Aldi als Paradigma der Volkskirche

Durchaus auch ernst gemeinte Seitenblicke aus der Sicht eines volkskirchlichen Pfarrers auf ein konsum-soziologisches Phänomen.
Ein Thesen-Papier

 

 
Weitere Infos zum Thema "Aldi und Kirche" am Schluß dieser Seite ...

Aldi ist trendy

Spätestens seit Matthias Horx‘ "Rezessionskultur" und seiner damit zusammenhängenden "Aldisierung" ist klar: Aldi ist Kult und Trend. Trend ist mehr als eine Mode; er repräsentiert gesamtgesellschaftliche Entwicklungen. Aldi ist Trend vor allem deshalb, da sich hier die Schere zwischen Arm und Reich öffnet und räumlich zugleich im wahrsten Sinne unter einem Dach sich wiederfindet: hie die einen, für deren Existenz (im ganz existentiellen Sinne) es überlebenswichtig ist, daß es in ihrer Nähe einen Aldi gibt (oder wenigstens einen Lidl); da diejenigen, die sich "downtraded" Luxus leisten können: den Gang zu Aldi, den man sich leisten kann, weil man sich sonst tendenziell alles leisten kann.

Aldi und Volkskirche

Unter diesen Vorzeichen lohnt sich der Blick eines Pfarrers zwischen die Aldi-Regale, wo sich die Gemeindeglieder tummeln. Denn es steht zu vermuten, daß sich bei Aldi nicht nur eingeschweißte Fleischkäse-Stücke finden, sondern auch Einblicke in das eigene Phänomen Volkskirche nehmen lassen. Grundthese ist, daß sich anhand der Aldi-Kultur ein Paradigma und in ihr eine strukturelle Analogie zur Volkskirche finden läßt; das legt sich schon deshalb nahe, da es sich statistische gesehen bei einem großen Teil der Klientel des einen um die Mitglieder der anderen handeln dürfte. Dabei handelt es sich bei der erkennbaren Analogie sowohl um eine Analogie zum Ist-, als – in anderen Hinsichten – zum Idealzustand der Volkskirche. Das jeweilige Analogans zuzuordnen, bleibt dem jeweiligen Leser, der jeweiligen Leserin auf dem jeweiligen Erfahrungshintergund ekklesialer Wirklichkeit anheim gestellt; dieser Vorbehalt liegt in der volkskirchlichen Sache selbst begründet und ist nicht als kognitives Defizit zu mißdeuten.

Wo liegen die Strukturanalogien?

Wo liegen nun aber die Strukturanalogien im einzelnen. Zu unterscheiden sind hier Aspekte, die sich aus dem Vollzug des Einkaufs und aus dem Subjekt des oder der Einkaufenden heraus ergeben. Hierzu zählen Phänomene wie die Schwellenangst, die milieu- und schichtenüberspannende Klientel, das gemeinschaftsstiftende Grundmoment u. ä.
Daneben stehen Aspekte, die die betriebswirtschaftlichen Vorgaben und Entscheidungen betreffen.

Analogien, die im Subjekt und im Vollzug des Einkaufs begründet liegen

Grundversorgung und downtraded Luxus
Aldi bietet – und das macht die Spannung jedes Ganges durch seine Hallen – eine wohlausgewogene und darin ein menschliches Existenzial repräsentierende Mischung aus Grundnahrungs- und -lebensmitteln (Clopapier, Butter, Mehl, Zahnpaste) sowie aus Luxusartikeln; letzteres wird in Form von zeitlich befristeten Sonderposten gewährt; die Kenntnis dieser Angebote hat etwas esoterisches: regelmäßige Kunden entnehmen den Aushängen (vgl. die gottesdienstlichen "Abkündigungen") die Sonderangebote der nächsten Woche; Gelegenheitskunden müssen mittwochs, womöglich erst donnerstags auf die Tageszeitung setzen. Die Informations-Elite bedient sich den professionelle Spürnasen und findet im Web Informationen Monate im Voraus, wodurch sich Geburtstags- und Weihnachtseinkäufe entsprechend kalkulieren lassen.

