36, bes. 34f.
(2) Richard Hartmann: Unterwegs in der Pfarrgemeinde, St. Ottilien 1988, 246.
(3) Vgl. Wolfgang Fuchs: Thema: Besuchsdienst in der Gemeinde (Miss. Dienste 123), Stuttgart 1990, 3.
(4) Rüdiger Schloz in: Jan Appelkamp u.a.: Türen öffnen, München 1979, 9.
(5) Ebd.
(6) Vgl. James Kennedy: Handbuch für Gemeindewachstum, Bad Liebenzell 2.A. 1981; Bernd Schlottoff: Missionarischer Besuchsdienst - So fangen Sie an, in: Jörg Knoblauch (Hg.): "Gemeindeaufbau hat Zukunft", Neukirchen-Vluyn 1987, 137-140.
(7) Fuchs a.a.O. (Anm. 3) 2.
(8) Hartmann a.a.O. (Anm. 2) 241.
(9) Vgl. unter Anm. 6 und 10.
(10) Charles Arn u.a.: Gemeindeaufbau: Liebe in Aktion, Neukirchen-Vluyn 1985, 151.
(11) Vorausgesetzt ist freilich bei dieser Argumentation, daß der Besuch erst nach einiger Zeit erfolgt
(was aufgrund der Laufzeiten im Meldewesen der Normalfall sein dürfte) und daß es nicht beim Einzelkontakt bleibt. Im Württembergischen Gemeindedienst weist Gottfried Berger immer wieder auf diesen Sachverhalt hin.
(12) Vgl. Felix Schlösser: Missionarische Gemeinde - Aspekte einer "Fernstehendenpastoral", in: Josef Scharrer und ders.: Gemeinde lebt von Kontakten, Limburg 1978, 13-58, 45.
(12a) Zu der hier durch Aufnahme der Begrifflichkeit angesprochenen sog. VELKD-Doppelstrategie vgl. u.a. Christian Möller: Lehre vom Gemeindeaufbau. Band 1, Göttingen 1987, 126-129.
(12b) VELKD u.a. (Hgg.): Erneuerte Agende. Vorentwurf, Hannover 1990, 10.
(13) Vgl. Appelkamp a.a.O. (Anm. 4) 29-33 und passim.
(14) Ich schlage folgende Berechnungsgrundlage vor: Anzahl der neuzugezogenen Haushalte im vergangenen Jahr oder deren prognostizierte Anzahl im laufenden oder kommenden, falls erhebliche Anstiege zu erwarten sind x 0,1 + 0,4 = Mitarbeiterzahl; der Faktor 0,1 setzt sich zusammen aus 0,1 =~ (0,75x1,25):12 diese Berechnung setzt voraus: daß durchschnittlich 1 Besuch pro Monat gemacht wird (":12"), daß es -nach vorheriger schriftlicher Besuchsanmeldung- in 75% der Fälle zu einem Besuch oder einem telefonischen Kontakt und Abgeben einer Gemeindeinformation kommt ("x0,75"), daß es im ersten Jahr zu einem für die anderen Gruppenmitglieder nicht allzuviel Stress verursachenden Ausfall von 20% der Mitarbeiter kommen "darf" (1:[1-0,2]="x1,25"), daß der Leiter der Gruppe eher etas weniger Besuche macht (ca. 60%, was 0,4 Besucher mehr beansprucht). Berücksichtig werden sollte außerdem das "Rücktrittsrecht" nach dem Einführungsseminar.
(15) Rainer Dillmann und Josef Hochstaffl: Jesus als Modell, Mainz 1991, 40 u.ö.