Kommentar von Alexander Behrend zur Abendmahls-Enzyklika von Papst Johannes Paul II. vom 17.4.2003

Kindergeburtstag: Der elfjährige (nennen wir ihn:) Michael freut ich auf seine Gäste; einen Videofilm wollen sie gemeinsam anschauen. Nur: zu essen gibt es anschließend nichts! Das verbietet Papa, denn schließlich haben die Lehrer von Michas Freunde lediglich eine Pädagogische Hochschule besucht und sind deshalb von grundsätzlich anderer Qualität als die gymnasialen Schulmeister seines Sohnes.
Natürlich hinkt auch dieser Vergleich, aber er drängte sich mir auf, als ich die im GEA vom Gründonnerstag angekündigte Enzyklika "Ecclesia de eucharistia" von Johannes Paul II. las (das Internet machte es schnell möglich). Muß man so etwas am Kindergeburtstag, Entschuldigung: am Gedenktag der Einsetzung des heiligen Abendmahls veröffentlichen? Obwohl: Es ist letztlich nur Altbekanntes, das von dem altbekannten und selbsternannten Ökumeniker aus Rom wiederholt wird. Daß die evangelischen keine Kirchen seien (sondern bestenfalls "kirchliche Gemeinschaften"), daß sie nicht in der Amtsnachfolge der Apostel stünden, daß deshalb nur die römisch-katholische wahre Kirche sei, daran mußten wir nur einmal wieder erinnert werden. Allerdings gibt es neben dem (aus dieser Sicht notwendig folgenden) absoluten Nein zu jeglicher gemeinsam durchgeführter Abendmahls-Feier auch neue Zungenschläge. In Zukunft habe ich es nämlich auch als einzelner nicht römisch-katholischer Christ noch schwerer an der dortigen Eucharistie teilzunehmen: Mir wird nun nämlich unterstellt, daß ich damit sozusagen stillschweigend den Glauben der katholischen Kirche bekenne - und Glaube meint hier vor allem auch die Zustimmung zur römisch-katholischen Hierarchie, zum Papstamt, zum Weihesakrament (Ziffer 46 der Enzyklika). Der Stifter des Abendmahls eint uns - aber es trennt uns das Selbstbild der römisch-katholischen Kirche: ihre Gleichsetzung mit "der" Kirche.
Meine katholischen Freunde werden mir wieder einmal sagen, daß sie es doch ganz anders sähen und alles nicht so gemeint sei. Aber irgendwie habe ich keine Lust auf diesen Kindergeburtstag Dabei könnte Ökumene so einfach sein: Die römisch-katholische bräuchte nur in den Schoß der wahren Kirche zurückzukehren, wieder in die apostolische Sukzession der evangelischen eintreten, sich zur Gnade allein im Glauben bekennen und alles wäre gut. Und anschließend gibt es nicht nur ein schönes Video, sondern auch ein gutes Essen miteinander - und Mama freut sich, weil es Streitereien doch ansonsten genug gibt.








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