Die Analogie zu unserer volkskirchlichen Wirklichkeit ist evident: Auch hier geht es um eine möglichst umfassende Abdeckung menschlich-religiöser Grundbedürfnisse (Taufe als Begrüßungsfest im Leben; Hochzeit als religiöse Fundierung eines vertraglichen Aktes usw.) gepaart mit Projekten, Initiativen, Angeboten, die darüber hinausgehen. Die Kunst volkskirchlicher Gemeindeleitung dürfte die Ausgewogenheit zwischen beiden und deren wechselseitige Durchdringung sein. Da keine Analogie ganz kongruent ist, muß hier betont werden, daß die besonderen kirchlichen Angebote nicht zugleich downtraded Luxus sein müssen, sondern im Gegenteil ein hohes Maß an Engagement oder anderen "Kosten" verursachen können und manchmal gar müssen.

Schichten und Milieus verbindend

Kennzeichnend für die Aldi-Gemeinde ist ihr milieu- und schichten übergreifender Charakter. Die Volkskirche versteht(!) sich entsprechend – im Gegensatz beispielsweise zu us-amerikanischen Denominationen – als ein übergreifendes Gebilde; die Möglichkeit der Mitgliedschaft wird – formal gesehen – im Grunde nur durch das Territorialsystem bestimmt (Wohnort im Gebiet einer Landeskirche; dies betrifft die deutsche Ausformung der Landeskirche). Diese Weite hat als Kern die implizite Ausrichtung des Evangeliums auf die Versöhnung der Verschiedenen, die zu der einen Kirche vereint werden.

vom Fan bis zum "lose Gebundenen": Verortung gegenüber Aldi ist Entscheidung des einzelnen

Mit dem Vorgenannten hängt unmittelbar zusammen, daß die subjektive Verortung zum Gemeinwesen in die Verantwortung des einzelnen gestellt ist. Bei Aldi gibt es die Fans, die eine eigene Homepage ins Internet stellen, und die distanzierten Käufer, die hingehen, wenn es nicht anders geht, weil es die äußeren Umstände zwingend nötig machen oder das Angebot nicht ausgeschlagen werden kann.

Für die Volkskirche gehört es zu ihrem unabdingbaren Profil, daß sie die Verortung und die Partizipation ihr selbst gegenüber ihren mündigen Gliedern anheimstellt. Daraus resultieren freilich interne Spannungen zwischen den professionellen Vertretern volkskirchlicher Religion, die für deren Reinerhaltung einzustehen haben, und den hochverbundenen Gliedern, denen es darum geht – aus durchaus ideologieinhärenten Gründen –, daß alle so werden wie sie selbst: Aus Käufern sollen Fans werden, die möglichst wenigstens im wöchentlichen Turnus zu Aldi, bzw. zur Kirche gehen.

Low-Design

Volkskirche lebt aus einem kalkulierten Low-Design. Sie muß sich zwar repräsentieren, darf sich allerdings nie modisch-modern geben oder gar professionelle Werbung und das damit verbundene Design in Anspruch nehmen. Denn sie wirtschaftet mit dem Geld ihrer Mitglieder. Auch Aldi wirtschaftet mit dem Geld seiner Mitglieder – und da das in den rechten Kassen bleiben soll, wird auch hier im Low-Design-Bereiche gearbeitet. Dazu kommt, daß in einer durch-und-durchgestylten Welt gerade der Verzicht oder wenigstens die Reduktion von Design stilbildend wirken und zu einem hohen Akzeptanz- und Widererkennungswert führen kann. Von daher ist im aktuell etwas abgeflauten Württembergischen Kirchen-Kleider-Kampf entschieden und mit Nachdruck für die Beibehaltung des low-designten schwarzen Talars zu votieren: Black ist schlicht und beautifull!

jahreszeitliche Dimension

Sonderangebote und die kirchlichen Feste orientieren sich an den Zyklen der Konsum- und christlichen Gemeinde. Das Kirchenjahr findet dabei sein Aldi-Äquivalent an den lebensgeschichtlichen, jahreszeitlichen und reisebedingten Abläufen: In den Sommerferien gibt es Schulartikel, im Frühjahr den Gartenschlauch und zu Beginn der Urlaubswellen das Erste-Hilfe-Set. Auch die Volkskirche orientiert sich neben den christlichen Festen an den Vollzügen ihrer Mitglieder, wenn sie zu Schulanfangsgottesdiensten einlädt, Adventsbasare veranstaltet oder das Erntedankfest begeht. Solchermaßen verortete Angebote finden in der Regel relativ gute Resonanz.

die Gemeinschaft wird extern konstituiert, nicht aus der Beziehung der Subjekte untereinander

Kennzeichnend für die Kirche ist, daß sie die Gemeinschaft ihrer Mitglieder nicht durch deren gemeinsame Interessen oder deren Sympathie füreinander – wie bei einem Verein oder einem Freundeskreis – konstituiert sieht, sondern durch ein anderes außerhalb ihrer selbst, das Evangelium, Gott oder Jesus Christus genannt. Auch bei Aldi ist das so. Die Aldianer sind extern verbunden durch – formal gesehen – den gemeinsamen Supermarkt. Die dadurch bedingte intersubjektive Bindung wird subjektiv durchaus unterschiedlich wahrgenommen und gelebt.

der Einkauf als Kult und die Rückkehr in den Alltag

Wie bei der Konfirmation die Geldgeschenke der wirkliche Initiationsritus in der Konsumgesellschaft sind, so ist der Einkauf bei Aldi Kult. Er dient nicht nur dem Erwerb von Waren; er dient gleichermaßen der transzendenten Vergewisserung des eigenen Selbst, insofern hier – und gerade hier – der grundlegende Vollzug in einer kapitalistischen Gesellschaft getätigt wird: das monetäre Tauschgeschäft. Auch in der Kirche wird beispielsweise der Gottesdienstbesuch unter den Kategorien des Marktes praktiziert: Die Begegnung mit Gott ebenso wie die Leistung deines Vertreters werden unter utiliaristischen Vorzeichen bewertet; simpel gesagt: Lohnt es sich? wird gefragt. Die Akzeptanz dieser Frage seitens der organisierten Religion sowie deren kritische Infragestellung vom Evangelium her, ist die Gradwanderung, zu der die Kirche angesichts der Omnipräsenz des Marktes genötigt ist.

Der Gottesdienst wie der Einkauf bei Aldi implizieren deren ordnungsgemäße Beendigung und einen geordneten Rückkehr in die Alltagswirklichkeit. Was im Gottesdienst der Volkskirche der Segen, die Abkündigungen und die Nutzanwendung der Predigt darstellen, stellt sich nach Aldi in der Lektüre des Sonderangebots-Plakates der nächsten Woche und im Verzehr respektive der Anwendung der erworbenen Sache dar; dies geschieht nach dem geordneten Anstehen in der Kassen-Schlange, der Bezahlung des Warenwertes und der freundlichen Verabschiedung durch die Kassiererin.

Schwellenangst

Kirche wie Aldi haben Schwellenprobleme; bei Aldi bestand dieses darin – mittlerweile hat sich dies signifikant geändert –, daß ihm ein besonderes Image anhaftete: Aldi ist nur etwas für die, die sich anderes nicht leisten konnten. Das hat sich bekanntermaßen seit Anfang der 90er Jahre geändert. Die Schwellenproblematik hat sich für Aldi also weitgehend ohne eigenes Zutun gelöst; das einzige, das getan wurde, war: man blieb sich treu ¼ Ansonsten setzt man auf die erprobten Aldi-spezifischen und allgemeinen ökonomischen und architektonischen Erkenntnisse: ein Eingangsbereich mit Sogwirkung, leichte Orientierung im Laden mit hohem Wiedererkennungseffekt auch in anderen Märkten, garantierte Preisgünstigkeit usw.

trotzdem: es kostet was ¼

Der Kirche ist die Schwellenangst ein altbekanntes Phänomen. Von Aldi kann sie lernen, sich nicht vorschnell am vermeindlichen Zeitgeist zu orientieren, sich wiedererkennbar zu machen und ansonsten, wenn nicht auf den Zeit-, so doch auf den heiligen Geist zu warten.

Vermittler

Im Aldi gibt es nur Kunden – mit signifikanten Ausnahmen: der Filialleiter, der im Hintergrund der Fäden zieht (ähnlich den Oberkirchenräten), praktisch nicht ansprechbar ist, ohne öffentliche Telefonnummer und stets in Bewegung (im Gegensatz zu den Oberkirchenräten); die andere Ausnahme sind die Kassiererinnen, deren Verhältnis zu den Kunden jedoch als ein formalisiertes Un-Verhältnis zu beschreiben ist, insofern ihre geordnete Begegnung mit denselben nur dessen schleunigste Beendigung intendiert (kurz: der Kunde soll möglichst schnell zahlen und die Warteschlange so möglichst klein sein).

Für die Volkskirche sind die Aldi-Ausprägungen dieser Vermittler-Instanzen durchaus nachahmenswert, insofern es um deren Sache und nicht um die Vermittler, Gurus gar, geht. Andrerseits steht die Kirche im Dilemma, daß die Sache deren Vermittler bedarf – und die Vermittlung nicht selten durch diese selbst verhindert wird.

Analogien aus den betriebswirtschaftlichen und organisatorischen Data

Binnendifferenzierung

Aldi kennt die grundlegenden Binnendifferenzierungen der im Uhrzeiger- und im Gegenuhrzeigersinn orientierten Märkte sowie in Aldi-Süd und Aldi-Nord. Dies läßt sich vergleichen mit den verschiedenen Landeskirchen der Evangelischen Kirche Deutschlands, die zum einen auch eher links- bzw. rechtsherum drehen, zum anderen ein Nord-Süd-Gefälle darstellen; Ausprägungen dieser Binnendifferenzierungen sind unter anderem die konfessionellen Bünde innerhalb der EKD. Die Aufgabe, die sich dadurch bei Aldi und der Kirche stellt, ist die Darstellung des sie Vereinenden. Bei Aldi geschieht dies durch den gemeinsamen Namen oder das analoge Logo (Aldi-Süd / Hofer); bei der Kirche durch den Ratsvorsitzenden der EKD und ansonsten eher spärlich.

Ökumenizität

Eine Volkskirche läßt sich nur als ökumenische Kirche verstehen; auch Aldi ist ökumenisch, zumindest was den nordeuropäischen Raum und die USA betrifft. Da ein Aldi in einem Land der sog. Dritten Welt nicht denkbar ist (schon die Schweiz ist bislang noch Aldi-frei), liegt hier eine Un-Vergleichbarkeit vor, insofern die Kirche gerade aus ihrer Ökumene über die Nordhemisphäre hinaus gekennzeichnet ist.

Konkurrenzsituation

Aldi und die Volkskirche leben in einer Konkurrenzsituation. Sie müssen versuchen sich gezielt und geplant gegen Mitbewerber um die Kundengunst durchzusetzen und in ihrem Marktsegment möglichst positiv zu plazieren. Beiden gelingt dies zur Zeit vor allem durch den Kult; ansonsten sind die Strategien durchaus verschieden.

Resümee

Trotz aller Unvergleichbarkeit im Analogen, das ja gerade die Analogie von der Gleichheit unterscheidet, lohnt sich für die Volkskirche ein Blick in den Aldi. Nicht nur, daß sie es hier – wie oben erwähnt – statistisch gesehen mit sehr vielen ihrer eigenen Klientel zu tun bekommt. Sie kann mit Blick auf das konsum-soziologische Phänomen Aldi einiges für die eigene Sache und Existenz lernen. Und überhaupt: Auf den ersten Metern in jedem Aldi gibt es Brot und Wein – sollte uns das nicht zu denken geben? Nein? Na dann eben nicht ¼



Über meine "Aldi-Glosse" ...
Mail vom 02.02.02
Hallo, Herr Behrend, ich bin beim Surfen im Internet per Zufall (weil ein sog. Freundeskreis EK-Kirche + Deutsche Seemannsmission Lome i.G. eine Kleidersammlung veranstaltet, und ich diesen Freundeskreis näher kennenlernen wollte!) auf Ihre Seite gestoßen.
Ihre sehr treffende Glosse "ALDI und die Volkskirche" habe ich mit großem Vergnügen gelesen.
Wenn es in der EKD nur annähernd so viele Behrends wie ALDI -Filialen in Deutschland gäbe, dann bräuchten "Ihre Filialleiter" sich keine Gedanken mehr über die vielen Kirchenaustritte zu machen!
God Bless You!
Jemand, der sich das ALDI gehen schon seit 30 Jahren leistet und es herrlich findet, daß dieser Laden mittlerweile Kultstatus hat und nun auch die Neureichen ihren Mercedes auf den Parkplatz stellen, die noch vor 5 Jahren die Nase gerümpft und höchstens ihre Putzfrau zum Einkaufen geschickt haben!


Parallelen zur Kirche entdeckt ...
Hörner, Gerhard; Carlsson, Sonja: Die Aldi-Diät. Der gesunde, einfache und preiswerte Weg zur Traumfigur. Econ Taschenbücher Nr.20641. ISBN 3-612-20641-9 10.00 DM (März 1999). Seite 52:
"Ein überzeugter Aldianer, dessen Botschaft wir im Internet aufgestöbert haben, hat in dem 'low design' gar Parallelen zur Kirche entdeckt: hier der braune Karton, dort der schwarze Altar, hier der Adventsbasar, dort der allwöchentliche Schnäppchenmarkt mit Gartenschlauch und Erste-Hilfe-Set. Doch zumindest bei den Führungskräften hat der gläubige Aldianer einen entscheidenden Vorteil des Konsumtempels ausgemacht: Die Filialleiter hätten zwar eine ähnliche Position wie Oberkirchenräte (unauffällige Strippenzieher), aber im Gegensatz zu denen seien sie immer in Bewegung."
Nun gut, über die sehr freie Zitation schaue ich großherzig hinweg ...


"so verläßlich wie die Katholische Kirche"
Junge Welt vom 24.12.98
"Aldi ist nicht das Schöne, Gute und Wahre - wo wäre das in der Bundesrepublik zu erwarten -, sondern ein Teil der materiellen Verhältnisse, nicht Überbau, sondern Basis sozusagen. Aber mit dem ästhetischen Charme der frühen Jahre Westdeutschlands - so paternalistisch wie Adenauer, so schnittig wie ein Goggomobil und in bezug auf Dauerhaftigkeit so verläßlich wie die Katholische Kirche."
Zum ganzen Artikel ...


"Aldi" für Deutsche genau so wichtig wie Kirche:
Spaß und Sinn

dpa-Bericht u. a. in Reutlinger Generalanzeiger vom 13.10.99 Seite 8.
H a m b u r g. (dpa) Mit einem Werte-Mix aus Kult, Konsum und Kirche gehen die Deutschen nach Ansicht von Freizeitforschern ins neue Jahrhundert. Spaß- und Sionfaktoren seien für die Menschen heute gleich wichtig, heißt es in einer Umfrage des Hamhurger BAT-Freizeit-Forschungsinstituts.
Das Institut hatte 3 0 0 0 Bundesbürger ab 14 Jahren gefragt, wofür sie sich persönlich begeistern können, und was sie in ihrem Leben attraktiv finden. Demnach nehmen Produkt-Marken teilweise einen ebenso hohen Stellenwert ein wie etwa die Kirche.
Für 22 Prozent der Befragten sind der BAT-Studie zufolge Kirche und Religion genauso wichtig wie die Marken »Aldi« und »Adidas«. In der persönlichen Wertschätzung rangiere die Bibel mit 19 Prozent nur knapp vor »CocaCola« (18 Prozent), »Levis« (17 Prozent) und »Mc Donald's« (15 Prozent), hieß es.
Die Deutschen fühlten sich »bei diesem Mix aus Kirche und Konsum, klassischen Werten und modischer Kleidung durchaus wohl«, sagte der Leiter des BAT-FreizeitForschungsinstituts, Prof. Horst W, Opaschowski.
Große Unterschiede stellte das Institut zwischen einzelnen Altersgruppen und den Befragten in Ost- und Westdeutschland fest. Während »Coca-Cola« (54 Prozent) und »Mc Donald's« (47 Prozent) bei den 14- bis 49-Jährigen besonders großen Anklang fänden, stünden bei den Rentnern die Olympischen Spiele (40 Prozent) sowie Kirche und Religion (40 Prozent) ganz obenan, hieß es.
Die Umweltorganisation Greenpeace erreiche bei den Westdeutschen mit 25 Prozent eine fast doppelt so hohe Wertschätzung wie bei den Ostdeutsehen (13 Prozent).
Nach einer ebenfalls am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Marktforschungsinstituts Ipsos rücken die Deutschen die eigene Person und die Familie wieder stärker in den Mittelpunkt ihres Lebens. Für 47 Prozent der Befragten sei Kreativität bei der Arbeit wichtiger als wirtschaf tlicher Erfolg, hieß es.